Immobilien

Wohnungsbau: Bis zu 25.000 Bewohner in der City?

Grünen-Fraktionschef
Anjes
Tjarks (37) ist
seit 2011 Mitglied
der Bürgerschaft
Grünen-Fraktion

Grünen-Fraktionschef Anjes Tjarks (37) ist seit 2011 Mitglied der Bürgerschaft Grünen-Fraktion

Foto: HA / Mark Sandten

Grünen-Fraktionschef Anjes Tjarks sieht großes Potenzial für Wohnungsbau. Tjarks setzt zudem auf eine weitere Nachverdichtung.

Hamburg.  Der Dialog mit den Bürgern und Wählern steht in der Politik derzeit hoch im Kurs. Nicht nur der neue Erste Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) will genau hinhören, was die Menschen denken. CDU-Oppositionschef André Trepoll hat eine Veranstaltungsreihe mit dem vielsagenden Titel „Zurück in die Zukunft“ gestartet, und nun geht auch Grünen-Bürgerschaftsfraktionschef Anjes Tjarks auf Tour durch die Bezirke. „Ohne Filter – eure Fragen, grüne Antworten“, lautet das Motto, unter dem Tjarks und die jeweiligen Wahlkreis- und Bezirksabgeordneten einladen.

„Das soll ein Format nach Art der Townhall-Meetings werden, also keine langen Reden. Wir wollen den Dialog mit der Stadt führen und nicht im Rathaus bleiben“, sagte Tjarks in einem Gespräch mit Journalisten. Dabei hat der Obergrüne den Blick schon auf die Bürgerschaftswahl 2020 und das Wahlprogramm gerichtet. „Es ist wichtig, dass wir uns den Input von den Menschen abholen“, sagte Tjarks.

Bessere Kooperation

Der Grünen-Fraktionschef will sich beim Wahlprogramm aber auch ein Beispiel an der Bundespartei nehmen, die bei der Diskussion über ein neues Grundsatzprogramm „alte grüne Lebenslügen hinterfragen“ will, wie etwa die traditionell ablehnende Position der Gentechnik gegenüber. Auch die Hamburger Programmdebatte könnte nach dem Willen von Tjarks derartige „grüne Widersprüche antippen“.

Da laut Umfragen das Thema Bezahlbarkeit von Wohnraum für die Hamburger obenan steht, müsse seine Partei in der Frage Wohnungsbau oder Grünflächen Stellung beziehen. „Wir wollen Wohnungen bauen, wir müssen Wohnungen bauen, und dafür brauchen wir Flächen, aber wir wollen die grüne Stadt Hamburg erhalten“, so der Fraktionschef. Die Idee der CDU, den Wohnungsbau im Umland durch eine bessere Kooperation und gemeinsame Planung etwa mit Schleswig-Holstein anzukurbeln, lehnt Tjarks ab. „Das ist auch ökologisch nicht sinnvoll, weil es die Pendlerströme noch vergrößert.“

Weitere Nachverdichtung

Tjarks setzt unter anderem auf eine weitere Nachverdichtung. „Viele Menschen finden Urbanität gut“, sagte der Grünen-Politiker und nannte als Beispiel das Generalsviertel in Hoheluft – ein hoch verdichtetes Quartier, in das dennoch viele ziehen wollten. Es müsse darüber nachgedacht werden, „ob wir nicht größere Strategien zur Wiederbesiedelung der Innenstadt“ brauchen. „Früher lebten hier 80.000 Menschen. Heute sind es nur 2000. Die City ist arg vernachlässigt worden“, befand der Fraktionschef.

Tjarks verwies auf erste Ansätze wie den Neubau der City-Höfe, in denen auch Wohnungen entstehen sollen. Die zentrale Frage werde sein, was mit der sechsspurigen Ost-West-Achse passiere. „Das sollten wir uns sehr ernsthaft anschauen“, sagte Tjarks bezogen auf den Vorschlag, die Straße in einen Tunnel zu verlegen. „Innerhalb einer Generation sehe ich ein Potenzial von 25.000 Menschen, die wieder in der Innenstadt wohnen könnten“, so der Grüne. Letztlich könnte der Bereich Altstadt und Neustadt mit der HafenCity sowie dem geplanten Wohnungsbau auf dem Grasbrook zusammengekoppelt werden.

Rotes Tuch für die Ökopartei

Außerdem drängt Tjarks auf „einen anderen Zugang der Grünen zum Auto“, traditionell ein rotes Tuch für die Ökopartei. „Wir sollten die Chance, die die Elektromobilität bietet, beherzt ergreifen“, sagte Tjarks. Gemeinsam mit der Bundespartei hat der Landesverband ein Gutachten in Auftrag gegeben, das das Potenzial für das VW-Projekt „Moia“ ermitteln soll, das zusammen mit der Hochbahn noch in diesem Jahr Elektrobullies auf die Straße schicken will. Die Autos können per App gebucht werden und bieten sechs Personen Platz. Ein Algorithmus errechnet, welche Strecke das Auto entlangfahren muss, um möglichst viele Passagiere in möglichst kurzer Zeit zu transportieren.

„Es ist doch gut, wenn auf Knopfdruck ein Auto in der richtigen Größe statt eines Gelenkbusses zum Beispiel in die Vier- und Marschlande fährt“, sagte Tjarks. Das Projekt könne den Autoverkehr letztlich sogar verringern.