Nach Familiendrama

So trauert Hamburg um die Mordopfer vom Jungfernstieg

Eine Frau steht am Sonnabend vor auf dem S-Bahnsteig Jungfernstieg abgelegten Blumen

Eine Frau steht am Sonnabend vor auf dem S-Bahnsteig Jungfernstieg abgelegten Blumen

Foto: Markus Scholz / dpa

Auch zwei Tage nach der Tat ist das Entsetzen groß. Appell der Lampedusa-Gruppe. Wie Sie den hinterbliebenen Kindern helfen können.

Hamburg.  Der Bahnhof Jungfernstieg ist ein Durchgangsort. Am Sonnabend aber bleiben erneut viele Menschen stehen, verharren schweigend im Getöse der ein- und ausfahrenden S-Bahnen. An der Stelle, an der am Donnerstag eine Mutter (34) und ihre einjährige Tochter – vor den Augen vieler Passanten – erstochen worden sind. Das Mädchen starb noch auf dem Bahnsteig, seine Mutter wenig später im Krankenhaus. Der Täter, Ex-Freund der Mutter und Vater des Kindes, sitzt in Untersuchungshaft. Ihm wird zweifacher Mord vorgeworfen.

Eine Frau kniet auf dem Bahnsteig nieder und legt eine pinkfarbene Rose zu den vielen anderen Blumen, Kerzen, Stofftieren und Beileidskarten. „Wenn man hier so durchgeht, ist das sehr bedrückend“, sagt die Hamburgerin, selbst Mutter von vier Kindern. Der Betreiber eines Kiosks auf dem Bahnsteig, Kamber Cengiz, berichtet: „Ich stehe noch immer unter Schock. Unfassbar“. Und schüttelt den Kopf. Seine Kollegin sei nach der Attacke aus dem Kiosk gerannt, um zu helfen. Er selbst sei hinter dem Tresen geblieben.

Menschen waren aus Angst in seinen kleinen Laden geflüchtet. Viele weinten, andere rannten in Richtung der Bahnhofsausgänge. Cengiz sah nach eigenem Bekunden auch den mutmaßlichen Täter wegrennen. Der aus dem Niger stammende Täter Mourtala M. (22) wurde kurz nach der Tat in der Einkaufsmeile Mönckebergstraße gefasst.

„Das geht ans Herz, weil es ein Kind war“, sagt eine Frau aus Barmbek, die Hand ihrer eigenen Tochter fest umklammert. „Für die Geschwister tut’s mir leid“, fügt sie hinzu. Die getötete Mutter hinterlässt vier Kinder. Der Verein „Kinder helfen Kindern“ des Abendblatts hat zu einer Spendenaktion zugunsten der Geschwister aufgerufen.

Appell der Lampedusa-Gruppe

Unterdessen hat die sogenannte Lampedusa-Gruppe, der Mourtala M. angehörte, am Sonnabendabend in einer Pressemitteilung auf die Tat reagiert. „Wir verurteilen diesen brutalen Akt auf das Schärfste“, heißt es in der auf Englisch und auf Deutsch verbreiteten Erklärung, „es bricht uns das Herz, auch nur über diese inakzeptable Tat zu sprechen.“

Die Gruppe spreche allen Hinterbliebenen und Betroffenen ihr aufrichtiges Beileid aus. Zugleich stelle man sich „als eine politische Bewegung, die gegen alle Formen von Rassismus kämpft“, gegen alle, die die Tat dazu nutzen wollen, die Lampedusa-Gruppe in Misskredit zu bringen.

Mourtala M. habe der Gruppe, die in Hamburg Kirchenasyl fand, bis 2014 angehört, bevor er einen Asylantrag gestellt habe. Danach habe er die Gruppe verlassen, „sodass wir bis zu diesem schrecklichen Vorfall nichts mehr von ihm gehört haben“.

Spenden für die Kinder der Ermordeten

Das Abendblatt möchte die Kinder unterstützen, die bei dem Familiendrama ihre Mutter verloren haben. Wer für die vier Geschwister spenden möchte, kann dies tun über den Abendblatt-Verein „Kinder helfen Kindern“; Stichwort: Familiendrama Jungfernstieg.

Spenden an den Abendblatt-Verein Kinder helfen Kindern e. V. IBAN: DE25 2005 0550 1 280 144 666 BIC: HASPDEHHXXX (Hamburger Sparkasse) Stichwort: Familiendrama Jungfernstieg