Bühne

Eine Oper wie eine Odyssee durch das Darknet

Szene aus „I.th.Ak.A.“ von Samuel ­Penderbayne

Szene aus „I.th.Ak.A.“ von Samuel ­Penderbayne

Foto: Jörg Landsberg

Die Uraufführung „I.th.Ak.A.“ von Samuel Penderbayne ist intelligentes und unterhaltsames Musiktheater in der opera stabile

Hamburg. Ithaka, die mythische Heimat von Odysseus, gilt wohl als Sehnsuchtsort schlechthin. Der Wunsch, nach Hause zu kommen, erhielt dem antiken Helden bei den Irrfahrten über die Meere die Hoffnung. Ithaka ist aber auch ein Sehnsuchtsort für Juli, moderne Heldin und Alter Ego Odysseus’, in der Oper „I.th.Ak.A.“ des australischen Komponisten Samuel Penderbayne, fortan in der opera stabile zu erleben. Aber Juli alias Ulysses sucht nach I.th.Ak.A. im Internet – es erklärt die ungewöhnliche Schreibweise.

Als Häftling einer fiktiven Anstalt für politische Gegner gelingt es Juli auszubrechen aus dem inneren, geschlossenen Netz in das äußere, vermeintlich freie Netz. Doch schon steht der gefährliche Cyberguide Cyclop (witzig-charmant: Peter Galliard) auf dem Plan. Er bringt sie mit Circe (verführerisch: Renate Spingler) zusammen. Die Zauberin soll einen Zugang ins Darknet ermöglichen, in dem es keine Grenzen für die perversesten Fantasien gibt.

Alle im selben Boot

Im Bühnenraum (Jana Findeklee/Joki Tewes) sitzen die Besucher der Uraufführung auf parallel und rechteckig, labyrinthisch verschachtelten Bänken. Einige bleiben frei für die Akteure. Ein durchlässiger Fadenvorhang begrenzt die Wände. Darauf projizierte Videos zeigen das Innere eines Schiffs, Baumgestrüpp oder unzählig duplizierte Aphrodite-Büsten. Live werden die Sänger, aber auch Zuschauer auf die Wände geworfen. Alle sitzen im selben Boot.

Juli kann auf ihrer Cyber-Irrfahrt die als Porno-Internet-Queen agierende Circe loswerden, sich des zudringlichen Dark im Darknet erwehren und über den von Kunst und Massaker philosophierenden, perversen Borgo auf das Schiff „Esperanza“ gelangen. Doch wie im gleichnamigen legendären Hörspiel erweist sich die Hoffnung als trügerisch. Juli verliert sich stimmlich und klanglich am Ende in einem Nichts. Ein ­Suizid? Vielleicht. Menschlichkeit findet man im Netz jedenfalls kaum. Helmut Kraussers exzellentes Libretto steckt aber auch voller Poesie und Humor.

Fantastisches Sängerquartett

Paul-Georg Dittrich kontrastiert in seiner Inszenierung geschickt die virtuelle Cyberwelt. Seine Figuren kommen aus dem Märchen, sie bieten Assoziationsmöglichkeiten. Juli könnte in ihrem weißen Kleid ein Engel sein, Circe in ihrem hautengen ocker-schwarz gestreiften Anzug eine wirkliche Zauberin, Dark kommt als Arlecchino-Clown daher.

Penderbaynes mixt in seiner Musik Zeitgenössisches mit Pop, Rock, Jazz oder Live-Electronic, da gibt es für jeden etwas zum „andocken“. Penderbayne setzt das Libretto effektvoll und vor allem deskriptiv und lautmalerisch um.

Das Ensemble des Philharmonischen Staatsorchesters (Geige, Cello, Schlagzeug, Klavier, E-Gitarre) agiert unter der Dirigentin Barbara Kler sehr präzise. Fantastisch ist das Sängerquartett. Allen voran verzaubert Lini Gong als Juli mit wunderbar warm timbriertem, atemberaubend geführtem Sopran. Im Ganzen: intelligent und unterhaltsames zeitgenössisches Musiktheater.

„I.th.Ak.A.“ wieder Di 10.4., 20.00, bis 19.4., opera stabile (U Gänsemarkt), Kleine Theaterstraße 1, Karten zu 28,- unter T. 35 68 68