Hamburger Youtuber

Wegen Bomben-Prank: ApoRed muss 200 Sozialstunden leisten

Der Youtuber ApoRed und seine Rechtsanwältin Annette Voges kommen am Freitag zum Berufungsprozess in den Gerichtssaal

Der Youtuber ApoRed und seine Rechtsanwältin Annette Voges kommen am Freitag zum Berufungsprozess in den Gerichtssaal

Foto: Malte Christians / dpa

Sein Scherzvideo ging nach hinten los: Im Berufungsprozess wurde auch die Bewährungsstrafe bestätigt.

Hamburg. Fast wäre es wieder passiert. Doch Ahmad A., besser bekannt als YouTuber ApoRed, tauchte am Freitag dann doch noch, gut 15 Minuten verspätet, im Strafjustizgebäude auf, nachdem er zunächst ins gegenüberliegende Ziviljustizgebäude gelaufen war – in der irrigen Annahme, dass hier die Berufung wegen seines „Bomben-Pranks“ verhandelt würde.

Schon im September 2017 hatte ihm das Fernbleiben vom ersten Prozess am Amtsgericht einen Haftbefehl eingebracht, ihm und dem Mitangeklagten Jan H. (26). Zehn Tage verbrachten beide im Untersuchungsgefängnis, um sicherzustellen, dass der Prozess gegen sie auch wirklich starten kann. Einige dürften dieses rigide Durchgreifen der Justiz mit stiller Genugtuung betrachtet haben. Denn ApoRed, mit zwei Millionen Followern einer der bekanntesten YouTuber Deutschlands, polarisiert mit seinen Pranks (Streichen) wie kaum ein anderer.

"Lauft lieber, wenn euch euer Leben etwas Wert ist“

Für die einen wurde er damit zur Hassfigur, für die anderen avancierte er zum Kasperle der Generation YouTube. Einträglich ist die Jagd nach Clicks für den 24-Jährigen allemal: Monatlich bekommt er rund 1700 Euro netto – dafür, dass sich Nutzer seine auf YouTube hochgeladenen Filmchen anschauen. Bis vor wenigen Monaten hielt er dort den Rekord für die meisten Dislikes (negative Bewertungen) für ein Video: Fast 900.000 Daumen nach unten gab es für ein missglücktes Musikvideo.

Geschmack ist das eine, eine Straftat das andere. Mit seinem „Bomben-Prank“ hatte Ahmad A., aufgewachsen in Jenfeld und nach eigener Meinung schon deshalb mit einem speziellen Humor gesegnet, aus Sicht der Strafverfolger den Rubikon jedenfalls deutlich überschritten. Am 28. Juni 2016, dem Tag vor der Terror-Attacke von Nizza, warf er eine Sporttasche mit den Worten „30 Sekunden habt ihr alle Zeit, lauft lieber, wenn euch euer Leben etwas Wert ist“ neben einen Geldautomaten an der Langen Reihe in St. Georg.

Opfer leiden unter Albträumen

Wie beabsichtigt rannten die völlig arglosen Menschen in Panik davon, während sich ApoRed über die Reaktionen halb schlapp lachte. Das Geschehen, von Jan H. mit einer versteckten Kamera gefilmt, landete zwei Wochen später auf ApoReds You-Tube-Kanal – ohne dass die teilweise bis ins Mark erschütterten Opfer ihr Einverständnis gegeben hatten. Einige leiden noch heute unter den Tatfolgen, etwa unter Albträumen.

In der ersten Instanz vor dem Amtsgericht entschuldigte sich der Blogger für seinen „blöden Streich“ zwar – nur kaufte ihm die Kammer die Reue nicht ab und verurteilte ihn zu sieben Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung und 200 Sozialstunden wegen Körperverletzung, Nötigung, Störung des öffentlichen Friedens und Verstoßes gegen das Kunsturhebergesetz. Sein Freund Jan H. erhielt eine Geldstrafe von 1200 Euro (120 Tagessätze à zehn Euro).

Wo er Sozialstunden leisten muss, ist noch unklar

Beide Angeklagten und die Staatsanwaltschaft legten Berufung gegen das Urteil ein – über die am heutigen Freitag verhandelt wurde. Die Staatsanwaltschaft und ApoRed zogen kurz nach Auftakt der Verhandlung ihre Berufungen zurück. Damit bleibt es bei den sieben Monaten auf Bewährung und den 200 Sozialstunden für ApoRed. Ob der YouTuber etwa Wände in einer Kita streichen und Laub im Park fegen muss, steht noch nicht fest.

Zu dieser Rücknahme des Rechtsmittels mag beigetragen haben, dass die Vorsitzende Richterin ankündigte, sich in einer neuen Beweisaufnahme auch eine vorherige Verurteilung des 24-Jährigen wegen Körperverletzung noch einmal genauer anzuschauen. Nicht auszuschließen sei, dass sich dann auch die Strafe erhöhe. Seine Verteidigerin Annette Voges sagte indes, man habe keine höhere Strafe befürchtet. Nach wie vor halte sie das Urteil für nicht schuldangemessen – angemessen wäre eine Geldstrafe gewesen. Weil aber mindestens ein weiterer Verhandlungstag notwendig geworden wäre, habe man die Berufung aus Zeitgründen zurückgenommen.

Mitangeklagter hatte Job verloren

Einen kleinen, aber nicht unwesentlichen Erfolg erzielte indes der Mitangeklagte Jan H. Das Gericht schraubte die Höhe der Tagessätze von 120 auf 90 hinunter. Damit taucht die Strafe nicht in seinem Vorstrafenregister auf. „Es ging in erster Linie um die Selbstdarstellung von Herrn A., da haben Sie sich ein Stück weit benutzen lassen“, sagte die Vorsitzende Richterin.

Ein Grund für die mildere Strafe ist auch, dass Jan H. seinen Job als Fitnesstrainer durch die Berichterstattung über den Fall verloren hatte. Was dem einen schadet, hilft dem anderen. Auch die rasch beendete Verhandlung in zweiter Instanz hat ApoRed jede Menge öffentliche Aufmerksamkeit beschert.