Hamburg

Applaus für Haiyti, Schnaps und Blumen für die Fans

Die Hamburger Rapperin Haiyti geht mit ihrem neuen Album "Montenegro Zero" auf Tour (Archivbild)

Die Hamburger Rapperin Haiyti geht mit ihrem neuen Album "Montenegro Zero" auf Tour (Archivbild)

Foto: picture alliance / Daniel Bockwoldt/dpa

Die Hamburger Rapperin trat im ausverkauften Mojo Club auf. Sie beeindruckt mit maximaler Spiel- und Springfreude.

Hamburg.  Seit es deutschsprachigen Hip-Hop gibt, gibt es auch Rapperinnen. Vor 30 Jahren stand die Heidelbergerin Cora E. das erste Mal auf einer Bühne und inspirierte Generationen von Nachfolgerinnen, aber auch in heutigen Zeiten von SXTN, Leila Akinyi oder Ace Tee sind es noch zu wenig. Rap ist eine Männer- und Macho-Domäne.

Aber in die ist im Januar die St. Paulianerin Haiyti alias Ronja Zschoche mit dem Album „Montenegro Zero“ ein­gebrochen. Nach aufstrebenden Jahren im Untergrund mit viel geteilten Mix­tapes landete sie beim Plattenmulti Universal und nennt ihre laufende Tour selbstironisch „Die Kleine macht jetzt Kasse“.

Altersschnitt der Fans in den mittleren Zwanzigern

Das Heimspiel im Hamburger Mojo Club am Sonntag ist natürlich ausverkauft, der Altersschnitt der 800 erwartungsfreudigen Fans ist wie Haiyti ­irgendwo in den mittleren 20ern. Alles ist bereit, den landauf, landab gesammelten Lorbeeren für das Album weiteres Lob für Auftritte zuzufügen. Denn live trennt sich auch im Hip-Hop die Spreu vom Weizen, scheitern die Poser und strahlen die Heldinnen.

Und Haiyti strahlt bis über beide Ohren, als sie den vollen Saal mit „100.000 Fans“ anzählt. Ein Bettlaken und eine aufblasbare Palme und das Mojo-Licht bilden den spartanischen Rahmen, Beatbastler AsadJohn am Laptop reicht als akustisches Fundament und Stichwortgeber.

Die Show ist nur Haiyti, die mit maximaler Spiel- und Springfreude ihre Reime abfeuert und dabei nie gestellt aggro wirkt oder plakativ lustlos, sondern als hätte sie den Abend ihres Lebens beim Tanzen mit einer Luftbanane. Ihre Tracks „Kate Moss“, „Bitches“ und das gefeierte „Mafioso“ pendeln ­dabei zwischen Alter Rap-Schule, aktuellem Trap-Zeitgeist und fluffigem Party-Pop, zwischen Langenhorner Betonblock und mediterranem Hotelklotz.

Haiyti ist authentisch und zielstrebig

Es ist zwar etwas billig, dafür ist man unter sich. „Sind Leute aus Langenhorn hier? Auch Hummelsbüttel? Und wo ist eigentlich Udo Lindenberg?“, fragt sie lachend und träumt ihren „American Dream“, schnappt sich einen Aushilfsrapper aus dem Publikum für „Zeitboy“ und verteilt Schnaps und Blumen. Einige Fans rauchen heimlich ­komisch riechenden Tabak. Mag der Hip-Hop doch viele Wege in diesem Land gegangen sein, manches ist wie in der Ära Cora E. geblieben. Hauptsache, ihr habt Spaß wie im „Berghain“.

Haiyti ist keine Poserin, sondern ­authentisch und zielstrebig. Wenn es noch etwas zu meckern gibt, dann sind es die doch oft kurz gefassten Liveversionen ihrer Lieder und die kompakte Spielzeit von 70 Minuten. Ein Abend, so hastig wie ihre Reime. Vor der Mojo-Tür muss man erst mal durchatmen.