Konzertkritik

Laeiszhalle: Highway To Hell mit Carla Bruni

Dezent und stilvoll vom Scheitel bis zur Sohle: die gebürtige Italienerin Carla Bruni, die inzwischen Französin ist

Dezent und stilvoll vom Scheitel bis zur Sohle: die gebürtige Italienerin Carla Bruni, die inzwischen Französin ist

Foto: (FREELENS Pool) Malzkorn / www.malzkornfoto.de

Bei ihrem Konzert überraschte die Sängerin mit Welthits in ihrer ganz eigenen Version. Ein Höhepunkt war der Song von AC/DC.

Hamburg.  Kann sie wirklich singen? Die Frage mag sich mancher Besucher des Konzertes von Carla Bruni in der Laeiszhalle vorab gestellt haben. Dabei schreibt die Französin (nebenbei Ex-Supermodel und einige Jahre Frankreichs First Lady als Gattin von Ex-Präsident Nicolas Sarkozy) ja seit fast 20 Jahren eigene Songs, ihre Alben rangieren auf vorderen Chartplätzen. Und, um es vorwegzunehmen, sie kann singen.

Nicht sehr gewaltig, nicht raumgreifend, auch nicht unbedingt immer treffsicher, aber doch recht charmant. Manchmal sogar ein bisschen verrucht. Bruni hat schon zu Zeiten, als sie als eines der bestbezahlten Models galt, die Nähe von Rockstars gesucht. Jetzt tourt sie mit ihrem fünften Album „French Touch“, sozusagen einem Mixtape mit Coverversionen ihrer anglo-amerikanischen Lieblingssongs.

Erst überlässt sie ihrer vierköpfigen Band die Bühne, auf der die Gitarren aufgereiht stehen und etliche Kerzen für die nun folgende Rockmesse glimmen. Ihre ersten Takte singt die Bruni mit „Le chemin des rivières“ aus dem Bühnenhintergrund heraus. Es ist nur eine von diversen Eigenkompositionen, die Bruni in sanftem Vibrato erklingen lässt.

Sie zeigt ihr katzenhaftes Supermodellächeln

Die Message lautet ungefähr à la Edith Piaf „Ich bereue nichts“, keine Trauer, kein Vergnügen. Die Songs ihres Debüts „Quelqu’un m’a dit“ wie „Tout le monde“ und „Le plus beau du quartier“ erweisen sich auch an diesem Abend mit als die stärksten. In schwarzer Lederhose und Jackett steht Bruni da, statuesk, und zeigt ihr katzenhaftes Supermodellächeln. Den ganzen Abend über bewegt sie sich so wenig wie nötig, aber so effektvoll wie möglich.

Jeder Song bekommt eine mit rauchiger Stimme vorgetragene Einleitung – die manchmal kurz vor der Anbiederung die Kurve kriegt. Durchaus offensiv flirtet Bruni mit ihrem Publikum und fühlt sich in der Rock-’n’-Roll-Welt sichtlich wohl. Getragen, fast somnambul fährt sie fort mit Willie Nelsons „Crazy“, dann folgt eine Slow-Blues-Nummer mit Depeche Modes „Enjoy The ­Silence“ und eine etwas leichtfüßigere Akkordeon-Version von Lou Reeds „Perfect Day“.

Alles hübsch arrangierte Klassiker, und doch gerät die erste Hälfte des Sets zu einheitlich, zu unspektakulär, verharrt zu sehr im Easy Liste­ning Jazz. Die Gitarren schleppen sich mit Würde dahin, der Bass brummt ­genügsam, auch das Schlagwerk hält sich zurück, immerhin das Piano setzt einige gekonnte Akzente. Später dürfen die ausgezeichneten Musiker ihre Rolle als dekorative Hintergrundkulisse zum Glück noch verlassen.

Die gebürtige Italienerin kam mit sieben Jahren nach Frankreich

Nach gut der Hälfte des Programms zieht sich Bruni um, erscheint im Glitzerjackett und stimmt den Klassiker „The Winner Takes It All“ der Schweden-Popper Abba an – natürlich wiederum in einer eleganten Akustik-Version. Für „Quelqu’un m’a dit“, ihren ersten selbst verfassten Song überhaupt, greift sie schließlich selbst zur Gitarre. Und trifft auch pfeifend die exakte Tonhöhe.

Wortreich widmet sie die Songs älteren liebenden Frauen („L’Amoureuse“) oder beschwört die vergessene Tradition des Briefschreibens („Love Letters“). „Heute können wir unseren Bildschirm küssen. So schön, so romantisch!“ Ausgerechnet ihre Country-Versionen von AC/DC’s „Highway To Hell“ wird zu einem der Höhepunkte des Abends, der beste ist eindeutig „Miss You“ von den Rolling Stones in einer verwegenen Rumba-Flamenco-Variante. Nur ihrer Aufforderung zu tanzen mag in Hamburg leider niemand folgen.

Bevor sie ihre Musikkarriere startete, war Bruni als hoch bezahltes Supermodel bekannt, als Jet-Setterin mit einer exzentrischen Familiengeschichte aus Industriellen, Komponisten und Musikern. Etliche Besucher dürften mindestens ebenso an der schillernden Figur Carla Bruni interessiert sein, wie an den Songs der gebürtigen Italienerin, die als Siebenjährige mit ihrer Familie nach Frankreich ging.

Carla Bruni ist gewiss keine über­ragende Performerin wie Françoise Hardy, aber tatsächlich ist es an diesem Abend die Musik, die hier durchaus ­ordentlich für sich spricht.