Hamburg

G20-Randale? Rote Flora gibt sich bei Demo unbeteiligt

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1200 Teilnehmer aus linker Szene protestieren – Besetzer der Trutzburg verzichten aber auf ein Ritual. Großeinsatz der Polizei.

Hamburg. Es war ein extrem fordernder Sonnabend für die Hamburger Polizei: Mit einem Großaufgebot von 1700 Beamten, darunter zwölf Wasserwerfer sowie Hundertschaften der Bereitschaftspolizei aus anderen Bundesländern, war die Polizei in Hamburg im Einsatz.

Gleich fünf Demonstrationen liefen zeitlich parallel durch die Innenstadt – außerdem spielte der HSV im Volksparkstadion gegen Hertha BSC Berlin und den drohenden Abstieg.Trotz der 1:2-Niederlage des HSV und den verschiedenen heiklen Demonstrationen blieb die Lage weitgehend friedlich.

Kein "Willkommensgruß" der Roten Flora

Der erste der geplanten Demonstrationszüge setzte gegen 15 Uhr, in der City in Bewegung gesetzt. Am Gänsemarkt demonstrieren Anhänger der linken Szene unter dem Motto "United we stand". Der Protest richtet sich gegen die Ermittlungen, die die Polizei gegen Gewalttäter führt, die während des G20-Gipfels in Hamburg Straftaten begingen.

Aktuell wurde der 27. Gesuchte, nach dem im Rahmen einer großen Öffentlichkeitsfahndung gesucht wurde, ermittelt. Es handelt sich um einen 31-Jährigen aus der linksautonomen Szene. Auf einem Transparent heißt es: "Gemeinsam gegen Repression". Nach Polizeiangaben nehmen rund 1200 Personen teil.

Der Protestzug setzte sich wie geplant in Bewegung und zog über die Sternschanze zum Grünen Jäger, wo die Versammlung beendet werden sollte. Vor der Roten Flora am Schulterblatt blieb es von Seiten der autonomen Besetzer überraschend ruhig: Entgegen der sonstigen "Tradition", bei Aufzügen der linken Szene auf dem Dach des Gebäudes mit einigen Autonomen zu erscheinen und einige Feuerwerkskörper zu zünden, blieb ein solcher Willkommensgruß der Besetzer diesmal aus.

Verhalten passt zur bisherigen Strategie der Autonomen

Das ausbleibende Ritual passt zu der Positionierung der Roten Flora nach dem G20-Gipfel im vergangenen Juli. Die autonomen Besetzer hatten sich öffentlich stark zurückgehalten, eine direkte Beteiligung an den schweren Krawallen beim Gipfel jedoch verneint. Nach der Version der Besetzer habe lediglich der Senat die Rote Flora als Sündenbock auserwählt.

Nach Abendblatt-Recherchen hatte die Rote Flora tatsächlich keine Funktion als Kommandozentrale bei den Krawallen, hatte jedoch massiv auch im Ausland um andere Linksextreme geworben. Auch die Polizei hat keine konkreten Hinweise darauf, dass die Autonomen sich bei den Krawallen strafbar gemacht haben könnten.

Nur in den Reihen des Aufzuges wurden am Sonnabendnachmittag direkt vor der Roten Flora mehrere Bengalische Feuer entzündet. Die Lage vor Ort blieb jedoch friedlich.

Kurden protestieren auf der Moorweide

Ab 14 Uhr kam es auch zu einer Demons­tration von Kurden auf der Moorweide. Der Protest richtet sich gegen die türkische Militärintervention in der kurdischen Provinz Afrin im Irak.

Weitere Proteste waren vor Saturn an der Mönckebergstraße, auf dem Ida-Ehre-Platz, sowie auf dem Hachmannplatz am Hauptbahnhof angemeldet worden. Wie es bei einem Tweet der Hamburger Polizei heißt, war die Demo am Hachmannplatz dem "siebten Jahrestag der syrischen Revolution" gewidmet - gegen den Krieg in Syrien. Rund 150 Demonstranten setzten sich gegen 15.15 Uhr Richtung Mö in Bewegung.

Gegen 16.55 Uhr erklärte die Polizei den Aufzug am Hachmannplatz für beendet. Es kam demnach auch bei dieser Demonstration zu keinen Zwischenfällen.

( HA )

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