Wirtschaft

Wie eine Hamburger Firma von der E-Bike-Welle profitiert

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Wolfgang Horch

Fahrradhersteller Stevens verkauft mittlerweile jedes vierte Fahrrad mit elektrischem Antrieb. Tendenz steigend.

Hamburg.  Im Jahr 2010 ist es für den Fahrradhersteller Stevens eine schwierige Entscheidung gewesen. Das Hamburger Unternehmen stellte die Rennmaschine her, auf der Triathlet Daniel Unger Weltmeister und die bekannteste deutsche Radsportlerin Hanka Kupfernagel Siegerin des Gesamtweltcups wurde, war also im Profisport stark verankert – passte zu diesen Image der Einstieg in den aufstrebenden Bereich der E-Bikes? Die von den Brüdern Wolfgang und Werner von Hacht gegründete Firma entschied sich für „Ja“ und dürfte diesen Schritt nicht bereut haben.

Mittlerweile liege der Anteil der Pedelecs – das sind Fahrräder, bei denen der Elektroantrieb nur anspringt, wenn der Fahrer selbst in die Pedale tritt – bei mehr als 25 Prozent, sagte Stevens’ Strategie- und Marketingleiter Volker Dohrmann: „Wir liegen über dem bundesweiten Trend. Pedelecs treiben viele neue Kunden in die Läden, die bereit sind zu investieren.“ Der Anteil wachse stetig und treibe den Umsatz nach oben.

Deutsche geben im Schnitt 698 Euro für ein Rad aus

Im vergangenen Jahr lag der Anteil der E-Bikes in Deutschland bei 19 Prozent, teilte die Branchenorganisation Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) mit. 720.000 Fahrräder mit E-Motor wurden verkauft. Das ist ein Plus zum Vorjahr von ebenfalls 19 Prozent. Vor drei Jahren waren es erst 480.000 Stück. „Das E- Bike­ ist der Treiber der Branche“, sagte ZIV-Geschäftsführer Siegfried Neuberger. Die positive Prognose des Vorjahres sei deutlich übertroffen worden. „Auch in Zukunft sind wir zuversichtlich, dass sich dieser Trend weiter fortsetzen wird“, sagte Neuberger. Mittelfristig wird mit einem jährlichen Anteil am Gesamtfahrradmarkt von 23 bis 25 Prozent gerechnet, langfristig sogar von bis zu 35 Prozent – künftig könnte also jedes dritte verkaufte Rad einen Motor haben.

Besonders gefragt sind die E-Bikes als City- und Trekkingrad, mit einigem Abstand kommen Mountainbikes. Immerhin drei Prozent sind E-Lastenräder. Das Fahrrad biete sich auch als Alternative zum innerstädtischen, motorisierten Lieferverkehr an, schreibt der Verband in einer Pressemitteilung. Gerade in Zeiten von Abgasskandal und drohenden Fahrverboten sei es das ideale Verkehrsmittel auf kurzen und mittleren Strecken und könne die Städte wieder ein Stück lebenswerter machen.

Stevens-Kunden greifen für ihr Fahrrad tief in die Tasche

Im vergangenen Jahr legte der Umsatz mit Fahrrädern und E-Bikes um rund 3,2 Prozent auf 2,69 Milliarden Euro zu. Auch der Komponenten- und Zubehörbereich liegt auf dem Niveau, sodass die Branche insgesamt 5,4 Milliarden Euro erlöste – obwohl die verkaufte Stückzahl zurückging. 3,85 Millionen Exemplare wurden abgesetzt, minus fünf Prozent. Das Umsatzplus resultiert aus den gestiegenen durchschnittlichen Verkaufspreisen. 698 Euro gaben Kunden im Schnitt für ein Fahrrad aus, das waren 8,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Innerhalb von zehn Jahren verdoppelte sich damit der Verkaufspreis fast.

Die Stevens-Kunden greifen für ihr Fahrrad noch tiefer in die Tasche. Fast 1650 Euro zahlen sie bei den Händlern im Schnitt für ihr Modell, so Dohrmann. 70 Prozent mehr als vor sieben Jahren. Das liegt zu einem am hohen Pedelec-Anteil, zum anderen werden auch auf den Sportler zugeschnittene und entsprechend teurere Custombikes verkauft. Zudem gilt die Firma als Qualitätsmarke. Pro Jahr verkauft sie zwischen 80.000 und 90.000 Fahrrädern. Mit einer Neuerung warten die Billstedter nun auf. War der Akku bei den E-Bikes bisher auf dem Gepäckträger oder am Rahmen als klobiger Klotz sichtbar, ist er nun „weg“ – versteckt im Rahmen.

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