Hamburg

Kurden demonstrierten gegen "Merkel muss weg"

Auch am Montagabend demonstrierten Menschen in Hamburg gegen die türkische Militäroffensive in Nordsyrien

Auch am Montagabend demonstrierten Menschen in Hamburg gegen die türkische Militäroffensive in Nordsyrien

Foto: Michael Arning / HA

Polizei war wegen kurdischem Aufruf zur Gewalt in Alarmbereitschaft, doch alle Kundgebungen am Abend blieben ruhig.

Hamburg. Die Lage schien sich auch in Hamburg zuzuspitzen: Nachdem eine der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) nahestehende kurdische Jugendinitiative wegen der türkischen Militär-Offensive im nordsyrischen Afrin für Montag zu Vergeltungsschlägen in Deutschland aufgerufen hatte, war die Hamburger Polizei in höchster Alarmbereitschaft.

Mehrere Hundertschaften waren bereitgehalten worden, um eine pro-kurdische Versammlung an der Mönckebergstraße zu flankieren, sogar Verstärkung aus Schleswig-Holstein war angefordert worden. Tatsächlich hatten sich zu Beginn der Kundgebung gegen 18 Uhr nur etwa 120 Teilnehmer an der Mönckebergstraße versammelt, die friedlich gegen den türkischen Militäreinsatz demonstrierten.

Gegen 18.45 Uhr setzte sich der auf etwa 300 Personen angewachsene Demo-Zug in Richtung Gänsemarkt in Bewegung. Eine knappe Stunde später vereinigte sich die Demonstration mit den Protesten gegen die am Dammtor-Bahnhof stattfindende "Merkel muss weg"-Kundgebung. Die rund 250 "Merkel muss weg"-Demonstranten sahen sich schon zuvor etwa 1000 Gegendemonstranten im Bereich um den Bahnhof gegenüber. Die Polizei war mit einem Großaufgebot vor Ort. Es soll keine Ingewahrsam- oder Festnahmen gegeben haben. Am Dammtor-Bahnhof wurden einzelne Platzverweise ausgesprochen. Die Polizei sprach von einem ruhigen Verlauf aller Demonstrationen. Insgesamt waren rund 900 Polizeibeamte im Einsatz. Die Polizei Hamburg wurde von Kollegen aus Schleswig-Holstein unterstützt.

Am Wochenende war es zu Ausschreitungen gekommen

Auf der am Sonnabend im Internet veröffentlichten Erklärung der kurdischen Jugendinitiative heißt es, es sei Zeit, den „Krieg zurück nach Europa zu tragen“. Als mögliche Ziele werden türkische Botschaften, Vereine der türkischen Regierungspartei AKP oder UETD, Parteibüros von SPD und CDU, Polizeistationen oder Gerichte genannt. „Der Aufruf im Internet und die Ereignisse am Wochenende fließen natürlich in die Lagebeurteilung des Staatssschutzes ein“, sagte Polizeisprecher Florian Abbenseth.

Am Sonnabend und Sonntag war es am Rande pro-kurdischer Demonstrationen in Hamburg zu Ausschreitungen gekommen. Unter anderem bewarfen Teilnehmer das türkische Generalkonsulat mit Steinen, Dutzende Demonstranten besetzten zudem die Gleise im Hauptbahnhof und legten den S-Bahn-Verkehr teilweise lahm. Ein Beamter wurde durch einen Faustschlag ins Gesicht verletzt. In der Nacht zu Sonntag warfen bisher unbekannte Täter in Itzehoe zudem die Scheiben einer Moschee ein, kurz darauf brannte ein türkischer Obst- und Gemüseladen. Die Polizei prüft nun, ob auch diese Taten im Zusammenhang mit dem kurdisch-türkischen Konflikt in Syrien stehen.

Nach Angaben des Verfassungsschutzes gibt es in Hamburg rund 600 Anhänger der PKK. Unterstützer und Sympathisanten mitgezählt, gehören diesem Spektrum rund 1500 Personen an. Grundsätzlich seien die kurdischen Kader nicht daran interessiert, durch Straftaten aufzufallen, sagte ein Sprecher. Von diesem Prinzip seien in der Vergangenheit allerdings immer wieder Angehörige von PKK-Jugendorganisationen abgewichen, indem sie beispielsweise Sachbeschädigungen begangen hätten.