Autoposer

PS-Protz hält sich für Hamburger Touristenattraktion

Der Polizeihoberkommissar Sebastian Bauch von der Kontrollgruppe "Autoposer" überprüft  in Hamburg ein Auto (Archivbild)

Der Polizeihoberkommissar Sebastian Bauch von der Kontrollgruppe "Autoposer" überprüft in Hamburg ein Auto (Archivbild)

Foto: Georg Wendt / dpa

Soko "Autoposer" stellte am Wochenende vier manipulierte Autos sicher. Unter den Fahrern war ein besonders selbstbewusster.

Hamburg. Beamte der Kontrollgruppe "Autoposer" haben am Wochenende 31 sogenannte "verhaltensauffällige Fahrer" mit ihren zum Teil technisch veränderten Fahrzeugen überprüft. Das Ergebnis: Zwei Männer fuhren unter dem Einfluss von Betäubungsmitteln, zwei waren ohne Führerschein unterwegs. Die Polizisten stellten vier Autos sicher. Vier Autofahrer fuhren zu schnell und elf Personen bei Rot über die Ampel, darunter acht Autofahrer und drei Fahrradfahrer. Drei Fahrer hätten während der Fahrt telefoniert, zwei unnötigen Lärm verursacht, teilte die Polizei am Montag mit.

Besonders staunten die Polizisten am Sonnabendabend. Ein 30 Jahre alter Mann drehte in Begleitung des 25 Jahre alten Fahrzeughalters in einem Mercedes C350 (306 PS) "mit lauten Gasstößen" an der Binnenalster über Jungfernstieg, Große Bleichen, Neuer Wall und Poststraße seine Runden. "Hierbei kuppelte er mehrfach aus und trat das Gaspedal zur Erreichung einer maximalen Lautstärke durch", heißt es in der Mitteilung der Polizei. Bei der Kontrolle habe sich der Fahrer nicht nur uneinsichtig gezeigt, so die Polizei. "Er war fest davon überzeugt, dass er der Stadt Hamburg etwas Gutes tue, da die lauten und schnellen Autos Touristen und Schaulustige anzögen, was zu einer Umsatzsteigerung der ansässigen Geschäfte führt."

Deutlich erhöhte Dezibelwerte bei einem 388 PS-Mercedes

Bei der Überprüfung des Autos stellten die Beamten verbotswidrig folierte Rücklichter und eine manipulierte Abgasanlage fest. Mittelschalldämpfer waren entfernt und eine sogenannte X-Pipe eingesetzt worden. Eine Lärmmessung ergab statt 80 erlaubter 103,7 Dezibel.

Bereits am Freitag fuhr ein 33-Jähriger mit seinem Mercedes CL500 (388 PS) mit lautstarken Abgasgeräuschen durch Altona. Bei der Überprüfung stellten die Polizisten ebenfalls unerlaubte technische Veränderungen fest. Eine Messung des Standgeräusches ergab einen Wert von 100,3 Dezibel statt erlaubter 84 Dezibel.

BMW-Fahrer fährt "besonders enthemmt" über die Reeperbahn

Etwas später fiel in Altona ein 31-Jähriger mit seinem Mercedes CLK200 Kompressor (163 PS) durch ein untypisch lautes Fahrgeräusch auf. In Höhe der Straße Bei der Johanniskirche wurde das Fahrzeug angehalten. Auch hier war die Technik manipuliert worden. Die Lärmmessung ergab statt der zulässigen 78 Dezibel einen Wert von 96,3 Dezibel.

Die drei Fahrzeuge wurden zwecks Begutachtung durch einen unabhängigen Sachverständigen sichergestellt.

Am Sonnabendabend stoppte eine zivile Kontrollstreife den Fahrer eines BMW Z4 (265PS) der laut Polizei "besonders enthemmt über die Reeperbahn" fuhr. Bei dem 31 Jahre alten Fahrer stellten die Polizisten Alkoholgeruch und deutlich geweitete Pupillen fest. Der Mann lehnte jegliche Überprüfung seiner Fahrtüchtigkeit sowie einen Drogenschnelltest ab. Deshalb wurde er zwecks Blutprobenentnahme zum Polizeikommissariat 15 gebracht. Die Weiterfahrt wurde ihm untersagt, der Führerschein beschlagnahmt, der Fahrzeugschlüssel zur Gefahrenabwehr sichergestellt und eine Strafanzeige wegen Trunkenheit im Straßenverkehr gefertigt.