Segeln

Mit 40 Sachen über die Alster preschen

Bilder Leonard Beyer (Leo) und Anna Barth auf der Alster beim Segeln

Bilder Leonard Beyer (Leo) und Anna Barth auf der Alster beim Segeln

Foto: Pepe Hartmann

Mit den Gymnasiasten Leo Beyer und Anna Barth steigen zwei der besten deutschen Nachwuchssegler als Duo in die Nacra-Serie ein.

Hamburg.  Leo und Anna sind hart im Nehmen. Als sich Mitte Januar die Mitglieder des Hamburger Segel-Clubs (HSC) zum traditionellen Neujahrsempfang trafen und es sich bei strahlendem Wintersonnenschein, aber eiskaltem Nordwind drinnen gut gehen ließen, trainierten Leo Beyer (14) und seine Segelpartnerin Anna Barth (13) auf der leeren Alster vor dem Clubhaus in ihrem neuen Katamaran Nacra 15. Wassertemperatur: zwei Grad. Lufttemperatur: zwei Grad.

„Das macht den beiden nichts“, sagt Mutter Martina Beyer, die sich mit Ehemann Ulrich den Fahrdienst für den Sohn aus Poppenbüttel zum Segelrevier mitten in Hamburg teilt. „Sie sind warm angezogen.“ Zwei Paar Socken, Ski-Unterwäsche, Neopren der Klasse „superwarm“ und Nässeschutz überall, wo es nötig ist. Zwei bis drei Stunden könne man so die Kälte aushalten, sagt der Vater. Danach, klar, sind heißer Kakao und Kleiderwechsel dringend angesagt.

Deutschlands Nachwuchsspitze

Die beiden Hamburger Gymnasiasten gehören in ihrer Alters- und Bootsklasse jeweils zu Deutschlands Nachwuchsspitze. Anna Barth ist deutsche Meisterin in der Opti-Klasse. Im vergangenen Sommer durfte sie im vom Verband geförderten Winner-Team an der Weltmeisterschaft in Thailand teilnehmen. Leo Beyer, ebenfalls mit einem internationalen Pokal geehrt, wurde deutscher Jugendmeister 2017 vor Travemünde. Und bei der traditionellen Meisterschaft der Meister, veranstaltet von seinem Heimatclub HSC, belegte er im Oktober mit einem Frauenteam gegen die starke Konkurrenz erwachsener Männer sogar Platz zwei. Er sei der heimliche Sieger, titelte danach die Fachpresse.

Einstieg in den olympischen Segelsport

Einige Zeit später beschlossen Anna und Leo, ihre Segelerfahrung zusammenzulegen und sich gemeinsam einer neuen Herausforderung in einer schwierigeren Bootsklasse zu stellen. Der Nacra 15 ist für Mixedteams konzipiert, für Leichtgewichte, wie es der Schüler Beyer (51 kg) und die Schülerin Barth (47 kg) noch sind. Der Reiz daran: Mit dem Katamaran erreichen sie Spitzengeschwindigkeiten bis zu 40 Kilometern pro Stunde. „Für die beiden ist das wie Formel 1“, sagt der Vater. Perspektivisch gilt der Nacra 15 als Miniversion des olympischen Nacra 17. Für ambitionierte Segler ist er der Einstieg in den olympischen Segelsport. Doch über solche Fernziele mag vor allem Leo Beyer nicht reden. Wie er überhaupt ungern Dinge von sich preisgibt. Nicht ganz ungewöhnlich für Alter und Geschlecht.

Dass sich die beiden Talente gefunden haben, ist kein Zufall. Schon im vorvergangenen Jahr peilte Beyer junior den Wechsel aus der Einhand-Segelklasse O’Pen Bic in die nächsthöhere Kategorie an. Doch die Partnerinnensuche gestaltete sich schwierig. Anfangs beschränkte sich die Sichtung auf Mädchen, die die Familie aus dem Sport, den Regatten kannte. Doch lange Anfahrten, intensives Training, kaum ein freies Wochenende sind eine Belastung neben der Schule, die nicht für jeden Nachwuchssportler infrage kommen. Also ging der Blick weiter, hinein in die deutschen Ranglisten. Und dort stießen die Beyers auf Anna Barth vom Mühlenberger Segel-Club in Blankenese.

Über Mund-zu-Mund-Propaganda sprach es sich in der Szene herum, dass ein gewisser Leo Beyer vom Hamburger Segel-Club Interesse hätte, mit Anna Barth ein neues Team zu bilden. Die Auserwählte war nicht sofort begeistert von der Idee, ließ sich dann aber doch zu einer Probefahrt an der Ostsee überreden – und war fortan ebenfalls angefixt vom neuen Katamaran. Seitdem versuchen die beiden Schüler nun, so viel wie möglich gemeinsam zu trainieren und sich aufeinander einzustellen, um sich notfalls gegen kräftigere Paarungen durchsetzen zu können. Segeln ist nicht nur Taktik, sondern hat auch viel mit Kraft zu tun.

Der Nacra 15 kostet mit Zubehör etwa 20.000 Euro

„ Es sieht gut aus, was sie machen“, sagt die Mutter, die mit dem Ehemann als begeisterte Wassersportlerin die Lust am Segeln an den Sohn weitergegeben hat. Und weil dem der Sport inzwischen so wichtig ist, dass er sich mit den Besten der Besten messen möchte, haben die Beyers den neuen Katamaran aus eigener Tasche bezahlt. „Leo hat so viel Spaß am Segeln, dass wir uns entschlossen haben, ihn bestmöglich zu unterstützen“, sagt Ulrich Beyer.

Gleichzeitig unterstützen die Eltern ihn allerdings auch bei seiner zweiten Lieblingssportart, dem Eishockey. Mit der Nummer 28 läuft er in den Wintermonaten für die Schülermannschaft der Crocodiles Hamburg auf. Derzeit noch als Spieler auf dem Eis, doch weil er kürzlich als Torwart ausgeholfen hat, kann er sich einen Wechsel auf diese Position vorstellen. Und so, wie er für seinen Sport alles gibt, ist er auch als Fan: Für das Endspiel der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft bei den Olympischen Spielen in Südkorea hat er sich natürlich den Wecker auf 5 Uhr morgens gestellt. „Beim letzten Drittel und in der Verlängerung haben wir zu zweit die Daumen gedrückt“, erzählt Mutter Martina.

Erste gemeinsame Regatten

Noch ist die Paarung Beyer/Barth ein Zukunftsprojekt, unterstützt von den beiden Segel-Clubs, dem Verband und vor allem den jeweiligen Familien. Bis zum Sommer wird Anna Barth zudem parallel weiter in der Opti-Klasse segeln. Danach stehen die ersten gemeinsamen Regatten an. Wenn sich dann herausstellen sollte, dass die Youngster auch im Nacra 15 mit der Spitze mithalten können, haben sowohl Trainerin Luisa Krüger vom HSC als auch die Eltern für den kommenden Winter schon Ideen, wie man zumindest die schwierige Hamburger Wetterlage umgehen kann: Training unter Spaniens Sonne. Allerdings: Segelsport ist teuer. Der Nacra 15 kostet mit Zubehör etwa 20.000 Euro. Sponsoren sind herzlich willkommen.