Hamburg

Machtvolle Bilder in den Deichtorhallen – und Kinofilme

In der Ausstellung der Deichtorhallen: Eine Kohlezeichnung eines Adlers

In der Ausstellung der Deichtorhallen: Eine Kohlezeichnung eines Adlers

Foto: Robert Longo/VG Bild-Kunst Bonn, 2018.

Bei der „Proof“-Schau in den Deichtorhallen stoßen Werke von Robert Longo auf Arbeiten von Francisco de Goya und Sergei Eisenstein.

Hamburg.  Zum 100. Jahrestag der russischen Oktoberrevolution hatte der amerikanische Künstler Robert Longo im Jubiläumsjahr 2017 die verwegene Idee, seine überlebensgroßen, hyperrealistischen Kohlezeichnungen gemeinsam mit Werken des russischen Filmkünstlers Sergei Eisenstein und Radierungen des spanischen Künstlers Francisco de Goya auszustellen. Die Schau lief im Garage Museum of Contemporary Art in Moskau, kuratiert von Kate Fowle und Robert Longo, dann in New York und nun unter dem Titel „Proof: Francisco Goya, Sergei Eisenstein, Robert Longo“ in den Hamburger Deichtorhallen.

Die Ausstellung
Aufgrund der enormen Größe der einzelnen Arbeiten dominiert Robert Longo. Mit den beiden anderen Künstlern geht er eine gewisse, wenn auch nicht leicht nachvollziehbare Wechselbeziehung ein. Die Basis von Longos gigantischen Kohlezeichnungen sind Fotos, deren gegenwärtige Macht der Künstler überdeutlich empfindet.

Durch die Umwandlung in eine von Hand angefertigte Kohlezeichnung leitet er einen Verlangsamungsprozess ein, den er auch im übertragenen Sinne herbeiwünscht: „Ich will die Bilder wieder langsamer machen, damit man sie auch verstehen kann“, sagt Longo in der ARD. Auch wolle er „die Macht kritisch betrachten“, versuche aber „gleichzeitig, machtvolle Bilder zu schaffen. Das ist schon eine Gratwanderung.“

Bilder von großer Dynamik

Es war seine Idee, die wichtigsten Filme des russischen Regisseurs Sergei Eisenstein so zu verlangsamen, dass sich jedes einzelne Filmbild in Ruhe betrachten lässt. Auf diese Weise werde ein Bild zu einer ganzen Erzählung, findet Longo.

Ergänzend dazu sind 40 Zeichnungen und Skizzen Eisensteins zu dessen Filmen ausgestellt. Bilder von großer Dynamik und Ausdruckskraft, was nicht weiter verwundert bei diesem Künstler. Von Francisco de Goya sind in einem abgegrenzten Kabinett mehr als 50 Radierungen aus vier Zyklen zu bewundern – in Kombination mit Eisenstein und Longo als zeitlose Studien menschlichen (Fehl-)Verhaltens lesbar, aber auch als Bilder eines Chronisten, der die Schrecken seiner Zeit festgehalten hat.

Die Künstler

Robert Longo (65) ist ein politischer Künstler. Ihn interessieren Erscheinungsformen von Macht, denen er in hyperrealistischen Bildern nachspürt. Seine Themen sind Krieg, Terror, Religion und Unrecht. Francisco de Goya (1746–1828) war als Hofmaler des spanischen Königshauses sehr nah an der Macht. Gleichzeitig schuf er extrem kritische Radierungen, die die Lasterhaftigkeit der Kirche und die Grausamkeit in Kriegszeiten schilderten. Sergei Eisenstein (1898–1948) war einer der berühmtesten sowjetischen Filmregisseure. Anfangs wurde er von Stalin gefördert, doch nach dem zweiten Teil des Tyrannen-Porträts „Iwan der Schreckliche“ war damit Schluss. Eisenstein begründete in Filmen wie „Panzerkreuzer Potemkin“ und „Streik“ eine neue, expressive Form der Bild-Montage.

Die Höhepunkte

Bei Longo wirken Größe und Masse. Das Entscheidende in dieser Ausstellung ist die Konfrontation der drei Künstler aus unterschiedlichen Epochen, die sich im hinteren Teil der Schau realisiert. Parallel zeigt das Me­tropolis-Kino einige wichtige Filme von Sergei Eisenstein: „Streik“ (4. Mai), „Panzerkreuzer Potemkin“ (6. Mai), „Oktober“ (10. Mai), „Alexander Newski“ (13./16. Mai) und „Iwan der Schreckliche“, Teil eins und zwei (beide jeweils am 17. und am 20. Mai).

„Proof: Francisco de Goya, Sergei
Eisenstein, Robert Longo“
Deichtorhallen
(U Steinstraße), Deichtorstraße 1–2,
Di–So 11.00–18.00, Eintritt 10,-/6,-;
Ausstellung bis 27.5.; www.deichtorhallen.de