Hamburg

G 20-Einsatzleiter steigt zum Chef von 5000 Polizisten auf

Hartmut Dudde (55) genießt innerhalb der Polizei einen guten Ruf. Der linken Szene hingegen gilt er als Feindbild

Hartmut Dudde (55) genießt innerhalb der Polizei einen guten Ruf. Der linken Szene hingegen gilt er als Feindbild

Foto: dpa

Hartmut Dudde soll die Schutzpolizei effizient zentralisieren. Grüne sind über die Personalie empört.

Hamburg.  Hartmut Dudde steht seit heute an der Spitze aller 5000 Hamburger Schutzpolizisten. In der linken Szene dürfte diese Personalie nicht gerade freudig aufgenommen werden, gilt der leitende Polizeidirektor doch als das Gesicht der sogenannten „Hamburger Linie“.

Seit Jahren schon geht Dudde bei kleinen Regelüberschreitungen entschieden gegen Demonstranten vor. Nachdem er zuletzt als Gesamteinsatzleiter G 20 am Vorabend des Gipfels bei der Welcome-to-Hell-Demo rigoros durchgriff, hagelte es Kritik. Soviel ist klar: Für die Szene ist er eine Reizfigur.

Schutzpolizei ist größte Organisation

Ausgerechnet unter seiner Ägide wird die Schutzpolizei nun „unter einem Dach“ vereint. Sie wird zentralisiert – wie schon das Landeskriminalamt vor fünf Jahren. Als Chef der neuen Schutzpolizei hat der nach Polizeivizepräsident Wolfgang Brand ranghöchste Polizeibeamte mehr Macht als je zuvor.

Zur größten Organisation innerhalb der Polizei mit mehr als 5000 Bediensteten gehören unter anderem die Verkehrsdirektion, die 24 Polizeikommissariate, die Landesbereitschaftspolizei, die Reiter- und Hubschrauberstaffel sowie der Objektschutz.

Antje Möller: Berufung von Dudde ist „ein Affront“

Während Dudde im Polizei-Apparat einen hervorragenden Ruf genießt, ist er politisch nicht unumstritten. Als „Affront“ bezeichnet Antje Möller, innenpolitische Sprecherin der Grünen-Bürgerschaftsfraktion, seine Berufung: „Es ist mir unverständlich, dass in einer Zeit, in der wir uns mitten in der Aufklärungsarbeit zum G20-Gipfel befinden, die Polizei neu strukturiert und Hartmut Dudde zum allerobersten Leiter der Schutzpolizei ernannt werden soll“, so Möller und weiter: „Dieses Vorgehen sehe ich als Affront gegen unsere parlamentarische Arbeit. Es gibt im Sonderausschuss noch viele offene Fragen zu bearbeiten, unter anderem, ob die Einsatzkonzeption der Polizei und damit des Einsatzleiters Dudde erfolgreich war oder nicht.“

Dudde steht insbesondere wegen des späten Vorrückens der Einheiten ins Schanzenviertel am Abend des 7. Juli in der Kritik. Stundenlang wütete der Mob, bevor die Polizei einschritt. Im Gegensatz zu anderen schätzt der Landeschef der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Joachim Lenders, den G20-Einsatz nicht als Debakel für Dudde ein. „Dudde hatte immer ganz klar gesagt, dass der G 20-Gipfel für die Polizei alles andere als ein Spaziergang sein wird.“

Dass der 55-Jährige Leiter der neu organisierten Schutzpolizei wird, war lange ein offenes Geheimnis. Schon unter dem früheren Innensenator Michael Neumann (SPD) war er für die höchsten Aufgaben im Bereich der Schutzpolizei vorgesehen. Den Respekt der Polizisten hatte er sich zuvor schon als Leiter der Bereitschaftspolizei mit dem Umschwenken auf die „Hamburger Linie“ erworben. Die linke Szene kritisierte ihn dafür.

Gewerkschafter nennen Dudde "richtigen Mann"

Dass Dudde mit seiner neuen Position „der richtige Mann am richtigen Ort ist“, daran hat Lenders keine Zweifel. „Seine Berufung zeigt auch, dass die Kampagne gegen ihn nicht gezündet hat“, sagt er. Auch Gerhard Kirsch, Chef der Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Hamburg, begrüßt die Personalie: „Hartmut Dudde ist der richtige Mann. Er spricht die Sprache der Mitarbeiter, er ist offen und ehrlich. Und er steht zu seinem Wort.“

Nun verantwortet Dudde den größten Umbau der Polizei seit Jahren. „Hartmut Dudde ist aus dem Einsatzbereich derjenige mit der meisten Erfahrung, weshalb er ja auch G 20 geleitet hat, auch wenn klassische Einsätze wie bei Fußballspielen oder Demos nur einen Teilbereich seiner neuen Funktion ausmachen werden“, sagt Polizeipräsident Ralf Martin Meyer. Vom praktischen Nutzen der Reorganisation ist Meyer überzeugt. „Ziel der Umstrukturierung ist es, klarere Strukturen zu schaffen, Doppelarbeit zu vermeiden, Synergien zu erzielen und die Effizienz der Schutzpolizei zu erhöhen.“

Bisher waren mit der schutzpolizeilichen Arbeit zwei Organisationsbereiche befasst: die Direktion Polizeikommissariate und Verkehr (DPV) und die Direktion Einsatz (DE). Sie werden nun zusammengefasst. Vorteil Dudde: Der Beamte kennt beide Bereiche, hat sie in der Vergangenheit geleitet; die DPV allerdings nur zwei Monate, dann wurde er mit der G 20-Einsatzleitung betraut.

Polizei soll effizienter gesteuert werden

Durch die Zentralisierung sollen insbesondere die Polizeikräfte effizienter gesteuert werden – wie eine Schwachstellenanalyse ergab, haperte es hier mitunter. So gab es bei Demonstrationen immer wieder Probleme durch zeitraubende Abstimmungsprozesse der beiden Organisationsbereiche. Ähnliche Probleme tauchten auf, wenn die Kommissariate die Landesbereitschaftspolizei anfordern mussten, etwa bei Razzien gegen Drogendealer.

Die Kräfte sollen nun aus einer Hand gesteuert werden. „Der große Vorteil dieser Umstrukturierung ist, dass wir direkter und schneller werden. Das wirkt sich sowohl positiv auf den Bürger als auch auf unsere internen Abläufe aus. Wir führen zusammen, was zusammen gehört“, sagt Dudde. Für die Kollegen auf der Straße, in der Einsatzzentrale oder den Kommissariaten ändere sich durch die Reorganisation nichts. Dudde selbst will seine Berufung gar nicht überbewerten: „Ich wechsele das Büro“, sagt er. „Ich freue mich auf meine neue Aufgabe.“