Konzert

Als die Elbphilharmonie zur Moldauphilharmonie wurde

Die Elbphilharmonie in Hamburg (Symbolbild)

Die Elbphilharmonie in Hamburg (Symbolbild)

Foto: Marcelo Hernandez

Dvorak-Trio vereinte berühmtes „Dumky“-Trio mit hierzulande kaum bekannten Werken zu einem abwechslungsreichen Programm.

Hamburg.  Eigentlich müsste die Elbe in Hamburg ja Moldau heißen, frotzelte Christoph Lieben-Seutter am vergangenen Wochenende. Schließlich sei der Strom aus dem Böhmerwald dort, wo die Flüsse zusammentreffen, deutlich größer. Eine nachträgliche Namensänderung hatte der Elbphilharmonie-Intendant mit seinem Hinweis zwar nicht im Sinn. Aber eine Verneigung vor der reichen Musiknation Tschechien – zu erleben in der Elbphilharmonie-Reihe „Czech it out!“, die vor einigen Tagen mit einem Doppelauftritt des Pavel-Haas-Quartetts im kleinen Saal begann und jetzt mit einem Konzert des ­Dvorak-Trios seine Fortsetzung fand.

Abwechslungsreiches Programm

Das Ensemble vereinte das berühmte „Dumky“-Trio seines Namensgebers Antonin Dvorak mit zwei hierzulande kaum bekannten Werken von Anton Reicha und Bohuslav Martinu zu einem abwechslungsreichen Programm. Geführt vom fantastischen Geiger Jan Fišer – der zwar derzeit nur auf Krücken gehen kann, aber mit dem Instrument in der Hand förmlich zu schweben scheint – ließ das Trio die sanglichen Melodien bei Reicha atmen und spürte den eigentümlichen Farb- und Stilmischungen bei Martinu nach: dem nebligen Schauerroman-Start, den jazzinspirierten Grooves und den Anspielungen auf die Barockmusik, in denen zwischendrin Johann Sebastian Bach durchs Bild zu laufen scheint.

Temperamentvolle Interpretation

Höhepunkt des Konzerts war jedoch die ebenso anrührende wie temperamentvolle Interpretation von Dvoraks „Dumky“-Trio: Ein Herzensstück der drei Musiker, das seit ihrer Debüt-CD eine Art Erkennungszeichen des Ensembles geworden ist. In den hinreißenden Melodien und dem tänzerischen Charme offenbart sich die für viele tschechische Komponisten so typische Nähe zwischen Volks- und Kunstmusik und eine herzenswarme Nostalgie; vom Dvorak-Trio mit zartem Schmelz, aber ohne Schmalz ausgekostet. Da fühlte man sich tatsächlich kurz wie in der Moldauphilharmonie.