Hamburg

230 Menschen demonstrieren gegen "Merkel-Diktatur"

Die Demonstranten auf dem Gänsemarkt am Montagabend

Die Demonstranten auf dem Gänsemarkt am Montagabend

Foto: Axel Heimken / dpa

Nach Uta Ogilvie hatte sich eine weitere Anmelderin zurückgezogen. 800 Gegendemonstranten am Gänsemarkt.

Hamburg. Vor der geplanten Demonstration unter dem Motto „Merkel muss weg“ am Montagabend auf dem Gänsemarkt hat sich eine weitere Führungsfigur der Organisatoren zurückgezogen. Die Chefin einer Hamburger Modelagentur, die erst vor wenigen Tagen die neuerliche Kundgebung angemeldet hatte, will nicht mehr als Versammlungsleiterin auftreten. „Sie hat berechtigte Angst und Sorgen um ihre physische Unversehrtheit und berufliche Zukunft“, sagt die vorige Anmelderin Uta Ogilvie, die sich nach einem Farbanschlag auf ihr Haus in Seevetal ebenfalls zurückgezogen hatte. Die Demonstration fand letztlich jedoch wie geplant statt.

Nach Bekanntwerden der für heute geplanten Demonstration hatten mutmaßlich linksextreme Gruppen den vollständigen Namen der neuen Anmelderin und ein Foto von ihr in sozialen Medien öffentlich gemacht.

Initiatorin sieht Türstehermilieu als „Schutz“

Die Demonstration „Merkel muss weg“ ist stark umstritten – Gegner sehen in den Kundgebungen eine Bühne für rechtsradikales Gedankengut. Die Initiatorin Uta Ogilvie weist alle Bezüge zu Rechtsextremen von sich. Bei der zurückliegenden Kundgebung am vergangenen Montag am Jungfernstieg hatte ein Großaufgebot der Polizei gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen Teilnehmern und Gegendemonstranten verhindern können.

Wie berichtet waren dabei vereinzelt auch rechtsextreme Äußerungen von Teilnehmern zu hören. Nach Abendblatt-Informationen sind Teile der Türsteherszene an der Organisation der Demonstrationen beteiligt – unter anderem ein ehemaliger Personenschützer des früheren Innensenators Ronald Schill. Uta Ogilvie sagt dazu, dass sie die Unterstützung des Milieus „nie gesucht“ habe. „Diese Männer sind meine Beschützer gewesen, was angesichts der Bedrohung nötig wurde“, sagt Ogilvie. Die Polizei habe ihr keinen Schutz gegen Linksextreme gewähren wollen. In Polizeikreisen wird dagegen davon ausgegangen, dass das Türstehermilieu die maßgebliche Kraft hinter den Demonstrationen war.

Weitere Demos – „bis Merkel alle Ämter niedergelegt hat“

Die zwischenzeitlich aufgetretene neue Anmelderin war zuvor bislang weder politisch noch polizeilich aufgefallen. Sie blieb der Demonstration am Montagabend fern, stattdessen sprang eine weitere Frau kurzfristig als Versammlungsleiterin ein. Ein Polizeisprecher hatte zuvor auf Anfrage den Anmelderwechsel bestätigt.

Eine Gegendemonstration war nicht angemeldet worden – in sozialen Medien riefen linke und linksradikale Gruppen schon im Vorfeld dazu auf, die Versammlung auf dem Gänsemarkt zu stören. Die Initiatorin Ogilvie sagte, dass es die Demonstrationen auch nach dem Rückzug ihrer Nachfolgerin so lange geben werde, „bis Frau Dr. Merkel alle Ämter und Funktionen niedergelegt hat (…)“. Gleichwohl werde die Organisation „vor dem nächsten Termin völlig neu aufgestellt“.

230 Teilnehmer, 800 Gegendemonstranten

Bereits zwei Stunden vor dem Beginn der Kundgebung ist die Polizei mit vielen Kräften am Gänsemarkt präsent: Unter anderem stehen mehrere Wasserwerfer bereit, um etwaige Auseinandersetzungen zwischen Kundgebungs-Teilnehmern und Gegendemonstranten zu verhindern. Die Hochbahn weist darauf hin, dass die Bushaltestellen Gänsemarkt und Jungfernstieg wegen der Demonstration nicht bedient werden können. Seit kurz vor 18 Uhr ist der Gänsemarkt durch die Polizei für den Autoverkehr gesperrt worden.

Die Kundgebung auf dem Gänsemarkt begann gegen 19.20 Uhr mit etwa 200 Teilnehmern, in der Spitze waren laut Polizei 230 Teilnehmer vor Ort. Unter anderem wurden Schilder mit der Aufschrift "Scharia Partei Deutschland", "Kein Zutritt für Terror" und "Schluss endlich mit der Merkel-Diktatur" geschwenkt. Gleichzeitig waren im Bereich um den gesperrten Gänsemarkt etwa 800 Gegendemonstranten präsent – ohne offizielle Anmeldung einer Demonstration. 700 Polizeibeamte waren im Einsatz

Nachdem es zunächst von der Polizei hieß, dass es vier Fest- und zwei Ingewahrsamnahmen von so genannten "Störern" nach Angriffen auf Demonstrationsteilnehmer gegeben habe, korrigierten die Beamten die Angaben im späteren Verlauf des Abends auf lediglich zwei Ingewahrsamnahmen. Es war auch nur noch von "verbalen Auseinandersetzungen zwischen den beiden Gruppierungen" die Rede. Gegen 19.30 Uhr seien aus den Reihen der Gegendemonstranten zudem zwei Bengalos gezündet worden.

Um 20 Uhr wurde die Demonstration beendet, für die Teilnehmer wurde ein Sonderzug der U2 bereitgestellt. Um 20.30 Uhr wurde der Bereich Gänsemarkt wieder für den Autoverkehr freigegeben.