Hamburg

Türsteherszene soll hinter Anti-Merkel-Demo stecken

Bereits am vergangenen Montag hatten Ultrakonservative in Hamburg  unter dem Motto „Merkel muss weg“ demonstriert

Bereits am vergangenen Montag hatten Ultrakonservative in Hamburg unter dem Motto „Merkel muss weg“ demonstriert

Foto: Tobias Johanning / dpa

Nach Angriffen hat sich die erste Anmelderin zurückgezogen. Zu den Organisatoren soll ein Ex-Bodyguard von Ronald Schill gehören.

Hamburg. Trotz enormer Gegenproteste wollen einige Hamburger erneut unter dem Motto „Merkel muss weg“ demonstrieren. Wie eine Polizeisprecherin auf Anfrage bestätigte, ist für kommenden Montag erneut eine Kundgebung angekündigt, dieses Mal auf dem Gänsemarkt – und organisiert von einer neuen Anmelderin. Diese rechnet mit 100 Teilnehmern, die sich von 19 bis 20 Uhr versammeln wollen.

Wie berichtet, waren bei der „Merkel muss weg“-Demonstration am vergangenen Montag 1200 Polizisten im Einsatz, um ein möglicherweise gewalttätiges Aufeinandertreffen der etwa 120 Teilnehmer und mehreren Hundert Gegendemonstranten aus der linken Szene verhindern zu können. Rund um den Jungfernstieg kam es zu teils erheblichen Verkehrsbeeinträchtigungen.

Demonstranten auch aus der rechten Szene

Zuvor hat es einen Anschlag auf das Haus der damaligen Anmelderin Uta Ogilvie im Landkreis Harburg gegeben, Linksextremisten bekannten sich zu der Tat.

Nach Abendblatt-Informationen soll die Hamburger Türsteherszene wesentlich an der Organisation der Anti-Merkel-Demo beteiligt sein. Das verlautet aus Polizeikreisen. Demnach gehört auch ein ehemaliger Bodyguard des früheren Innensenators Ronald Schill zum Stamm der Teilnehmer. Neben bürgerlichen Demonstranten nehmen den Erkenntnissen zufolge auch Mitglieder der rechten Szene an dem Protest teil.

Die bisherige Anmelderin Uta Ogilvie hatte am Mittwoch in einer Botschaft in den sozialen Medien ihren Rückzug erklärt. „In erster Linie, weil ich meine Familie nicht schützen kann“, schrieb Ogilvie, und bezichtigte Antifaschisten, für einen Angriff auf ihr Wohnhaus verantwortlich zu sein. Dies sei jedoch nicht die „einzige Bedrohung“, der sie sich ausgesetzt fühle.

Anmelderin berichtete von Angriffen auf sie

"Auf dem Weg zu meiner eigenen Demo wurde ich am selben Tag wieder angegriffen. Der Weg zum Versammlungsort wurde nämlich von der Antifa versperrt. Bei dem Versuch, mich durch die Menge zu bewegen, wurden mein lieber Vater und ich tätlich angegriffen“, schrieb Ogilvie. Von einem angeblichen Übergriff ist der Polizei nichts bekannt. Uta Ogilvie sagte dazu auf Anfrage, dass sie „andere Prioritäten“ in der konkreten Situation hatte, als Strafanzeige zu erstatten.

Bei ihrer Nachfolgerin als Anmelderin handelt es sich offenbar um eine junge Frau aus Hoheluft, deren Bild in sozialen Medien kursiert. Sie ist bislang weder politisch noch wegen Straftaten aufgefallen. Wie es von der Polizei heißt, wurde mit ihr vor der erneuten Demonstration am Montag ein sogenanntes Kooperationsgespräch zum Standort der Demonstration geführt. Gegendemonstrationen waren bis zum Freitagnachmittag nicht angekündigt.

Die Nachricht vom Wechsel der Organisatorin findet jedoch auch bei linken Gruppen in den sozialen Medien schnelle Verbreitung. „Egal wo Ihr eure Hetze verbreiten wollt, wir sind da. Hamburg ist kein Pflaster für Hetzer, Patrioten und Nazis“, schreibt etwa ein Bündnis dazu bei Facebook.