Industrie

Warum Jungheinrich sein neues Werk in Polen baut

Hans-Georg Frey ist seit 2007 Vorstandschef­ des Hamburger Gabelstaplerbauers Jungheinrich Michael Rauhe

Hans-Georg Frey ist seit 2007 Vorstandschef­ des Hamburger Gabelstaplerbauers Jungheinrich Michael Rauhe

Foto: Michael Rauhe / HA

Hamburger Gabelstaplerbauer investiert Dutzende Millionen Euro in die Produktion. Im Osten sind die Lohnkosten geringer.

Hamburg.  Beim Gabelstaplerbauer Jungheinrich steigen Umsatz und Gewinn seit Jahren jeweils im zweistelligen Prozentbereich. „Der Umsatz ist seit 2013 um 50 Prozent gewachsen, und zwar fast ausschließlich organisch“, sagt Vorstandschef Hans-Georg Frey. „Für ein Maschinenbauunternehmen ist das ein sehr dynamisches und manchmal auch herausforderndes Wachstum.“ Der Konzernlenker hat das Ziel ausgegeben, Jungheinrich solle im Jahr 2020 mehr als vier Milliarden Euro erlösen. Anfang März, wenn Frey die Ertragszahlen für 2017 präsentiert, wird sich zeigen, ob dieses Ziel womöglich bereits ein Jahr früher erreicht werden kann.

Das starke Wachstum schlägt sich in einer stetig wachsenden Zahl von Mitarbeitern nieder. Ende 2017 waren es weltweit mehr als 16.000, Ende dieses Jahres werden es wohl mehr als 17.000 sein, prognostiziert der Vorstandschef. „Seit Ende der Krise 2008/2009 hat Jungheinrich mehr als 6000 Arbeitsplätze geschaffen, die Hälfte davon im Inland und knapp 1000 allein in der Metropolregion Hamburg“, sagt Frey. Die erst vor zwei Jahren bezogene Konzernzen­trale am Friedrich-Ebert-Damm in Wandsbek wird bereits um einen ebenso großen Neubau erweitert. Der Konzern investiert 30 Millionen Euro, um Mitarbeiter, die jetzt noch an anderen Standorten in der Stadt arbeiten, in die Zentrale zu holen, zudem entsteht Platz für etwa 150 weitere Arbeitsplätze.

Produktionsstandort in Polen

Weil zugleich die Produktionswerke stark ausgelastet sind, konkretisieren sich zugleich die Pläne für ein umfangreiches Investitionsprogramm: „Wir planen in den kommenden zwei bis drei Jahren Investitionen in die Werke in Höhe von voraussichtlich 25 bis 30 Millionen Euro“, sagt Frey. Vorgesehen sind Modernisierungen und die Ausweitung von Produktionskapazitäten. Im Lüneburger Werk, wo Jungheinrich Sondermaschinen fertigt, sollen mehr als sechs Millionen Euro investiert werden, in den Werken Moosburg (Bayern) und Landsberg bei Halle (Sachsen-Anhalt) jeweils mehr als zehn Millionen.

Zwei große Investitionen sind im Ausland geplant: Die Mias Group, Jungheinrichs Logistiksystem-Tochterunternehmen, will im Werk im ungarischen Gyöngyös die Produktion von Regal­bediengeräten ausweiten. Jungheinrich selbst wird in Polen ein weiteres Werk für die Produktion sogenannter Flurförderzeuge errichten. „Nach der finalen Entscheidung des Aufsichtsrats wird dort voraussichtlich in gut zwei Jahren die Produktion anlaufen“, sagt Frey. Investiert wird laut offizieller Lesart ein „zweistelliger Millionenbetrag“.

Attraktive Lohnkosten und Arbeitszeiten in Polen

Die Entscheidung, das neue Werk im EU-Nachbarland zu errichten, begründet Frey auch mit einer notwendigen Diversifizierung der Produktionsstandorte: „Bislang produzieren wir mehr als 90 Prozent aller Fahrzeuge in Deutschland, verkaufen 75 Prozent im Ausland. Aus strategischen Gründen hätten wir uns schon in der Vergangenheit breiter aufstellen sollen.“ Es sprachen aber auch handfeste Gründe für das Land: „Polen ist zentral gelegen und für uns einer der wichtigsten europä­ischen Märkte. Zugleich sind die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen insbesondere hinsichtlich der Lohnkosten und Arbeitszeiten sehr attraktiv im Gegensatz zu Deutschland.“ Zudem lockt Polen mit Investitionsförderung.

Was aber bedeutet ein neues Werk im Konzern, das mit geringeren Lohnkosten kalkulieren kann, für die deutschen Standorte? Werden sie womöglich Teile der Fertigung an die neuen Kollegen im Osten abgeben? Frey lässt das offen. „Was wir am neuen Standort produzieren werden, ist noch in Ausarbeitung. Alle unsere Werke sind heute schon sehr gut ausgelastet, sodass wir die Kapazitätserweiterung mithilfe des neuen Werkes vornehmen werden.“

Doch hofft der Konzernchef auch auf neue Impulse für das gesamte Unternehmen vom neuen Standort. Mit dem Jungheinrich-Werk in China habe das schon mal gut geklappt. „Unsere Ingenieure dort haben neue Fahrzeuge – einfacher, robuster und auch günstiger – ursprünglich für den chinesischen Markt entwickelt“, sagt Frey, „wir importieren diese inzwischen nach Europa, weil die Nachfrage nach Einstiegsgeräten hier deutlich gewachsen ist und wir diese hier zu marktgerechten Preisen gar nicht herstellen könnten.“