Überstunden

Gewerkschaft warnt vor Extrem-Arbeitszeiten in Hamburg

Ein Kellner im Stress (Symbolbild)

Ein Kellner im Stress (Symbolbild)

Foto: imago/photothek

Hamburger machen knapp 23 Millionen Überstunden. Agentur für Arbeit präsentiert Januar-Arbeitslosenzahlen für den Norden.

Hamburg.  Sie arbeiten am Wochenende, nachts und machen viele Überstunden: Für die rund 39.300 Beschäftigten des Hamburger Gastgewerbes ist das Alltag. Und auch für die 8250 Mitarbeiter in der Ernährungsindustrie sind diese Arbeitsbedingungen nichts ungewöhnliches. Zwar schreibt das Arbeitszeitgesetz maximale Arbeitsstunden und Ruhepausen vor – doch die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) fürchtet Extrem-Arbeitszeiten.

Mit Blick auf die laufenden Koalitionsverhandlungen zwischen Union und SPD warnt die NGG Hamburg-Elmshorn davor, dass es „zu einer Aufweichung des Arbeitszeitgesetzes durch die Hintertür kommen könnte“, wie die NGG am Mittwoch mitteilte.

Gewerkschaft: Kein „Herumdoktern“ am Arbeitszeitgesetz zuzulassen

„Flexibilität im Job kann nicht einseitig auf Kosten der Beschäftigten gehen“, sagt NGG-Geschäftsführerin Silke Kettner. Im vorletzten Jahr leisteten Arbeitnehmer in Hamburg 22,6 Millionen Überstunden – 60 Prozent davon unbezahlt. Das geht aus einer aktuellen Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken-Bundestagsabgeordneten Jutta Krellmann hervor. Rechnet man die Überstunden in Vollzeit-Jobs um, entspricht das in der Hansestadt demnach rund 13.800 Arbeitsplätzen.

„Jeden Tag subventionieren Beschäftigte Unternehmensgewinne durch Gratis-Stunden. Statt immer wieder zu fordern, die Arbeitszeiten zu lockern, sollten die Arbeitgeber die vorhandene Mehrarbeit lieber auf mehr Schultern verteilen und neues Personal einstellen“, fordert Kettner. An die GroKo-Verhandler von CDU/CSU und SPD appelliert die Gewerkschafterin, kein „Herumdoktern“ am Arbeitszeitgesetz zuzulassen.

Hamburg mit niedrigster Januar-Arbeitslosenzahl seit 1993

Die Gewerkschafterin betont, dass das Arbeitszeitgesetz Mindeststandards für den Schutz von Gesundheit und Privatleben festlegt. „Hier brauchen wir keine neuen Experimentierräume“, sagt sie.

Parallel legte die Agentur für Arbeit Hamburg am Mittwoch die Arbeitslosenzahlen für Januar vor, die erwartungsgemäß gestiegen sind. Insgesamt waren in der Hansestadt im Januar 69.141 Menschen ohne festen Job. Das sind 3219 mehr als im Dezember (+4,9 Prozent), aber 2794 Menschen oder 3,9 Prozent weniger als im Januar 2017. Die Arbeitslosenquote stieg auf 6,8 Prozent. Gerade zum Jahresende würden befristete Arbeitsverhältnisse nicht verlängert werden, sagte Hamburgs Agenturchef Sönke Fock.

Gründe für positive Grundstimmung auf dem Arbeitsmarkt

Mit Blick auf die Januarzahlen der vergangenen Jahren seien die Daten aber nicht negativ zu bewerten, sagte Fock: Der aktuelle Bestand sei der niedrigste Januarwert seit 1993. Zudem sei seit 2010 die Zahl der Arbeitslosen sonst von Dezember auf Januar höher gestiegen als in diesem Winter. So hatten sich zum Jahreswechsel 2016 auf 2017 4248 Hamburger arbeitslos gemeldet, fast ein Viertel mehr als in diesem Jahr.

Die positive Grundstimmung auf dem Hamburger Arbeitsmarkt liegt nach Ansicht Focks an zwei Aspekten. Zum einen sind die Auftragsbücher branchenübergreifend voll. Dies sorgt ebenso wie der stetig wachsende Tourismus und die Auslastungen im Gesundheits- und Erziehungswesen für feste Arbeitsverhältnisse und eine hohe Nachfrage nach neuem Personal. Zudem nimmt die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung in der Hansestadt seit Jahren stetig zu. Demnach gingen im November des vergangenen Jahres 971.000 Arbeitnehmer in Hamburger Betrieben einem sozialversicherungspflichtigen Job nach. Das sind 18.900 oder 2,0 Prozent mehr als im November 2016.

Auch in Schleswig-Holstein Zahl der Arbeitslosen gestiegen

Starke Zuwächse an beschäftigten Mitarbeitern verzeichneten den Angaben zufolge die Bereiche Handel, technische und wirtschaftliche Dienstleistungen, Erziehung und Unterricht, Gesundheitswesen und Sozialwesen. Um den Bedarf an Fachkräften decken zu können und um individuelle Arbeitslosigkeit zu beenden, werden auch in diesem Jahr arbeitslose Hamburger über berufliche Weiterbildung und Umschulung qualifiziert, wie Fock sagte.

Die Arbeitslosenquote blieb im Januar in jedem Bezirk unter zehn Prozent. Die niedrigste Quote verzeichnete Eimsbüttel mit 4,8 Prozent, die höchste der Bezirk Mitte mit 8,8 Prozent.

Auch in Schleswig-Holstein ist die Zahl der Arbeitslosen im Januar wie saisonal üblich angestiegen. Der milde Winter und die stabile Konjunktur haben dem Arbeitsmarkt geholfen. Zwar stieg die Zahl der Arbeitslosen im Januar. Es waren aber so wenig Norddeutsche ohne festen Job wie seit 1992 nicht mehr.

Nach Angaben der Arbeitsagentur waren 96.200 Menschen arbeitslos gemeldet. Das waren 6700 oder 7,5 Prozent mehr als im Dezember, aber 4100 oder 4,0 Prozent weniger als vor einem Jahr. Der saisonübliche Zuwachs sei deutlich geringer ausgefallen als in den Vorjahren, sagte die Chefin der Regionaldirektion Nord, Margit Haupt-Koopmann. „Nicht nur der vergleichsweise milde Winter und das positive Konsumklima sind hierfür verantwortlich, sondern auch die stabile konjunkturelle Lage und eine Arbeitskräftenachfrage auf hohem Niveau.“ Die Arbeitslosenquote lag im Januar bei 6,3 Prozent.