Hamburg

Proteste: Heute Streiks bei Holsten und bei der Firma Still

Streikende Metaller stehen am frühen Morgen vor dem Werkstor der Flensburger Schiffbau Gesellschaft (FSG)

Streikende Metaller stehen am frühen Morgen vor dem Werkstor der Flensburger Schiffbau Gesellschaft (FSG)

Foto: Carsten Rehder/dpa

Bei den Bierbrauern spitzt sich Konflikt um Umzug zu. Streik bei Gabelstaplerbauer ist Auftakt für Arbeitsniederlegungen im Norden.

Hamburg.  Der Konflikt um den Umzug der Holsten-Brauerei spitzt sich zu. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) ruft die Mitarbeiter für den heutigen Mittwoch zu einem weiteren Warnstreik in Altona auf. Erst im Dezember hatte es in dem Werk einen Ausstand gegeben. Der Streik ist nach Angaben der NGG zunächst für 24 Stunden geplant.

Faire Abfindungen festgeschrieben

„Ziel ist es, auf die unsichere Lage der Beschäftigten der Brauerei hinzuweisen und klarzumachen, dass faire Abfindungen und Sozialplanleistungen tariflich festgeschrieben werden müssen“, sagte Gewerkschafterin Silke Kettner. Nach NGG-Angaben stehen weiterhin rund 70 Arbeitsplätze in der Traditionsbrauerei auf dem Spiel. Die Carlsberg-Gruppe plane den Stellenabbau im Zusammenhang mit dem Umzug des Werks nach Hausbruch, hieß es. Die NGG ruft das Management bei Carlsberg dazu auf, rasch an den Verhandlungstisch zurückzukehren und einen „echten Zukunftsplan“ für die Beschäftigten vorzulegen. Kettner: „Der Umzug kann nur dann ein Erfolg werden, wenn Holsten auf die erfahrenen Mitarbeiter in Hamburg zählt.“

Erster 24-Stunden-Warnstreik dauert 26 Stunden

Die Gewerkschaft IG Metall eröffnet die Reihe von Ganztags-Warnstreiks in Hamburger Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie beim Gabelstaplerbauer Still. Die ersten der mehr als 2000 Beschäftigten im Werk an der Berzeliusstraße werden am heutigen Mittwoch um 4 Uhr früh die Arbeit niederlegen, kündigte der Gewerkschaftsbezirk Küste am Dienstag an. Erst die Frühschicht am Donnerstag soll um 6 Uhr wieder die Produktion bei Still aufnehmen. Der erste 24-Stunden-Warnstreik der Gewerkschaft in Hamburg dauert daher gleich 26 Stunden. Am Vormittag gibt es eine Kundgebung mit Bezirksleiter Meinhard Geiken vor dem Gabelstapler-Werk in Billbrook.

Die Gewerkschaft hatte am Montag und Dienstag die Beschäftigten in vier großen Hamburger Unternehmen über 24-Stunden-Steiks abstimmen lassen. „96 Prozent haben zugestimmt“, sagte die Hamburger IG-Metall-Geschäftsführerin Ina Morgenroth nach der Auszählung von gut 6000 Stimmzetteln. Die Gewerkschaft hat Langzeitwarnstreiks bis Freitag angekündigt und gibt jeweils erst am Vortag bekannt, in welchen Unternehmen. Nach Abendblatt-Informationen werden auch Airbus auf Finkenwerder und das Daimler-Werk in Hausbruch betroffen sein. Insgesamt hat die IG Metall 5000 Beschäftigte von zehn Unternehmen in Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein und Nordwestniedersachsen zu Ganztagswarnstreiks am Mittwoch aufgerufen.

Der Arbeitgeberverband Nordmetall kündigte an, am heutigen Mittwoch Klage gegen die Streiks einzureichen. Begründung: Die Gewerkschaft wolle mit ihnen auch durchsetzen, dass Arbeitnehmer, die in Teilzeit gehen, in bestimmten Fällen einen Teillohnausgleich vom Unternehmen erhalten. Das ist aus Sicht der Arbeitgeber rechtswidrig.

Auftakt für Streiks im Norden

In Betrieben in Hamburg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen legten Mitarbeiter mit der Frühschicht zwischen vier und sechs Uhr die Arbeit nieder. Zu dem Streik sind insgesamt rund 5000 Metallarbeiter in zehn Betrieben vom Großraum Oldenburg bis Flensburg aufgerufen. „Wir rechnen damit, dass mehrere Tausend Mitarbeiter streiken werden“, sagte Gewerkschaftssprecher Heiko Messerschmidt am Morgen. In einem Betrieb in Bremen hatte der Warnstreik bereits mit der Nachtschicht begonnen.

Mit den 24-Stunden-Warnstreiks eskaliert die IG Metall die Tarifauseinandersetzung in der Metallindustrie auf eine neue Stufe. Umstritten sind vor allem die geforderten Arbeitszeitregelungen, die den Beschäftigten eine zeitweise Verkürzung der Arbeitszeit mit einem Zuschuss der Unternehmen für bestimmte Berufsgruppen ermöglichen sollen. Die ganztägigen Warnstreiks im Norden werden bis Freitag dauern. In den Bundesländern Hamburg, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und dem nordwestlichen Niedersachsen arbeiten 140 000 Beschäftigte in den Betrieben der Metall- und Elektroindustrie.