Verkehr

Flughafen-Anwohner wehren sich gegen zugeparkte Straßen

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Friederike Ulrich
Enno Dietrich hat die Petition "Bewohnerparken Fuhlsbüttel" initiiert

Enno Dietrich hat die Petition "Bewohnerparken Fuhlsbüttel" initiiert

Foto: Ralf H. Franke

Petition gestartet. Passagiere sollen Autos nicht mehr im Wohngebiet abstellen dürfen – auch östlich der Alsterkrugchaussee nicht.

Hamburg.  Den Fuhlsbüttlern reicht es. Ihr Stadtteil wird immer mehr zum „Kundenparkplatz“ des Flughafens. Die ruhigen Wohnstraßen sind zugeparkt mit Autos von Fluggästen, die aus umliegenden und weit entfernten Städten, auch aus den Niederlanden und vor allem aus Dänemark kommen.

„Nach eigenen Zählungen waren im Oktober 2017 mehr als die Hälfte der Parkplätze an der Etzestraße durch Fahrzeuge mit auswärtigen Kennzeichen besetzt“, sagt Anwohner Enno Dietrich. „Generell gilt: In den Ferien, zu Weihnachten und den ganzen Sommer über sind unsere Straßen zugeparkt.“ Weil „nur mosern nicht hilft“, hat der Fuhlsbüttler eine Online-petition gestartet hat. Die Forderung: Zwischen Alsterkrugchaussee, Ratsmühlendamm und Erdkampsweg soll eine „Bewohnerparkzone“ eingerichtet werden. Diese gibt es bislang nur westlich der Alsterkrugchaussee.

Anwohner machen ihrem Ärger Luft

Die Petition läuft noch bis zum 17. Februar und wurde bislang von 800 Personen unterzeichnet; mehr als 80 Prozent sind nach eigenen Angaben unmittelbar von der Parkplatznot betroffen. Viele haben ihrem Ärger auf der Website der Petition (openpetition.de/!bewohnerparken) ordentlich Luft gemacht.

Abgestellt werden die fremden Fahrzeuge nicht nur von Fluggästen, die sich das gebührenpflichtige Parken am Airport oder in der Park-and-ride-Anlage am Ohlsdorfer Bahnhof sparen wollen, sondern auch von Unternehmen, die am Flughafen die Autos von Fluggästen entgegennehmen und sie während deren Urlaub in der Umgebung abstellen. „Das haben wir in der Vergangenheit schon oft beobachtet“, sagt Dennis Thering, Verkehrsexperte der CDU in der Bürgerschaft. „Die Parkplatznot an den Wohnstraßen rund um den Flughafen ist ein Riesenproblem, das wir seit Jahren immer wieder ansprechen. Der Senat muss hier endlich eine Lösung finden, um Anwohner und Gewerbetreibende zu entlasten.“

Flughafen hält an Parkhausgebühren fest

Ein weiterer notwendiger Schritt sei, so Thering, dass der Flughafen seine Parkgebühren senke. Das wird am Airport anders gesehen. „Wir haben für die verschiedenen Bedürfnisse der Fluggäste unterschiedliche Preiskategorien und machen dafür gezielt Werbung“, sagt Sprecherin Katja Bromm. Besonders im Fokus stünden die vielen Fluggäste aus Dänemark. „Dort haben wir im vergangenen Jahr unter anderem über die Medien für unsere Außenparkplätze geworben.“ Derzeit liefen die Planungen für eine entsprechende Aktion im kommenden Sommer. „Uns ist an einem guten Verhältnis zu den Flughafenanwohnern gelegen“, so Bromm. „Dass Fluggäste die Wohnstraßen zuparken, ist überhaupt nicht in unserem Interesse.“

Tatsächlich haben Enno Dietrich und andere Anwohner in der Vergangenheit auch beobachtet, dass Abschleppunternehmer Fahrzeuge an den Wohnstraßen abgestellt haben. „Fragt man dann den Fahrer, woher die Autos kommen, hört man immer wieder die Antwort: vom Flughafen.“ Nach Abendblatt-Informationen handelt es sich jedoch nicht um Autos, die am Flughafen selbst abgeschleppt wurden. Diese werden laut Sprecherin Katja Bromm auf einen flughafeninternen Platz gebracht. Die von Enno Dietrich beschriebenen Fahrzeuge sollen dagegen widerrechtlich im Anwohnergebiet am Flughafen abgestellt und im Auftrag der Polizei „umgesetzt“ worden sein – auf kostenfreie Parkplätze in der Nähe.

Bewohnerparkgebiet in Fuhlsbüttel?

Die Bezirkspolitik nimmt die Beschwerden der Anwohner ernst: Regional­ausschuss und Bezirksversammlung sehen Handlungsbedarf und haben entsprechende Empfehlungen an die nächste Instanz gerichtet. Zuständig auf höchster Ebene ist Innensenator Andy Grote (SPD), dem Enno Dietrich die Unterschriftenliste nach Ende der Petition übergeben will. Auch dort sind die Sorgen angekommen: Wohnen und Parken soll in den Quartieren künftig besser miteinander vereinbar sein.

Nachdem die auf St. Pauli bestehenden Bewohnerparkgebiete nach einer Analyse durch den Landesbetrieb Verkehr (LBV) voraussichtlich um mehrere dieser Zonen erweitert werden sollen (ein Bewohnerparkgebiet darf nie größer als 1000 mal 1000 Meter sein), könnte das auch für Fuhlsbüttel in Betracht kommen. „Wir werden untersuchen und analysieren, inwiefern das Bewohnerparkgebiet N100 - Langenhorn - westlich der Alsterkrugchaussee aber auch in andere Richtungen erweitert werden kann“, sagt LBV-Geschäftsführer Jörg Olt­rogge­.

Zu diesem Zweck werde die Zahl der Bewohner, der Parkplätze und der abgestellten – auch ortsfremden – Fahrzeuge erfasst. Danach werde das Ergebnis mit Innenbehörde, Polizei, weiteren Fachbehörden und dem Bezirksamt erörtert, auch Anwohner würden befragt. Erst danach werde entschieden, ob das Einrichten weiterer Bewohnerparkgebiete in Fuhlsbüttel verkehrlich sinnvoll sei.

Trotz einer gewissen Ambivalenz wäre auch Timo Kraus, der für die Grünen im Regionalausschuss sitzt, dafür. „Es ist ja nicht unbedingt ein Anliegen der Grünen, das Parken so angenehm wie möglich zu machen“, sagt er. „Aber auch wir fordern schon lange eine Bewohnerparkzone, um den Parksuchverkehr der Anwohner – und auch der Fluggäste – so gering wie möglich zu halten.“

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