Hamburger Presseball

Weshalb Olaf Scholz auf den Eröffnungstanz verzichtete

| Lesedauer: 4 Minuten
Ulrich Gaßdorf

800 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Medien feierten im Atlantic bis weit nach Mitternacht. Ein Model kam im Prinzessinenkleid.

Hamburg. Der Hamburger Presseball im Hotel Atlantic Kempinski ist neben der Verleihung der Goldenen Kamera das wichtigste gesellschaftliche Ereignis der Hansestadt. Sehen und gesehen werden ist bei diesem Höhepunkt der Ballsaison das Motto. Am Sonnabend trafen beim 69. Presseball wieder die Spitzen aus Politik, Wirtschaft und Medien auf Stars und Sternchen. Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) kam mit seiner Frau Britta Ernst. Zahlreiche Senatoren, darunter Peter Tschentscher (Finanzen) und Andy Grote (Inneres), waren vertreten. Auch Bürgerschaftspräsidentin Carola Veit (SPD) und die Fraktionschefs von CDU, FDP, Grünen und SPD folgten der Einladung, ebenso wie rund 800 weitere Gäste.

Trotz der geballten Politprominenz war Ex-Dschungelcamperin und Moderatorin Jenny Elvers eines der beliebtesten Motive der Fotografen. Die 45-Jährige hatte sich für eine weiße Robe von Chloé entschieden und gestand: „In diesem Kleid würde ich auch gerne heiraten, aber dafür brauche ich erstmal einen Mann.“ Den hat Christina-Maria Purkert schon gefunden. Die Lebensgefährtin von NDR-Intendant Lutz Marmor trug ein blaues Abendkleid von Diane von Fürstenberg: „Das haben wir zusammen ausgesucht“, sagte Marmor.

Ein Model kam im Prinzessinenkleid

Einen wahren Schatz präsentierte Petra van Bremen. Modeschöpfer Jürgen Hartmann hatte dem Model ein mit Glitzersteinen besetztes seidenes Abendkleid zur Verfügung gestellt. Das hatte sich vor mehr als 50 Jahren eine persische Prinzessin von ihm entwerfen lassen: „Die Prinzessin hat das Kleid kurz getragen und dann sollte noch etwas daran geändert werden. Aber es wurde nie wieder abgeholt und lag in meinem Fundus“, sagte Hartmann, der einst Heidi Kabel und Hildegard Knef einkleidete. Seit Jahrzehnten ist er Stammgast auf dem Presseball. Doch es sollte sein letzter Auftritt sein: „Ich bin 85 Jahre alt und verabschiede mich von der großen Bühne.“

Die FDP-Bundestagsabgeordnete Katja Suding, die im September 2017 in das Parlament gewählt wurde, hatte ein Kleid des Münchener Designerduos Talbot Runhof gewählt. In Berlin fühlt sich Suding wohl. Im Szenestadtteil Mitte hat sich die Liberale bereits eine Wohnung eingerichtet und wird sich vor allem auf die Bildungspolitik konzentrieren.

Sozusagen Last-Minute, erst zwei Tage vor dem Ball, hatte Annika de Buhr ihr orangenes Kleid bei dem Winterhuder Designer Oliver Kresse in Auftrag gegeben. Die TV-Moderatorin hatte sich fest vorgenommen, bei der „Tombola Lose zu kaufen. Ich habe noch nie etwas gewonnen und das wird sich hoffentlich heute Abend ändern.“ Den Hauptpreis, eine Kreuzfahrt auf der Aida, gewann allerdings Bettina Winter von den Tagesthemen.

Irritation um Veranstaltungstag

Im Vorfeld gab es Irritationen, weil der Presseball am offiziellen Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus veranstaltet wurde. Bürgermeister Scholz verzichtete deshalb auch auf den sonst üblichen Eröffnungstanz. Die Veranstalter versicherten, dass sie den 27. Januar künftig nicht mehr als Termin wählen werden. Die Gästespende kommt dem Bertini-Preis zugute.

Bevor der Bürgermeister in seiner Rede, die Bedeutung der Medien mit dem Hamburger Hafen verglich, hatten bereits Karsten Lüchow, Vorsitzender der Stiftung der Hamburger Presse, und Jürgen Heuer, Vorsitzender der Landespressekonferenz, die Gäste begrüßt.

Nachdem sich die Ballbesucher mit Austern, Ochsenbäckchen und Glückstädter Wildente gestärkt hatten, wurde der Erich-Klabunde-Preis an die Journalistin Kristin Läsker von Spiegel Online verliehen.

Danach eröffneten 18 Paare der Tanzschule „Die Schrittmacher“ als Debütanten den Ball mit ihrem festlichen Einzug in den Saal zur Musik der Soulisten. Für Begeisterung sorgte Soulsängerin Y´akoto mit ihrem Auftritt.

Der Bürgermeister verließ den Presseball bereits um 23.15 Uhr. Doch da war das Fest noch lange nicht vorbei. Die Tanzflächen waren gut gefüllt und an der Bar wurde nicht nur über Politik geredet, sondern auch der neueste Klatsch und Tratsch ausgetauscht.

Es sollte eine lange Ballnacht werden, die letzten Gäste gingen gegen 4.30 Uhr.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Hamburg