Abnehmen

Vom dicken Metzgersohn zum Nahrungscoach

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Geneviève Wood
Der Hamburger Achim Sam war früher Metzger und ist jetzt Ernährungscoach. Die französische Bulldogge gehört ihm gar nicht, wollte aber unbedingt mit aufs Foto

Der Hamburger Achim Sam war früher Metzger und ist jetzt Ernährungscoach. Die französische Bulldogge gehört ihm gar nicht, wollte aber unbedingt mit aufs Foto

Foto: Michael Rauhe / HA

Wissenschaftler und Buchautor Achim Sam aus St. Georg über Verbrennungs- und Speichertypen und das richtige Abnehmen.

Hamburg.  Insulin, Baby. Darauf kommt es an. „Insulin ist wie ein Taxi, das die Energie in die Fettzelle fährt“, sagt Achim Sam. Fettzellen und Leidensdruck hat der Hamburger Ernährungswissenschaftler und Autor als dickes Kind jede Menge gehabt. Jetzt will auch er das Rätsel ums Abnehmen gelöst haben: Ob dick oder dünn, das sei nicht nur Sache der Gene und Lebensweise, sondern hänge vom individuellen Stoffwechseltyp ab. Praktische Unterstützung beim Abnehmen will er mit seinem neuen Buch „Deutschlank – Das Kochbuch“ bieten. Darin finden sich mehr 100 einfache Rezepte für jeden Stoffwechsel-Typen.

„Wir haben schon gewählt, ihr müsst den Achim nehmen.“ Ein Satz, den Achim Sam, Metzgersohn aus dem bayerischen Aschaffenburg, häufig im Sportunterricht hören musste. Unter seinem Übergewicht hat er jahrelang gelitten. Er war das dicke Kind. Drei, vier Schnitzel pro Person waren im Hause Sam gang und gäbe, und in der Pause auf dem Schulhof gab es für den kleinen Achim 3,5 Zentimeter dicken Leberkäs und ein halbes Hähnchen. „So bin ich immer fetter geworden“, sagt der 37-Jährige.

Verbrennertypen sind zittrig und depressiv

Als Natascha, die hübsche Schwester seines besten Freundes in Kindheitstagen, damals sagte: „Wenn du nicht so ein dickes Kerlchen wärst, wärst du eigentlich ganz hübsch“, war es genug. Das saß. Mit zwölf Jahren machte Achim Sam die erste Ananasdiät, „bis mir die Lippen von der Säure in Fetzen hingen.“ Mit 14 Jahren entdeckte er den Radsport für sich, war zwischendurch Radsportprofi und verlor 25 Kilo. Heute wirkt er kräftig-athletisch, modisch mit angesagtem Vollbart und langen Haaren. Einer, der mit seinem dunklen Teint vital und gesund aussieht.

Wenn sich einer mit Ernährung und Abnehmen auskennt, dann der gelernte Metzger, der schon lange in St. Georg lebt. Seine beruflichen Stationen führten ihn über ein Redaktionsvolontariat – parallel studierte er in Hamburg Ernährungswissenschaften – bis zum Bestsellerautor und Radio- und TV-Ernährungs-Experten. Ernährung ist zu seinem Lebensinhalt geworden. Er sagt: „Die eine Diät für alle gibt es nicht.“

Drei Ernährungstypen

Mit Wissenschaftlern der Universität Lübeck und seinem früheren Professor Michael Hamm hat er ein System erarbeitet, mit dem drei Ernährungstypen charakterisiert werden: Verbrenner-, Misch- und Speichertyp. Kurz erklärt: Der Verbrennertyp hat eine geringe Insulinausschüttung auf kohlenhydratreiche Lebensmittel. Insulin ist ein Hormon, das Energie in die Zelle zieht und die Fettverbrennung hemmt.

Der Mischtyp hat eine ausgewogene, „neu­trale“ Insulinausschüttung, der Speichertyp reagiert grundsätzlich mit einer höheren Insulinausschüttung – schlecht für die Fettverbrennung. Mit jeder Zuckeraufnahme – und ist sie noch so gering – wird Insulin ausgeschüttet. Dadurch steigt der Blutzuckerspiegel zunächst an, fällt aber dann rapide ab, und Heißhunger wird ausgelöst. Die meisten Deutschen gehören zu den Mischtypen.

Hungern ist ein Riesenfehler

So wie Achim Sam, allerdings „mit Tendenz zum Speichertyp“, ein „Figurpendler“, wie er es nennt. Typisch für den Speichertyp: Er wacht nachts manchmal auf und isst etwas Süßes, lässt ungern etwas auf dem Teller liegen und nimmt schnell zu. Um sein Wohlfühlgewicht von 85 Kilo zu halten, muss auch Sam etwas tun. Neben der Ernährung ist das viel Bewegung und Kraftsport.

Die Verbrennertypen haben vielleicht kein Problem mit Übergewicht, dafür sind sie leicht reizbar, zittrig oder sogar deprimiert, wenn sie mehrere Stunden nichts gegessen haben, und im Grunde, so Sam, seien sie die Arschlöcher. Humor hat er. Er meint das nicht böse. Er spricht nur das aus, was viele denken. Denn für jemanden, der auf sein Gewicht achten muss, ist es eben ungerecht, dass andere essen können, wie und was sie wollen, ohne zuzunehmen. Vielleicht ein Trost für alle, die mit ihrer Figur unzufrieden sind: Zu hungern sei ein Riesenfehler, so Achim Sam. „Wer gar nichts isst, baut kein Fett ab, sondern Muskulatur.“

Pauschale Empfehlungen gibt es nicht

Von Fastenkuren mit dem Ziel, Gewicht zu verlieren, hält er daher gar nichts. Pauschale Empfehlungen gibt es nicht. Denn: Einer könne mit dem gleichen Essen zunehmen, mit dem ein anderer sein Gewicht hält und ein Dritter sogar abnimmt. Sam: „Wir reagieren unterschiedlich auf das, was wir essen. Die einen verstoffwechseln sofort fast alles. Die anderen lagern es ein und werden es so schnell nicht wieder los.“ Für Bolo­gnese gilt daher: Verbrennungstypen sollten vegetarische Gemüsebolognese essen, wenn sie abnehmen wollen. Speichertypen sollten sie wie Mischtypen essen, allerdings mit weniger Pasta. Und für alle gilt: nur eine Portion. Klingt nach einer guten Diät.

Achim Sam, Prof. Michael Hamm: „Deutschlank – Das Kochbuch“, 260 Seiten, ZS Verlag, 19,99 Euro. Von kommendem Montag an gibt es weitere Informationen unter www.deutschlank.com

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