Hamburg

Praktikums-Marathon: 44 Berufe in 150 Tagen

Marvin und Charlotte bei Büchsenmacher Michel Erbert

Marvin und Charlotte bei Büchsenmacher Michel Erbert

Foto: ari (Michael Reichel) / arifoto UG

Was die Abiturienten Marvin aus Hamburg und Charlotte aus Flensburg über das Handwerk gelernt haben. Ein Beruf scheidet aus.

Hamburg.  Ihr letzter Arbeitsplatz war ein Naturholzhaus in Roding in der Oberpfalz. „Es waren noch Arbeiten im Inneren zu machen und das Dach zu decken“, sagt der Hamburger Marvin Möller. Wie ein Zimmermann arbeitet, lernten er und Charlotte Stanke aus Flensburg bei der letzten Station ihres Rekordpraktikums.

44 Betriebe an 150 Tagen

44 Handwerksbetriebe und -berufe haben die beiden Abiturienten seit Anfang August 2017 kennengelernt. Für jeweils zwei Tage waren sie irgendwo in der Republik unter anderem Dachdecker, Büchsenmacher, Ofenbauer, Kfz-Mechatroniker, Fleischer, Orthopädie-Schuhmacher, Metallinstrumentenmacher, Maurer, Maler, Kältetechniker. An insgesamt 150 Tagen legten sie dabei 24.800 Kilometer in Deutschland zurück und berichteten in sozialen Medien wie Facebook und Instagram von ihren Erfahrungen.

Initiiert wurde die Aktion vom Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH). „Wir wollten Jugendliche ermuntern, unterschiedliche Berufe über Praktika auszuprobieren und herauszufinden, was zu ihnen passt“, sagt Miriam Köhler vom ZDH.

Der Blick auf das Handwerk hat sich bei beiden Rekordpraktikanten verändert. „Viele Tätigkeiten schätzen wir jetzt mehr“, sagt Charlotte. Beide können jetzt besser nachvollziehen, warum man einen Beruf drei Jahre lernen muss.

Bestatter definitiv kein Beruf für Marvin

Als Rekordpraktikanten hatten sich beide beworben, weil sie sich nach dem Abitur erst mal orientieren wollten. Marvin war von Kfz-Mechatroniker, Fotograf und Ofenbauer besonders angetan. Bestatter dagegen „ist definitiv kein Beruf für mich“. Büchsenmacher fand er „sehr cool“. Charlotte bekam beim Sattler-Praktikum in Brandenburg gleich einen Ausbildungsplatz angeboten. Maßschneiderin hat ihr gefallen, Fotografin auch, die Bauberufe nicht so.

Doch ob die beiden einmal einen Beruf im Handwerk ergreifen werden, ist noch offen. Das Hamburger Handwerk aber wirbt inzwischen auch intensiv um Abiturienten und Studienabbrecher: Zum Ausbildungsbeginn im August und September 2018 sind derzeit 750 Lehrstellen gemeldet. „Eine duale Ausbildung mit ihrer Qualifizierung in Theorie und Praxis ist der perfekte Einstieg ins Berufsleben“, sagt Kammerpräsident Josef Katzer. Charlotte Stanke und Marvin Möller lassen sich noch etwas Zeit mit der Berufswahl. Beide gehen jetzt erst einmal auf Reisen.