Hamburg

So sparen Sie bis zu 600 Euro beim Wechsel der Krankenkasse

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Gesetzlich Versicherte können jetzt von großen Beitragsunterschieden profitieren. Worauf man dabei aber achten sollte.

Hamburg.  Rund ein Dutzend gesetzliche Krankenversicherungen (GKV) haben zu Beginn des Jahres ihren kassenindividuellen Zusatzbeitrag gesenkt. Darunter ist auch die Techniker Krankenkasse aus Hamburg. Nur sechs Anbieter haben ihren Beitrag erhöht. Nach einer Übersicht des Internet-Vergleichsportals Check24 beträgt der Beitragsunterschied zwischen der bundesweit günstigsten und der teuersten Krankenkasse jetzt 1,11 Prozentpunkte. Damit kann ein Versicherter mit einem Jahres-Bruttoeinkommen von mindestens 53.100 Euro (das ist die Beitragsbemessungsgrenze für die gesetzliche Krankenversicherung) bis zu 600 Euro im Jahr sparen, wenn er die Kasse wechselt.

Durchschnittsverdiener mit einem 30.000 Euro Jahreseinkommen sparen binnen zwölf Monaten immerhin noch bis zu 333 Euro. Ein Wechsel kann sich also auszahlen. Wer sind die günstigsten Anbieter? Was ist beim Kassenwechsel zu beachten? Das Abendblatt beantwortet die wichtigsten Fragen.


Wie ist die Situation in Hamburg?

In der Hansestadt stehen 51 Krankenkassen zur Auswahl. Der Durchschnittsbeitrag liegt bei 15,6 Prozent, davon sind ein Prozent der durchschnittliche kassenindividuelle Zusatzbeitrag. Anhand dieser Werte kann jeder gesetzlich Versicherte vergleichen, ob seine Krankenkasse unter oder über dem Durchschnitt liegt. Die Kassen mit dem höchsten Beitrag sind in Hamburg Securvita und
Viactiv (je 16,30 Prozent, davon 1,70 Prozent Zusatzbeitrag). Wer von diesen Krankenkassen zu den günstigsten Anbietern wechselt, erreicht das höchste Einsparpotenzial von bis zu 589 Euro bei der BKK Euregio (Beitragssatz 15,18 Prozent) und HKK (15,19 Prozent). Beide erheben einen Zusatzbeitrag von knapp 0,60 Prozent. Das Portal Check24 vergleicht für Hamburg nur 36 Kassen, weil sich nicht alle an dem Vergleich beteiligen.


Was bedeutet kassenindividueller
Zusatzbeitrag?

Seit 2015 gilt ein einheitlicher Beitragssatz von 14,6 Prozent vom Bruttoverdienst, der nicht mehr steigen soll. Arbeitnehmer und Arbeitgeber bezahlen ihn je zur Hälfte. Altersrentner zahlen nur die Hälfte. Den Zusatzbeitrag bestimmt die Kasse und er wird nur von Arbeitnehmern und Rentnern gezahlt. Finanziell stärkere Kassen können ihren Zusatzbeitrag eher stabil halten oder senken. Eine gute Finanzlage zeigt sich zum Beispiel an der Höhe der Rücklagen. Laut Gesetz müssen sie zwischen 25 und 100 Prozent einer Monatsausgabe liegen. Die HKK als bundesweit günstigste Krankenversicherung und die Betriebskrankenkassen (BKK) Firmus und Verbund Plus haben eine Rücklage von 100 Prozent. Die Techniker Krankenkasse kommt laut einer Übersicht der Stiftung Warentest auf 50 Prozent.


Wann kann ich die Krankenkasse
wechseln?

Wechseln kann man erst, wenn man schon länger bei einer Kasse ist. „Die Mitgliedschaft muss mindestens 18 Monate bestehen“, sagt Christoph Kranich von der Verbraucherzentrale Hamburg. Wer einen Tarif mit Selbstbehalt hat, muss mindestens drei Jahre Mitglied sein. „Eine Ausnahme gibt es, wenn die Krankenkasse den Zusatzbeitrag erhöht“, sagt Kranich. Dann gilt unabhängig von der 18-Monatsfrist ein Sonderkündigungsrecht.Wechsler müssen aber auch in diesem Fall eine Frist beachten: Das Kündigungsschreiben muss spätestens bis Ende des Monats bei der Versicherung eingehen, in dem diese das erste Mal den neuen Zusatzbeitrag erhebt.


Wie lange dauert der Wechsel
einer Kasse?

Die reguläre Kündigungsfrist in der GKV beträgt zwei volle Monate zum Monatsende. „Das bedeutet, wer bis Ende Januar bei seiner alten Kasse kündigt, der kann dann zum 1. April bei einem neuen Anbieter sein“, sagt Kranich. Zunächst müsse schriftlich bei der alten Kasse gekündigt werden. Wichtig ist die Angabe des Kündigungstermins und der Versichertennummer. Die Kündigung muss von der Kasse innerhalb von 14 Tagen bestätigt werden.


Wie geht es dann weiter?

Ein formloses Schreiben reicht für die Beantragung der neuen Mitgliedschaft. Viele Kassen bieten auch im Internet Vordrucke an. Ohne Kündigungsbestätigung kann die neue Kasse den neuen Kunden nicht aufnehmen. Das Prozedere ist also etwas kompliziert, der Wechsel eines Stromanbieters ist einfacher.


Wie hoch kann die Ersparnis sein?

Das hängt vom bisherigen Beitragssatz und dem Gehalt ab. Je höher das Einkommen, desto höher die Ersparnis. Das gilt allerdings nur bis zur Beitragsbemessungsgrenze. Bis zu diesem Betrag werden Krankenkassenbeiträge erhoben. 2018 beträgt die Beitragsbemessungsgrenze 53.100 Euro brutto im Jahr oder 4425 Euro im Monat. Wer mit einem Gehalt von 4500 Euro etwa von der DAK zur HKK wechselt, spart im Jahr 483 Euro. Wer bei einer Ersatzkasse mit vielen Zweigstellen versichert sein will, kann zur Barmer wechseln. Dann beträgt die Ersparnis noch 212 Euro im Jahr (siehe Grafik). Die DAK und die AOK Rheinland/Hamburg wurden hier als Ausgangspunkt für einen Wechsel beispielhaft genommen, weil sie im Vergleich zu noch teureren Krankenkassen sehr viele Mitglieder und überdurchschnittliche Beiträge haben. Eine Empfehlung, diese Krankenkassen zu verlassen, ist dies nicht.


Was spricht für einen Wechsel?

„Entscheidend sollte sein, ob man mit den Leistungen der Krankenkasse zufrieden ist oder nicht“, sagt Verbraucherschützer Kranich. „Wir raten ausdrücklich von einem Krankenkassen-Hopping nur unter finanziellen Gesichtspunkten ab.“ Es sei allerdings legitim, vornehmlich unter finanziellen Gesichtspunkten zu wechseln. „Das gilt besonders für Beschäftigte, die auf jeden Euro achten müssen“, sagt der Verbraucherschützer. In jedem Fall sollten die Kassenleistungen bei der Entscheidung über einen Wechsel berücksichtigt werden.


Wie unterscheiden sich die Leistungen
der Krankenkassen?

Zu 95 Prozent sind die Leistungen gesetzlich festgelegt und daher bei allen Anbietern gleich. Dennoch gibt es bei den Zusatzleistungen deutliche Unterschiede. „Was wichtig ist, hängt von den persönlichen Bedürfnissen ab“, sagt Kranich. So sind bei manchen Kassen mehr Ultraschalluntersuchungen für Schwangere kostenlos. „Manche Kassen zahlen die Haushalthilfe für kranke Mütter länger als bis zum üblichen Höchstalter der Kinder von zwölf Jahren“, sagt Kranich. Bei manchen Kassen gibt es Boni für besonders gesundheitsbewusstes Verhalten. Für Fernreisende können kostenfreie Schutzimpfungen interessant sein. Auch ob eine Filiale in der Nähe ist, kann wichtig sein. Die AOK Rheinland/Hamburg hat acht Zweigstellen in der Hansestadt, die Techniker hat sieben, die Barmer vier. Die HKK hat nur eine Geschäftsstelle in der Hansestadt.


Wie stark unterscheiden sich die Leistungen von HKK, Techniker Krankenkasse und AOK Rheinland/Hamburg?

Beim Portal Check 24 können bis zu drei Tarife gleichzeitig bei den freiwilligen Leistungen verglichen werden. So ist die Techniker Krankenkasse (TK) bei den Reiseschutzimpfungen wie Gelbfieber oder Malaria am besten aufgestellt. Die HKK übernimmt die Kosten nur bis 80 Prozent, die AOK kommt nicht für Malaria-Impfungen auf. Bei alternativen Heilmethoden wie Homöopathische Behandlung und Osteopathie (Behandlung des Bewegungs- und Nervensystems) ist die TK am besten von allen drei Anbietern aufgestellt. Auch bei der Krebsfrüherkennung sind HKK und TK besser als die AOK aufgestellt, wie aus dem Vergleich hervorgeht. Mit zusätzlicher Schwangerschaftsvorsorge kann die HKK punkten.

Alle drei Kassen gewähren kostenfreie Krankenhauswahl und einen erweiterten Anspruch auf Haushaltshilfe. Die AOK Rheinland/Hamburg bietet Mitgliedern einen Zuschuss von bis zu 250 Euro für die Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen wie professionelle Zahnreinigung oder Vorsorgeuntersuchungen. „Finanziert werden hierüber auch Zuschüsse für Fitnesstracker oder Gebühren in Sportverein und Fitnessstudio“, sagt eine Sprecherin der AOK. Es hängt also von den persönlichen Präferenzen ab, für welche Krankenkasse man sich entscheiden sollte – und nicht nur vom Beitragssatz.