Wirtschaft

Handelskammer Hamburg sucht Partner für das HWWI

Der Ökonom und HWWI-Chef Henning Vöpel wünscht sich eine bekannte ausländische Universität als Partner für sein Institut

Der Ökonom und HWWI-Chef Henning Vöpel wünscht sich eine bekannte ausländische Universität als Partner für sein Institut

Foto: Marcelo Hernandez / HA

Hamburgisches WeltWirtschaftsInstitut bekommt zum Sommer neue Gesellschafterstruktur. Commerzbibliothek auf Verkaufsliste.

Hamburg.  Das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) bekommt eine neue Gesellschafterstruktur. Die Handelskammer, der das Institut seit dem Rückzug der Universität Hamburg seit Mitte 2016 zu 100 Prozent gehört, sucht nach Abendblatt-Informationen derzeit nach Partnern, die sich an der Forschungseinrichtung beteiligen. „Wir haben Großes vor. Deshalb suchen wir nach strategischen Investoren mit internationaler Reputation“, sagte der Direktor des HWWI, Henning Vöpel. Es gebe bereits Gespräche – auch mit ausländischen Universitäten.

„Ja , wir führen Gespräche“, bestätigte Handelskammer-Präses Tobias Bergmann. Er will bis Mitte 2018 einen neuen Partner gefunden haben. Bergmann hatte einst die völlige Übernahme des HWWI durch die Kammer kritisiert. Es sei nicht Aufgabe einer Handelskammer, ein Forschungsinstitut zu führen, sagte er damals. „Es geht nicht darum, das HWWI zu opfern“, machte er gestern im Gespräch mit dem Abendblatt deutlich. „Aber als alleiniger Träger hilft die Handelskammer dem HWWI nicht. Um selbst stark zu sein, braucht das Institut einen starken wissenschaftlichen Partner, mit dem es sein akademisches Profil stärken kann.“

„Wir haben bei der Suche keine Eile“

Zugleich machte Bergmann deutlich, dass die Partnersuche aus fachlichen Gründen erfolge, nicht aus ökonomischen: „Wir haben bei der Suche keine Eile, weil Herr Vöpel das HWWI saniert hat, das inzwischen wieder schwarze Zahlen schreibt.“ Das HWWI habe 2017 mit einem mittleren fünfstelligen Überschuss abgeschlossen, bestätigte Wirtschaftsprofessor Vöpel. „Und auch für dieses Jahr sieht es gut aus.“ 2015 hatte das Institut noch ein Verlust von einer Million Euro belastet.

Auch die Finanzkommission des Hamburger Insolvenzanwalts Berthold Brinkmann, die die Handelskammer bei ihren Reformen berät, hat sich mit dem HWWI befasst. Die Kommission plädiert dafür, eine Veränderung der Gesellschafterstruktur des HWWI zur Mitte des Jahres 2018 anzustreben, wie es in dem Bericht heißt, der heute dem Plenum der Handelskammer vorgestellt wird. Damit bleibt noch ausreichend Zeit für die Investorensuche.

HSU trägt rund 80.000 Euro Personalkosten

„Die Finanzkommission rät, gegebenenfalls externe Expertise bei der Suche nach den geeigneten Partnern einzubinden“, heißt es in dem Prüfbericht. Nach Angaben des stellvertretenden Hauptgeschäftsführers der Handelskammer, Ulrich Brehmer, gibt die Wirtschaftsvertretung jährlich bis zu 200.000 Euro für das HWWI aus. „150.000 Euro Grundfinanzierung und bis zu 50.000 Euro als Projektbudget“, so Brehmer.

Er betonte, dass die Suche nach einem weiteren Gesellschafter keine Auswirkungen auf die Partnerschaft des HWWI mit der Helmut-Schmidt-Universität (HSU) der Bundeswehr habe. Die HSU trägt rund 80.000 Euro Personalkosten des HWWI, indem sie dem Wirtschaftsinstitut eigene Forschungskräfte zur Verfügung stellt. Wie viele Anteile am HWWI die Handelskammer an den neuen Gesellschafter abgeben wird, ist noch offen. „Das richtet sich danach, wer den Zuschlag bekommt und was derjenige einbringt“, sagte Bergmann.

Mögliche Trennung von Commerzbibliothek

Neben dem HWWI diskutiert die Handelskammer auch über eine mögliche Trennung von der renommierten Commerzbibliothek. Diese besteht seit mehr als 275 Jahren und ist damit die älteste private Wirtschaftsbibliothek der Welt. Sie ist öffentlich zugänglich und verfügt über einen großen Bestand an Büchern und Zeitschriften aus den Bereichen Wirtschaft, Recht und Steuern. „Die Frage ist nur, wie intensiv die Bi­bliothek von den Mitgliedern der Handelskammer benötigt und genutzt wird“, sagte Bergmann. Danach richte sich auch, wie man damit verfahre. Ein Verkauf sei nicht ausgeschlossen.

Die Finanzkommission empfiehlt zu prüfen, ob die Commerzbibliothek vorrangig als Hochschulbibliothek geführt werden kann. Dann sollte die Hamburg School of Business Adminis­tration (HSBA) die Bibliothek übernehmen und die Handelskammer für die Nutzung durch ihre Mitglieder ein Nutzungsentgelt an die HSBA zahlen. Allerdings gehört dazu auch das Archiv. „Das ist Teil der Handelskammer, und wir wollen es behalten“, sagte Kammerpräses Bergmann. Er leitet heute erst die Sitzung des Plenums, dann feiert er Geburtstag. Die Handelskammer wird 353 Jahre alt und feiert das mit Gästen aus dem Plenum, den Ausschüssen, der Zweiten Bürgermeisterin, Katharina Fegebank, und weiteren Senatoren.