Neujahrsempfang

Klaus von Dohnanyi: „Eine hanseatische Tradition“

Sie waren bereits 1988 dabei: Eberhard Möbius, Horst Opaschowski,
Ulrich Wachholtz, Hans-Werner Funke, Iris von Arnim, Dirk Reimers,
Klaus von Dohnanyi, Katharina Trebitsch (v. l.)

Sie waren bereits 1988 dabei: Eberhard Möbius, Horst Opaschowski, Ulrich Wachholtz, Hans-Werner Funke, Iris von Arnim, Dirk Reimers, Klaus von Dohnanyi, Katharina Trebitsch (v. l.)

Foto: Marcelo Hernandez / HA

Gute Gespräche, exzellente Stimmung: Acht Gäste der ersten Stunde erinnern sich an die Premiere des Neujahrsempfangs vor 30 Jahren.

Hamburg. Als Glücksbringer hatte Loki Schmidt Glöckchenheide aus dem Garten in Langenhorn mitgebracht – ein Geschenk zum 40. Geburtstag des Hamburger Abendblatts. Die Premiere des Abendblatt-Neujahrsempfangs, gefeiert am 22. Januar 1988, war der Auftakt für 30 weitere Veranstaltungen mit hochkarätigen Gästen und exzellenter Stimmung.

Acht „Gäste der ersten Stunde“ waren auch diesmal in den Festsälen des Atlantic-Hotels dabei. Kein Wunder, dass sich die Mitglieder der erlauchten Runde eine Menge zu erzählen hatten. Die meisten von ihnen kennen sich gut und freuten sich auf das Wiedersehen an vertrauter Stätte. Alle Jahre wieder.

Kurzweilig und interessant

„Es ist jedes Mal ein großes Vergnügen“, sagte die Modedesignerin Iris von Arnim. „Dieser Vormittag ist stets kurzweilig und interessant. Es wird viel gelacht.“ Herzlich begrüßte sie den früheren Bürgermeister Klaus von Dohnanyi. Der Sozialdemokrat war im Januar 1988 noch im Amt, trat allerdings knapp fünf Monate später zurück. Von Dohnanyi war – bestens gelaunt – mit seiner Ehefrau Ulla Hahn gekommen. Die Schriftstellerin war ebenfalls bei fast allen Abendblatt-Empfängen dabei.

„Dabei handelt es sich um eine hanseatische Tradition“, sagte Klaus von Dohnanyi. „Erstaunlich, dass es sie nicht schon länger gibt.“ Er schätze den traditionsreichen Ort an der Alster, habe indes auch die Veranstaltungen auf der Baustelle Elbphilharmonie, in der Messe sowie im Kreuzfahrtterminal Altona in bester Erinnerung. Nicht nur für ihn gab es reichlich Hände zu schütteln.

Besonderes Mitbringsel

Senior dieses Kreises der acht Persönlichkeiten „der ersten Stunde“ war der Theatermacher Eberhard Möbius. „Ich habe keinen Empfang verpasst und war jedes Mal begeistert“, erzählte er. Das Urgestein der hanseatischen Kulturszene begeht im Oktober seinen 92. Geburtstag. Vor allem hatte „Möbi“ etwas Besonderes mitgebracht. In einer braunen Schatulle verwahrt er seine Terminkalender der vergangenen Jahrzehnte. Die Abendblatt-Empfänge sind sorgsam notiert. Zudem hebt er Zeitungsausschnitte und weitere Erinnerungsstücke auf. Digitalisierung hin und her: Möbius’ Privatarchiv ist unbezahlbar.

Am Ehrentisch klönte er intensiv mit Konzertveranstalter Hans-Werner Funke. Der Kulturgrande feiert im kommenden Monat seinen 80. Geburtstag. „Vor 30 Jahren kannte ich 75 Prozent der Gäste und 25 Prozent nicht“, sagte er. „Heute ist es umgekehrt.“ Das mache ihn keinesfalls traurig, sondern beweise, dass der Umbruch gelungen sei. Er genieße es, wenn sein ebenfalls anwesender Sohn Pascal ihm Gäste der jüngeren Generation vorstelle.

Details der ersten Veranstaltung im Kopf

„Nur eines stimmt mich sentimental“, fügte Hans-Werner Funke hinzu. „Mein Freund Christian Delbrück, damals Verlagsleiter des Abendblatts, ist quasi der Gründervater dieses Empfangs.“ Er verstarb 2006.

Hamburger Abendblatt Neujahrsempfang 2018
Hamburger Abendblatt Neujahrsempfang 2018

Der Zukunftsforscher Horst Opaschowski hat noch Details der ersten Veranstaltung im Kopf. „Hoch- und Krisenstimmung standen 1988 im Kon­trast“, sagte der Professor. Tennistriumphe von Steffi Graf und Boris Becker hätten seinerzeit für Euphorie im Lande gesorgt. Auch seien die Deutschen „Reise-Weltmeister“ gewesen. Auf der anderen Seite standen politische Krisen oder eine Algenpest an der Küste. Und ganz nebenbei: „Ich bin immer mit der S-Bahn aus Bergedorf zum Empfang gekommen und vom Hauptbahnhof zu Fuß zum Atlantic gegangen.“

Auch Dirk Reimers hat gute Erinnerungen

Meist habe schönes Winterwetter geherrscht. Auch Dirk Reimers hat gute Erinnerungen: „Bei der Premiere war ich vier Wochen als Polizeipräsident im Amt.“ Zahlreiche Gespräche mussten geführt werden. Praktisch, dass alles mit Rang und Namen präsent war. Damals wie heute. „Man kennt sich“, weiß er aus Erfahrung. Daran hat sich seit seinem altersbedingten Rückzug aus dem Ehrenamt als geschäftsführender Vorstand der Deutschen Nationalstiftung zum Jahreswechsel nichts geändert. Übrigens: Am morgigen Mittwoch feiert Reimers im kleinen Kreis seinen 75. Geburtstag. Einer der Gäste wird „Möbi“ sein.

30. Neujahrsempfang:

„Hier sagt jeder jedem guten Tag und wünscht alles Gute für die kommenden zwölf Monate“, stellte die Filmproduzentin Katharina Trebitsch fest. Die weltstädtische, dennoch familiäre Atmosphäre beglücke sie immer wieder. Und welcher Eindruck aus 30 Jahren blieb besonders haften? „Loki Schmidt“, antwortete Frau Trebitsch. „Während fast alle aufgeregt waren, strahlte sie eine überragende Ruhe aus.“ Womit wir wieder bei der Glöckchenheide von 1988 angelangt sind.

Chefvisite 90: 30. Neujahrsempfang des Hamburger Abendblatts
Chefvisite 90: 30. Neujahrsempfang des Hamburger Abendblatts