Jahresrückblick

Die spektakulärsten Kriminalfälle und Prozesse 2017

Mysteriöser Mord in Eppendorf: Einer der Täter ist noch nicht gefasst

Mysteriöser Mord in Eppendorf: Einer der Täter ist noch nicht gefasst

Foto: Michael Arning

Gleich mehrere grausame Morde in Hamburg haben für Entsetzen gesorgt – vor allem der Fall eines kleinen Mädchens.

Hamburg.  Das Messer-Attentat in Barmbek, der grausame Tod eines zwei Jahre alten Mädchens, die zerstückelte Leiche einer Prostituierten: Das sind nur einige der schrecklichen Morde, die Hamburg in diesem Jahr erschüttert haben. Wie viele Menschen durch Mord und Totschlag gestorben sind, dazu will sich die Polizei nicht äußern und verweist auf die Polizeiliche Kriminalstatistik, die 2018 vorgestellt wird. Doch alleine die Zahl der Fälle, die für Schlagzeilen gesorgt haben, lassen vermuten, dass die Zahl höher ist als im Jahr 2016. Damals verloren elf Menschen durch Mord oder Totschlag ihr Leben.

Neben den Kriminalfällen prägten auch spektakuläre Prozesse das Jahr 2017. Und bei der Hamburger Polizei nahmen zwei neue Sondereinheiten ihre Arbeit auf. Ihr Ziel: Kapitalverbrechen Fälle aufklären und Auto-Poser stoppen.

Das rätselhafte Verschwinden von Timo Kraus

Gleich zu Beginn des Jahres beschäftige die Polizei das mysteriöse Verschwinden des HSV-Managers Timo Kraus. Zwei Monate lang hatte die Beamten gesucht, ermittelt, in der Elbe tauchen lassen, auf der Suche nach einem Hinweis. Sogar einem Hellseher-Hinweis war die Polizei nachgegangen. Alles ohne Erfolg.

Am 7. Januar war der 44-jährige HSV-Manager gegen 23.30 Uhr nach einer Firmenfeier an den Hamburger Landungsbrücken von Kollegen in ein Taxi gesetzt worden. Zu Hause in Buchholz kam der Familienvater jedoch nie an. Die Taxifahrt endete offenbar bereits nach einem Kilometer – warum, ist rätselhaft. Die Spur von Timo Kraus verlor sich in Höhe des Museumsschiffs „Rickmer Rickmers“, wo sein Handy letztmals um 0.40 Uhr geortet wurde. Der Taxifahrer, der wichtigste Zeuge in dem Fall, konnte nie ausfindig gemacht werden. Die Ermittler gingen früh davon aus, dass Timo Kraus irgendwo an den Landungsbrücken in die Elbe stürzte.

Jahresrückblick: 2017 in zwei Minuten
Jahresrückblick: 2017 in zwei Minuten

Erst elf Wochen nach Timo Kraus’ rätselhaftem Verschwinden gab es Gewissheit. Am 23. März wurde ein Leichnam aus der Elbe in Höhe des Museumsschiffs „Cap San Diego“ geborgen. Schnell stellte sich heraus, dass es sich bei dem Toten um Timo Kraus handelt. Die Rechtsmediziner fanden seinen Personalausweis und konnten den Toten anhand seines Zahnschemas identifizieren. Zwar hat die Polizei die Ermittlungen eingestellt – doch vollständig geklärt wird der mysteriöse Fall wohl nie.

Das Messer-Attentat von Barmbek

Die Bluttat in Barmbek, bei der ein 50 Jahre alter Mann getötet und mehrere Menschen zum Teil schwer verletzt worden sind, hatte in Hamburg für Entsetzen und Fassungslosigkeit gesorgt. Am 28. Juli hatte sich der abgelehnte Asylbewerber Ahmad A. in einem Edeka-Laden an der Fuhlsbüttler Straße ein Messer mit einer 20 Zentimeter langen Klinge gegriffen und völlig unvermittelt auf Menschen eingestochen. Der 26-Jährige konnte erst durch couragierte Passanten gestoppt werden. Sechs Männer hatten dabei mitgewirkt, den Angreifer zu stoppen. Die „Helden von Barmbek“ – darunter Maxwell Ekow, der den Messerstecher entwaffnet hatte – wurden im Oktober mit dem Ian-Karan-Preis für Zivilcourage ausgezeichnet.

Ahmad A. war den Behörden als Islamist bekannt, jedoch nicht als unmittelbar gefährlich eingestuft worden. Ab dem 12. Januar 2018 steht der mutmaßliche Messerstecher vor Gericht. Die Bundesanwaltschaft hat den 26-Jährigen wegen Mordes sowie versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung in sechs Fällen angeklagt. Laut der obersten Strafverfolgungsbehörde sollten an jenem Freitagnachmittag im Sommer möglichst viele deutsche Christen sterben. Anlass hierfür sei seine Überzeugung gewesen, dass Muslime weltweit unterdrückt würden.

Die zerstückelte Frauenleiche

Für den Angler war es ein Schock: Am 3. August entdeckte er am Rissener Elbstrand im flachen Wasser Leichenteile, darunter einen Oberschenkel. Im Laufe des Monats werden weitere Leichenteile gefunden – in Winterhude und im Bereich Rothenburgsort. Bei der Toten handelt es sich um die 48-jährige Maria A., die in Spanien lebte und zeitweise in Hamburg als Prostituierte „Rosa“ arbeitete. Bis heute ist der mysteriöse Mordfall nicht geklärt.

Warum Maria A. Opfer eines Gewaltverbrechens wurde, ist ebenso unklar wie die genaue Todesart. Es gilt jedoch als sicher, dass die Frau nicht erstochen, erschossen oder erschlagen wurde. Wegen der Art und Weise, wie der Körper zerteilt wurde, gehen Rechtsmediziner davon aus, dass der Täter gute anatomische Kenntnisse hatte. Ende Oktober hatte die Staatsanwaltschaft eine Belohnung in Höhe von 5000 Euro ausgesetzt – in der Hoffnung, dass die Polizei entscheidende Hinweise aus der Szene erhält.

Der Mord an der zwei Jahre alten Ayesha

Der brutale Mord an der kleinen Ayesha hatte bundesweit für Entsetzen gesorgt: Am 23. Oktober soll der 33 Jahre alte Sohail A. seine kleine Tochter mit einem Schnitt durch die Kehle umgebracht haben. Polizisten hatten die getötete Zweijährige in der Wohnung der Eltern Neugraben-Fischbek gefunden. Nach einer knapp einwöchigen Fahndung war der Vater des Mädchens in der spanischen Region San Sebastian verhaftet worden.

Die Familie wurde seit einiger Zeit von Jugendamt betreut – dieses hatte der Mutter geraten, mit ihren Kindern ins Frauenhaus zu gehen, um sich vor der Gewalt ihres Mannes zu schützen. Doch dieses Angebot hatte sie nicht angenommen. Nach einem Streit zwischen den Eheleuten am 23. Oktober ging die Mutter ins Polizeirevier am Neugrabener Markt und erstattete Anzeige wegen Bedrohung. Ihren Sohn (6) hatte sie zuvor zu Verwandten gebracht, die Zweijährige war beim Vater. Als die Beamten Sohail A. in der Wohnung aufsuchen wollten, fanden sie nur das tote Mädchen.

Der Todesraser vom Ballindamm

Es war einer der tragischsten Verkehrsunfälle der vergangenen Jahre – und die Staatsanwaltschaft wertet ihn nicht als fahrlässige Tötung oder Totschlag, sondern als Mord. Am frühen Morgen des 4. Mai kollidierten an der Kreuzung Ballindamm/Glockengießerwall zwei Taxen. Ein Fahrgast, der 22 Jahre alte Barkeeper John B., starb noch am Unfallort, sein 25 Jahre alter Kollege wurde lebensgefährlich verletzt. Der 57-jährige Fahrer des Taxis, das gerammt wurde, ist bis heute arbeitsunfähig.

Seit Mitte Dezember steht Ricardas D. (25) vor dem Landgericht Hamburg. Es ist das erste Mal, dass in Hamburg nach einem Delikt im Straßenverkehr ein Mensch wegen Mordes angeklagt wird. Er soll gegen 4 Uhr in Barmbek ein Taxi gestohlen haben und ohne Führerschein, ohne Licht und alkoholisiert durch Hamburg gerast sein. Dabei soll er rote Ampeln missachtet und vor der Unterführung Kennedybrücke bewusst mit Tempo 145 in den Gegenverkehr gefahren sein. Der nun Angeklagte verlor offenbar die Kontrolle über das Fahrzeug und kollidierte mit dem anderen Taxi. Zum Prozessauftakt sagte Ricardas D. abgesehen von Namen und Geburtstag nichts.

Der mysteriöse Mord in Eppendorf

Eine feine Wohnstraße in Eppendorf, ein Schuss mitten in der Nacht, ein blutüberströmtes Opfer: Auch gut vier Monate nach dem Mord in einem Treppenhaus an der Goernestraße sind noch einige Fragen offen. Zwar konnte die Polizei am 30. August in Rotterdam (Niederlande) einen 38 Jahre alten Tatverdächtigen festnehmen, der Ende Oktober nach Hamburg gebracht worden ist – sein Komplize ist jedoch weiterhin auf der Flucht. Nach ihm wird mit einem Phantombild gefahndet.

Das vermutlich aus Südosteuropa stammende Opfer war am 20. August gegen 4.30 Uhr im Treppenhaus eines Mehrfamilienhauses erschossen worden. Zuvor war er in Begleitung eines Bekannten auf zwei Männer getroffen war. Nachdem der Schuss fiel, ergriffen die Täter die Flucht. Vom Lärm alarmierte Anwohner entdeckten den zusammengesackten, blutüberströmten Mann. Rettungskräfte versuchten, das Opfer wiederzubeleben – ohne Erfolg. Der Bekannte des Opfers blieb unverletzt. Er konnte mit Hilfe eines Dolmetschers zu der Tat befragt werden. Mit weiteren Einzelheiten zu dem Fall hält sich die Polizei sehr bedeckt.

Mord an einer 26-Jährigen – Eltern entdecken Leiche

Als die Eltern am 9.Dezember mit ihrer 26 Jahre alten Tochter telefonierten, war die Welt noch in Ordnung. Die junge Frau hatte ihre Schicht in einem Schnellrestaurant beendet, die Eltern waren an dem Abend noch unterwegs. Doch als das Ehepaar wenige Stunden später in seine Wohnung am Osteinbeker Weg zurückkehrte, in dem auch die Tochter lebte, machten es eine schreckliche Entdeckung. Die Tochter lag mit einer schweren Kopfverletzung am Boden – der Notarzt konnte nur noch den Tod der 26-Jährigen feststellen.

Die junge Frau aus Billstedt wurde umgebracht. Zur Todesursache will die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen zwar noch immer keine Angaben machen, aber nach Abendblatt-Informationen wurde sie in der elterlichen Wohnung erschlagen. Am 15. Dezember nahmen Spezialkräfte der Hamburger Polizei einen Tatverdächtigen in einer Wohnung in Hamm-Süd fest. Ein Haftrichter erließ auf Antrag der Staatsanwaltschaft Haftbefehl wegen Totschlags.

Der Tod der 65-Jährigen nach Trinkgelage

Zunächst deutete vieles darauf hin, dass es sich um einen tragischen Tod im Trinkermilieu handelt. Doch die Mordkommission kam schnell darauf, dass die 65 Jahre alte Frau, die am 12. Oktober tot in einer Wohnung in Bergedorf entdeckt worden war, Opfer eines gemeinschaftlich verübten Verbrechens ist. Die Polizei nahm noch im Oktober vier dringend Tatverdächtige fest, darunter ein 15 Jahre altes Mädchen.

Die Clique hatte offenbar häufiger Zechgelage mit der 65-Jährigen veranstaltet. Die Polizei hatte die tote Frau entdeckt, nachdem sie als vermisst gemeldet worden war. Im Verlauf der Ermittlungen kam heraus, dass das Opfer zu Tode geprügelt und getreten worden war.

Tote Freundin in Koffer versteckt – acht Jahre Haft

Gestorben war sie im Mai 2016. Durch einen Messerstich ins Herz. Das Gericht ist davon überzeugt, dass der damaliger Lebensgefährte die Frau getötet hat und verhängte im Juni eine Freiheitsstrafe von acht Jahren.

Der 51-Jährige hatte seine tote Freundin zwei Tage auf einem Küchenstuhl sitzen lassen und den Leichnam dann in einem Rollkoffer verstaut. Damit der Verwesungsgeruch nicht mehr so penetrant ist, gab er im Prozess an. Die Polizei suchte die Wohnung des Paares in Barmbek auf, weil die Tochter der 49-Jährigen ihre Mutter tagelang nicht hatte erreichen können und sich Sorgen gemacht hatte.

Radfahrer mit Schüssen hingerichtet – zwölf Jahre Haft

Der 5. Juni 2016 war ein schöner Frühsommertag. Zahlreiche Badegäste zog es zum Allermöher See, der Weg zum Idyll führte viele über den Fanny-Lewald-Ring. Im Kreuzungsbereich mit einem Waldweg, es war gegen 16.40 Uhr, gab ein bewaffneter Mann urplötzlich zehn Schüsse auf einen Radfahrer ab – eine hinrichtungsähnliche Szene. Das 28 Jahre alte Opfer starb wenig später im Krankenhaus.

Im Februar ist der Mann, der die Schüsse abgefeuert hat, zu zwölf Jahren und drei Monaten Freiheitsstrafe wegen Totschlags sowie Verstoßes gegen das Waffengesetz verurteilt worden. Die Staatsanwaltschaft hatte eine lebenslange Haft wegen Mordes gefordert, ebenso wie die Nebenklage.

Bei dem Verurteilten handelt es sich um den Ex-Schwager des Getöteten. Im Prozess hatte er eingeräumt, auf das Opfer geschossen zu haben. „Ich gestehe die Tötung, und ich möchte sagen, dass es mir sehr leid tut“, hatte der 34-Jährige gesagt. Der Gewalttat in Neu-Allermöhe vorausgegangen waren laut Aussage des Täters diverse Streitigkeiten. Das spätere Opfer habe Drohungen gegen die Familie des Schützen geäußert und sei auch gewalttätig geworden.

Kleinkind ertrinkt in Badewanne – mildes Urteil

Sein eigenes Kind zu verlieren, das ist sicher der schlimmste Albtraum aller Eltern. Die Frage, ob sie den Tod ihren 13 Monate alten Sohnes hätte verhindern können, wird Mastura S. wohl ihr Leben lang begleiten. Ihr Kind ertrank im August 2016 in der Badewanne, wo sie den Kleinen für einen kurzen Augenblick allein gelassen hatte. Die Zwillingsschwester lag bereits im Bett und sie musste sich kurz um ihren an Durchfall leidenden anderen Sohn (3) kümmern.

Der 13 Monate alte Junge konnte reanimiert werden, verstarb aber einen Monat später im Rahlstedter Wilhelmstift. Wegen irreparabler Hirnschäden waren die lebenserhaltenden Maßnahmen eingestellt worden. Ein Jahr nach dem Tod ihres Sohnes wurde die 31-Jährige, dessen Mann schwer an Krebs erkrankt ist, wegen fahrlässiger Tötung angeklagt. Doch der Richter fällte im September ein mildes Urteil.

Mastura S. wurde der fahrlässigen Tötung für schuldig befunden. Wegen der besonderen Umstände dieses Falls sah der Richter von einer Strafe jedoch ab. Die Mutter sei in der Folge der Ereignisse genug gestraft, sodass eine weitere Bestrafung verfehlt wäre, sagte der Richter damals.

Chris Z. – erst Mordversuch im Gericht, dann Selbstmord

Im September sollte erneut ein Prozess gegen Chris Z. beginnen. Die Anklage lautete auf versuchten Mord und gefährliche Körperverletzung. Zwölf Jahre hatte er bereits im Gefängnis verbracht, weil er im Suff den neuen Freund seiner Ex-Freundin erschossen hatte. Nachdem er entlassen worden war, attackierte er die Frau nach seinem Streit so heftig, dass die Polizei ihn mit einem Schuss ins Bein stoppen musste. Deswegen wurde er erneut zu 16 Monaten Haft verurteilt.

In der Berufungsverhandlung wegen dieser Tat im Januar kam es zum nächste Eklat: Mit einer selbst gebastelten Waffe attackierte Chris Z. seine Ex-Freundin, verletzte sie und den Staatsanwalt. Deswegen hätte er im September wieder vor Gericht gestanden – doch dazu kam es nicht mehr.

Wenige Tage vor Prozessbeginn nahm sich Chris Z. in der Untersuchungshaftanstalt das Leben. Bei der sogenannten Lebendkontrolle am frühen Morgen wurde er in seinem Haftraum erhängt aufgefunden. Der Amtsarzt konnte nur noch seinen Tod feststellen.

Rapper Gzuz – mehr Prozesse als Alben

Der Rapper Gzuz der Hamburger Gruppe 187 Strassenbande, die bei Verleihung des Musikpreises HANS 2017 in der Kategorie „Künstler des Jahres“ gewann, hat dieses Jahr nicht nur mit Musik für Furore gesorgt. Im Dezember wurde der Hip-Hop-Star zum 13. Mal verurteilt – vier Monaten Haft auf Bewährung entschied das Amtsgericht Hamburg-Altona. Der Grund: Gzuz hatte im Juli 2016 in einem Getränkemarkt in Bahrenfeld einem Verkäufer eine Ohrfeige verpasst. Eine Überwachungskamera hatte das aufgezeichnet.

Zwei Gerichtstermine hatte Gzuz, der bereits wegen Raubes und Körperverletzung eine dreijährige Haftstrafe abgesessen hat und seit seiner Entlassung 2013 auf Bewährung ist, bereits versäumt. Er wurde zur Fahndung ausgeschrieben und im Oktober auf St. Pauli bei einer Routineüberprüfung festgenommen – Anwohner hatten die Polizei wegen Ruhestörung alarmiert. Nach fünf Tagen Untersuchungshaft war Gzuz damals freigelassen worden – gegen Zahlung einer Kaution und die Auflage, sich zweimal pro Woche bei der Polizei zu melden.

Überraschender Freispruch für Ismail Özen

Selbst der zuständige Richter räumte im Oktober ein, dass der Prozess gegen den Hamburger Profiboxer Ismail Özen einen „überraschenden Ausgang“ genommen hat. Özen, der mit Janina Otto – Tochter des Unternehmers Michael Otto – verheiratet ist, war wegen Körperverletzung angeklagt worden. Die Staatsanwaltschaft hatte Özen vorgeworfen, einen Mann im Juli 2016 ins Gesicht geschlagen zu haben. Das 23 Jahre alte Opfer erlitt schwere Frakturen und musste operiert werden.

Doch das Gericht sah es als erwiesen an, dass es sich bei dem Faustschlag um eine vermeintliche Notwehrlage gehandelt habe. Den Freispruch begründete der Richter mit der „total unübersichtlichen Lage, die letztlich einem Hinterhalt entspricht“.

Völlig ungeschoren kam der Otto-Schwiegersohn jedoch nicht davon: Özen musste eine Geldstrafe in Höhe von 4500 Euro zahlen, weil er sich ohne gültige Fahrerlaubnis hinter das Steuer eines Porsche gesetzt hatte. Während dieser Zeit galt jedoch ein einmonatiges Fahrverbot für ihn.

Gruppensex in der Sauna – Geldstrafen

Die 70 Grad heiße Duftsauna in der Alster-Schwimmhalle war vier älteren Herren offenbar zu Kopf gestiegen. Ein Zeuge hatte beobachtet, wie das Quartett sich selbst und gegenseitig befriedigte, mit der Hand und oral. Im Februar wurden drei der vier Männer zu Geldstrafen auf Bewährung verurteilt. Im März wurde schließlich der Letzte im Bunde wegen „Erregung öffentlichen Ärgernisses“ ebenfalls zu einer Geldstrafe auf Bewährung in Höhe von 1750 Euro verurteilt. Zudem musste er 300 Euro Geldbuße zahlen.

Ein unbeteiligter Badegast, der vor Gericht als Zeuge aussagte, fand für die Sause in der Sauna nur eine Bezeichnung: „Was für eine Schweinerei!“

Polizei stellt neue Ermittlungseinheit „Cold Case“ vor

Sie beschäftigen sich mit ungelösten Kapitalverbrechen, die Jahrzehnte zurückliegen, und geben Toten eine Lobby: Die neue Ermittlungseinheit „Cold Case Unit“, die im März von der Hamburger Polizei vorgestellt wurde. Vier Kriminalbeamte sichten ungelöste Mordfälle, die bis zurück in die 1950er-Jahre liegen, und bearbeiten diese neu. Und das mit Erfolg.

Im September klärten die „Cold Case“-Ermittler etwa den Mord an der dreifachen Mutter Beata Sienknecht auf, die vor 36 Jahren auf mysteriöse Weise verschwunden war. Ein entscheidender Tipp einer Facebook-Nutzerin führte die Beamten schließlich zu Klaus-Dieter H. – einem dreifachen Mörder und losen Bekannten der Getöteten.

Er gestand den Mord an der gelernten Friseurin aus Steilshoop. In der Vernehmung gab der Mann an, Beata Sienknecht versehentlich mit einem Gegenstand getötet zu haben. Die „Art der Entsorgung“ lasse laut Polizei jedoch darauf schließen, dass die Leiche wohl nicht mehr aufzufinden sei.

Früherer LKA-Chef findet Skelett seiner Schwester

Er hatte die Suche­ nach seiner verschwundenen Schwester Birgit Meier nie aufgegeben, obwohl Polizei und Staatsanwaltschaft die Akten längst geschlossen und den Fall eingestellt hatten. 28 Jahre nach ihrem Verschwinden entdeckte Wolfgang Sielaff, der ehemalige Leiter des Landeskriminalamts Hamburg, die sterblichen Überreste seiner Schwester.

Gefunden wurde das Skelett der Frau Ende September auf einem Grundstück in Adendorf bei Lüneburg. Es ist das Grundstück, auf dem Kurt-Werner W. lebte. Er war bereits kurz nach dem Verschwinden der damals 40 Jahre alten Birgit Meier ins Visier der Ermittler geraten. Mehrmals war das Grundstück von der Polizei abgesucht worden, ohne dass die Leiche gefunden wurde. Sielaff hatte mit Freunden und Unterstützern nun die Suche selbst in die Hand genommen und auf dem Grundstück nach seiner Schwester gesucht.

Gefunden wurde die Tote in einer Kfz-Grube in der Garage, gleich neben dem Haus des Friedhofsgärtners W., der sich im April 1993 in Untersuchungshaft erhängt hatte.

Neue Soko „Autoposer“ jagt PS-Protze

Im September nahm die Soko „Autoposer“ in Hamburg ihre Arbeit auf. Seitdem jagen neun Beamte Tuning-Freaks. Sie legen aufgemotzte Fahrzeuge an Cruiser-Treffpunkten etwa rund um die Alster und in der City Nord still und stoppen illegale Autorennen. Ihre Bilanz Im Oktober: 20 sichergestellte Fahrzeuge, sechs unter Drogen oder Alkoholeinfluss stehende Fahrer und zahlreiche Anzeigen.

Vier Tage vor Weihnachten konfiszierten die Beamten der Soko „Autoposer“ den Lamborghini des ehemaligen deutschen Fußballnationaltorwarts Tim Wiese, weil die 740 PS starke Nobelkarosse die Dezibel-Grenzwerte überschritt. Der Sportler wurde am Ballindamm gestoppt. Wiese, der nach seiner Fußballkarriere als Wrestler arbeitete, hatte sich den Lamborghini Aventador LP 700-4 in der Pirelli-Edition im vergangenen Jahr zugelegt. Preis: rund 400.000 Euro.