St. Pauli

Nach Jahrzehnten gehen im Schlemmer-Eck die Lichter aus

Ein Foto aus glücklichen Tagen: Mitglieder der "Turbojugend" vor der Kneipe "Schlemmer-Eck"

Ein Foto aus glücklichen Tagen: Mitglieder der "Turbojugend" vor der Kneipe "Schlemmer-Eck"

Foto: Axel Heimken / dpa

Die Kiez-Kneipe bekommt nach dem Tod von Wirt Herbert Stender einen neuen Pächter. Was wird aus dem Treffpunkt der Turbojugend?

Hamburg. Jahrzehntelang galt das Schlemmer-Eck für viele Stammgäste als vertrauter Rückzugsort auf dem gerade an Wochenenden trubeligen Hamburger Berg auf St. Pauli. Bei Herbert Stender fühlten sie sich nicht nur wie Besucher, sondern als Teil einer großen Familie. Die Nachbarn und die St.-Pauli-Fans zählten ebenso dazu, wie die Anhänger der norwegischen Band Turbonegro, die die Kneipe vor Jahren als Mekka für ihr jährliches Fantreffen, die „Weltturbojugendtage“, auserkoren hatten.

Kneipe bekommt einen neuen Pächter

Doch damit ist es nun wohl vorbei: Nach Jahrzehnten ist die grüne Leuchtreklame über der Eckkneipe an der Ecke Seilerstraße erloschen. Nach dem überraschenden Tod von Herbert Stender, der die Kneipe 30 Jahre lang sein Eigen nannte, wurde der Betrieb nach kurzer Pause im Herbst zunächst weitergeführt. Ende Dezember dann gingen im Schlemmer-Eck die Lichter aus – ungewiss, ob die Eckkneipe jemals wieder öffnet.

Inzwischen steht fest: Das Lokal bekommt einen neuen Pächter. Nachdem die Witwe des Verstorbenen das Schlemmer-Eck nicht weiterführen wollte, hat sich der Eigentümer nach wochenlangen Verhandlungen für einen neuen Pächter entschieden. Nach Abendblatt-Informationen soll ein Bar- und Imbissbetreiber aus der Nachbarschaft das Lokal übernehmen und als Bier-Bar weiterführen.

Eine Entscheidung, die dennoch bei vielen Stammgästen für Enttäuschung sorgt. "Ich bin sehr deprimiert deswegen", sagt Christian, der zehn Jahre lang Stammgast im Schlemmereck war. "Herbert dreht sich im Grab um."

Was wird aus der Turbojugend?

Für Unmut sorgt vor allem, dass andere Bewerber aus dem Umfeld der Stammgäste die Kneipe offenbar gerne im Sinne von Herbert Stender weitergeführt hätten. Entsprechende Konzepte lagen demnach vor. Die Hausverwaltung bestätigt, dass mehrere Bewerbungen vorlagen und der Eigentümer sich aber entschieden habe. "Sobald sich der neue und der alte Pächter über die Übernahme einig sind, wird der Mietvertrag unterzeichnet." Was aus dem Schlemmer-Eck werde, könne man noch nicht sagen. Man gehe davon aus, dass die Kneipe in irgendeiner Form weitergeführt werde. Die Entscheidung liege aber beim Pächter.

Nicht nur für die St. Paulianer aus der Nachbarschaft wäre das Aus der Kneipe ein Verlust. Für die Turbojugend, die Anhänger der norwegischen Punk-Band Turbonegro, war das Schlemmer-Eck seit jeher ihr Hauptquartier. Sie müssten ebenfalls nach einer neuen Stammkneipe suchen. Ihre Devotionalien haben sie bereits aus dem Schlemmer-Eck abgeholt.

Inzwischen treffen sich einige von ihnen im Old Sailor an der Hein-Hoyer-Straße. Die Weltturbojugendtage sollen wie geplant Ende August wieder auf St. Pauli stattfinden. Die Termine und Bands für die Konzerte seien bereits bestätigt, heißt es von der Turbojugend. Doch eine zentrale Anlaufstelle wie das Schlemmer-Eck wird es wohl in diesem Jahr erstmals nicht mehr geben.