Verkehr

Glühweinbuden versperren Radwege in Hamburg

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Hier geht es nicht mehr weiter: Radweg
am Bahnhof Altona

Hier geht es nicht mehr weiter: Radweg am Bahnhof Altona

Foto: Friedrich Erbacher

Stände werden rücksichtslos auf Verkehrsflächen gestellt – ADFC verärgert. „Es nimmt langsam absurde Züge an.“

Hamburg.  Deutschland zweitgrößte Metropole versteht sich spätestens seit dem rot-grünen Wahlsieg 2015 als Fahrradstadt. Tatsächlich werden immer neue Wege ausgewiesen, Verkehrsführungen verbessert oder Ampelschaltungen optimiert. Nur im Monat Dezember verschwinden die hehren Ziele unter Glühweinbuden und hinter Absperrzäunen. Gleich an mehreren Stellen hat die Stadt Weihnachtsmärkte mitten auf Radwege gepflanzt – oder Betonpoller auf die Wege gehievt.

„Wir haben Beschwerden aus der Fahrrad-Community erhalten“, sagt ADFC-Sprecher Dirk Lau. „Es nimmt langsam absurde Züge an: Jedes Jahr gibt es immer mehr Buden an immer neuen Ecken in Deutschlands Partyhauptstadt zu entdecken.“ Lau kritisiert gleich mehrere Knotenpunkte, die nun für die Radler ausfallen: „Weil in Hamburg die Verkehrsflächen eng bemessen und begehrt sind, fällt es schon ins Gewicht, wenn sich zusätzliche Gastronomiebetriebe in den Weg stellen.“

Auf viel befahrene Straße ausweichen

Der Jungfernstieg, die Ottenser Hauptstraße oder die Admiralitätstraße stächen als wichtige Radverkehrsverbindungen hervor. Auch der Weg entlang der Reeperbahn ist nicht mehr passierbar, Radler müssen auf die viel befahrene Straße ausweichen. Lau vermisst ein Problembewusstsein bei den Behörden.

In der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation sieht man das Thema gelassen. Bislang sei nur eine Beschwerde wegen der Wegweisung am Jungfernstieg eingegangen. „Die meisten Radler haben überhaupt keine Pro­bleme damit, dass für eine gewisse Zeit der Radweg für einen Weihnachtsmarkt nicht nutzbar ist“, sagt die Behördensprecherin Susanne Meinecke. Beschwerden gingen indes aber auch im Bezirksamt und bei dieser Zeitung ein.

Konsequenzen fallen unterschiedlich aus

Die Konsequenzen aus zugestellten Radwegen fallen unterschiedlich aus. „Die einzige Möglichkeit wäre, die Weihnachtsmärkte aus den Fußgängerzonen, der Innenstadt und den belebten Stadtzentren in Hamburgs Rand- oder Industriegebiete zu verlegen. Aber das möchte niemand“, so Meinecke. „In einer Stadt gehört es dazu, dass man sich Räume und Platz mit anderen teilt.“ Dirk Lau vom ADFC schlägt eine andere Lösung vor: „Am besten nur einen Weihnachtsmarkt auf dem Rathausmarkt in Hamburg – das sollte auch für Olaf Scholz reichen.“

( ike )

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