Radverkehr

Hamburg weltweit auf Platz 17 der Fahrrad-Städte

Der "Fahrradstadt" Hamburg fehlen, laut eines aktuellen Rankings, Innovationen.

Der "Fahrradstadt" Hamburg fehlen, laut eines aktuellen Rankings, Innovationen.

Foto: Lukas Schulze / dpa

Hamburg hat es das vierte Mal in ein Ranking der fahrradfreundlichsten Städte weltweit geschafft. Doch diesmal gerade so.

Hamburg. Von Platz 11 auf Platz 20 mit Zwischenstopp auf der 19 und aktuell wieder etwas weiter vorn auf Platz 17: Hamburg hält sich seit Jahren in der Top 20 der fahrradfreundlichsten Städte der Welt. Und das, obwohl die Stadt von ihrem bereits vorhandenen Niveau profitiere, aber es nicht ausbaue.

„Hamburg ähnelt vielen Städten in den Niederlanden, die lediglich ihren Status Quo erhalten, statt etwas dafür zu tun, um die Qualität des Radfahrens zu erhöhen“, heißt es in der Wertung der Copenhagen Design Company.

Die Kriterien reichen von Verkehrspolitik bis zum Radverkehrsanteil

Die Beratungsfirma mit Hauptsitz in Kopenhagen hat das Ranking zum vierten Mal erstellt. Sonst berät sie Städte und Regierungen bei der Gestaltung von fahrradfreundlichen Bereichen innerhalb urbaner Räume. Zu den Kriterien des „Bicycle Friendly Cities Index“ gehören Punkte wie Verkehrspolitik, Leihräder, der Anteil des Radverkehrs am Gesamtverkehr und wie das Fahrrad in der jeweiligen Stadt von Nicht-Radfahrern wahrgenommen wird.

Dass die Stadt Hamburg vor Innovationen nicht zurückschreckt, zeigt jedoch Kirsten Pfaue. Seit 2015 ist sie Hamburgs Radverkehrskoordinatorin und damit die Schnittstelle zwischen Behörden und allen Dienststellen, die an der Verkehrsplanung beteiligt sind. Der Ausbau der Radverkehrsinfrastruktur sei sehr komplex, würde aber mit Hochdruck vorangetrieben, erklärt sie. Denn gute Bedingungen seien für Einwohner ein wichtiger Indikator für eine lebenswerte Stadt. „Konsequent werden wir an der Förderung des Radverkehrs weiterarbeiten. Wir sind auf dem richtigen Weg – das zeigt auch das Ranking unter den Top 20“, sagt die Radverkehrskoordinatorin.

Hamburg braucht die Fahrradwege der 20er und 30er

Mikael Colville-Andersen, Geschäftsführer der Kopenhagener Agentur, ist der Meinung, Hamburg müsse dafür seine Stagnation überwinden. „Hamburg braucht getrennte Fahrradwege – so wie es sie in den 20er und 30er-Jahren gab“, sagt er. Außerdem könne Hamburg die Verkehrsführung und Beschilderung für Radfahrer verbessern. Einheimische hätten sich schon mit der Situation arrangiert, für ortsfremde Besucher sei es jedoch schwierig sich zurecht zu finden.

Auch Dirk Lau vom ADFC Hamburg sieht dieses Problem. „Der aggressive und massive Autoverkehr lässt Hamburg für Touristen sehr gefährlich wirken. Nur auf sehr wenigen Streckenabschnitten hat man derzeit in Hamburg das Gefühl, komfortabel und sicher auf dem Rad fahren zu können“, sagt er. Seiner Meinung nach tue die Stadt zwar etwas für den Radverkehr, das sei aber viel zu wenig und dauere zu lange.

Trotzdem überrasche ihn das Ranking nicht, es entspreche der allgemeinen Einschätzung der Fahrradexperten weltweit. Auf Platz eins des Rankings liegt übrigens... Kopenhagen. Diese Entscheidung ist jedoch nicht etwa überzogenem Lokalpatriotismus geschuldet: Sondern der Investitionssumme, die die dänische Hauptstadt in die Weiterentwicklung der Radverkehrs-Infrastruktur investiert. 134 Millionen Euro in den vergangenen zehn Jahren haben unter anderem zum Abschluss des Fahrrad-Hafenrings und 16 neuen Fahrrad-/Fußgängerbrücken geführt.