Hamburg

Gängeviertel – warum die Sanierung nicht weitergeht

Erst drei von zwölf Gebäuden im Gängeviertel sind fertig saniert

Erst drei von zwölf Gebäuden im Gängeviertel sind fertig saniert

Foto: picture alliance / Christophe Gateau

Künstler und Stadt verhandeln wieder. Das macht Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Erst drei von zwölf Gebäuden sind saniert.

Neustadt.  Als vor acht Jahren 200 Künstler die letzten Reste des historischen und vom Abriss bedrohten Hamburger Gängeviertels besetzten, machte das bundesweit Schlagzeilen. Die Stadt lenkte ein, schloss eine Kooperationsvereinbarung mit der Künstlerinitiative ab und sagte 20 Millionen Euro für den Erhalt zu.

Dann aber kam es zum Streit zwischen Stadt und Gängeviertel-Initiative um die künftigen Besitzverhältnisse. 2015 stoppte die Stadt die weitere Planung, seit zehn Monaten wird auch nicht mehr verhandelt, und die Sanierung liegt seitdem auf Eis.

Planungsstopp bald beendet?

Doch jetzt ist offensichtlich wieder Bewegung in die Verhandlungen gekommen, wie die mit der Sanierung beauftragte Stadtentwicklungs-Gesellschaft (Steg) dem Abendblatt auf Anfrage bestätigte. Im November seien die Gespräche um die Zukunft des Gängeviertels wieder aufgenommen worden, um konkrete Inhalte werde es in diesem Monat gehen. „Wir sind zuversichtlich, dass der Planungsstopp beendet wird und wir unverzüglich weitermachen können“, sagte Steg-Geschäftsführer Hans Joachim Rösner.

Auch die Sprecherin der Gängeviertel-Künstler, Christine Ebeling, zeigte sich auf Anfrage optimistisch, dass die Sanierung des alten Viertels bald wieder aufgenommen wird: „Es freut uns natürlich, dass es jetzt weitergeht. Wir hoffen auf ein baldiges und gutes Ergebnis“, sagt Christine Ebeling.

Doch noch steht eine konkrete Einigung aus. Im Kern geht es dabei um die Frage, ob die Stadt oder die inzwischen gegründete Gängeviertel-Genossenschaft Eigentümerin der Gebäude wird, wo durch Umbau und Sanierung insgesamt 79 Wohnungen und 21 Gewerbeeinheiten entstehen sollen. Immerhin in bester Lage mitten in der Stadt.

Jeder Monat Verzögerung kostet bis zu 6000 Euro

Die Kooperationsvereinbarung sieht bisher vor, dass das Gängeviertel zu einem „lebendigen innerstädtischen Quartier mit günstigen Mieten und einem Schwerpunkt auf Nutzungen im künstlerischen Bereich“ entwickelt werden soll. Sanierungsplanung und sogar die Belegung der Wohnungen sollen mit Beteiligung der Genossenschaft erfolgen. Allerdings wollte die Stadt das Heft in der Hand behalten und Vermieterin bleiben.

Doch das reichte den Gängeviertel-Aktivisten nicht aus. Sie schlugen eine Erbpacht-Lösung vor. Ihr Angebot: 26 Millionen Euro über 75 Jahre verteilt, also knapp 29.000 Euro im Monat. Ihr Argument: Das Gängeviertel sei längst ein Quartier mit viel Strahlkraft. Konzerte, Festivals, Ausstellungen, Theater und Vorträge machten es zu einem wichtigen kulturellen Ort in der Stadt, der „dauerhaft dem Markt entzogen“ werden müsste, um ihn zu sichern.

Drei von zwölf Gebäuden erst fertig

Nach Abendblatt-Information ist nun auch deshalb Bewegung in die Sache gekommen, weil sich die Erbpachtraten in Hamburg am derzeit niedrigen Zinssatz orientieren. Und es gibt Zeitdruck: Weil Baukosten allgemein stets weiter steigen, rechnen Experten damit, dass jeder Monat Sanierungsstopp am Ende 5000 bis 6000 Euro Mehrkosten verursachen könnte. Und von dem zugesagten 20-Millionen-Budget sind nach ersten abgeschlossenen Sanierungen bereits etwa 30 Prozent verbraucht. Drei von zwölf Gebäuden sind aber erst fertig.