Hochwasserschutz

Stadt baut nicht nur höhere, sondern auch bequemere Deiche

Der fertiggestellte Hauptdeich auf der Veddel – erstmals mit Sitzbänken

Der fertiggestellte Hauptdeich auf der Veddel – erstmals mit Sitzbänken

Foto: Markus Scholz / dpa

Erstes Teilstück auf der Veddel ist fertig. 103 Kilometer werden insgesamt erhöht. Deiche bekommen sogar Sitzbänke.

Hamburg.  Noch ist das letzte Bauprogramm gegen Sturmfluten gar nicht vollständig beendet – da muss Hamburg erneut seine Deiche und Flutschutzmauern um weitere 80 Zentimeter erhöhen: Ein erster rund 200 Meter langer neuer Deich ist dazu im Herbst an den Elbbrücken auf der Veddel fertiggestellt worden. Vor wenigen Tagen hatte die Umweltbehörde die Arbeit abgenommen, am Freitag informierte sich Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) vor Ort über das Projekt.

Mit Blick auf steigenden Meeresspiegel und Klimawandel sei der Hochwasserschutz in Hamburg eben eine „Daueraufgabe“, so Kerstan. Ohne Schutz bestehe sonst die Gefahr, dass nahezu die Hälfte des Stadtgebiets nach schweren Sturmfluten unter Wasser stehe. Mehr als 300.000 Menschen würden in diesen gefährdeten Gebieten leben, so Kerstan.

Die letzten Arbeiten an den Landungsbrücken

Tatsächlich werden in Hamburg seit der verheerenden Sturmflut von 1962 laufend die Deiche und Schutzmauern erhöht. Das erste Großprogramm dauerte von 1962 bis 1979 und kostete 780 Millionen D-Mark. Seinerzeit wurde die insgesamt 103 Kilometer lange „Deichline“ (78 Kilometer Deiche und 25 Kilometer Mauern) sogar um 2,50 Meter erhöht. Auch deshalb, weil die Deiche entlang der Elbe vielfach näher an den Hauptstrom verlegt wurden und allein deshalb der Wasserstand anstieg. Es folgten später private Hochwasserschutzmaßnahen im Hafen und schließlich von 1993 an ein neues Erhöhungsprogramm um durchschnittlich einen Meter.

Die letzten Arbeiten für dieses Programm finden derzeit an den Landungsbrücken statt, wo gleichzeitig eine neue, aber eben auch höhere, Promenade entsteht. Etwa 750 Millionen Euro investierte die Stadt nach Angaben der Umweltbehörde in dieses Schutzprogramm. 2012 beschloss der Senat dann aber ein neues und rund 550 Millionen Euro teures Programm, weil man angesichts des Klimawandels davon ausgeht, dass der sogenannte Bemessungswasserstand bei schweren Sturmfluten noch höher ausfallen könnte als bisher kalkuliert.

Deiche werden höher und bequemer

Das jetzt gestartete neue Programm soll nun bis 2050 Sicherheit bieten: In den kommenden 20 Jahren werden daher wie jetzt auf der Veddel die Deiche höher gebaut. Wobei zuerst dort erhöht wird, wo es besondere Gefährdungslagen gebe, wie Hamburgs oberster Deichbauer Olaf Müller vom Landesbetrieb Straßen, Brücken, Gewässer sagte. Priorität hätten nun zunächst die Deiche in Wilhelmsburg und Veddel und dann auch in Harburg. 2018 würden daher der Klütjenfelder Hauptdeich und der Bereich Veddel Nord erhöht; 2019 sollen dann der Haulander Hauptdeich in Wilhelmsburg und 2020 der Harburger Hauptdeich folgen.

Allerdings werden diesmal die Deiche nicht nur höher, sondern – für Passanten – auch bequemer. So wurden auf der Veddel diesmal erstmals auch einige Sitzbänke aus Beton am Deichfuß eingebaut. Mit Blick auf die Elbe, die manchmal eben so gefährlich nahekommen kann.