Umbau

Eppendorfer Baum – Hamburgs neuer Boulevard

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Ulrich Gaßdorf

Nach zwei Jahren ist der 11,1 Millionen Euro teure Umbau fertig. Auch Klosterstern umgestaltet. Geschäftsleute sind zufrieden.

Hamburg.  Endlich: Die Bauarbeiten am Klosterstern und am Eppendorfer Baum sind nach rund zwei Jahren beendet. Verkehrsstaatsrat An­dreas Rieckhof (SPD) steht neben dem neuen gläsernen Aufzug, der auf die Bahnsteigebene der U-1-Haltestelle fährt, und lässt den Blick über die Einkaufsstraße Eppendorfer Baum schweifen. „Diese Straße hat jetzt Boulevardcharakter. Die Aufenthaltsqualität wurde für alle Verkehrsteilnehmer deutlich verbessert. Die Investitionen haben sich gelohnt“, meint Rieckhof. Die Stadt hat insgesamt rund 11,1 Millionen Euro ausgegeben, inklusive barrierefreier Umbau der U-Bahn-Haltestelle, der Ende 2015 den Start der Baumaßnahme markierte.

Rad- und Autofahrer teilen sich die Straße

Die Straße Eppendorfer Baum wurde bis zur Ecke Hegestraße grundinstand­gesetzt; eine der beiden Abbiegespuren in Richtung Klosterstern ist wegen des Einbaus des Fahrstuhls weggefallen. Außerdem wurde der nur 80 Zentimeter breite Radweg auf die Straße verlagert. „Dort haben wir in beiden Richtungen Schutzstreifen für die Radfahrer eingerichtet. Dadurch, dass die Radfahrer jetzt die Straße benutzen, ist mehr Platz für die Fußgänger entstanden“, erklärt Rieckhof. Zudem wurden Holzbänke aufgestellt, dort „können die Passanten im Sommer verweilen“. Für die Händler wurde eine Ladezone eingerichtet. Des Weiteren ist geplant, entlang des Eppendorfer Baums und am Klosterstern zahlreiche neue Fahrradbügel aufzustellen.

Großer Parkdruck

Auch der Umbau des Kreisels am Klosterstern war Teil der Neugestaltung: Anstatt eines Radwegs auf dem Fußweg gibt es jetzt Radfahrstreifen auf der Straße. Der Klosterstern erhielt einen neuen Straßenbelag, und die „illegalen Parkplätze auf dem Grünstreifen in der Mitte des Platzes sind weggefallen. Dort wurden Kiesbette angelegt und mit Schmuckgittern ausgestattet, damit hier keiner mehr parken kann“, sagt Projektleiterin Käthe Fromm vom Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG).

Allerdings hat die Stadt „auch wegen des großen Parkdrucks im Stadtteil weitere Flächen in der Mitte des Platzes als Parkplätze erhalten. Hier wird seit Jahrzehnten quer anstatt längs geparkt, und das werden wir weiterhin tolerieren. Allerdings wird die Grünfläche durch kleine Absperrungen geschützt“, sagt Rieckhof.

Bevor die Maßnahmen am Eppendorfer Baum und am Klosterstern umgesetzt wurden, hatte es „eine umfangreiche Bürgerbeteiligung gegeben, die Ergebnisse sind mit in die Planungen eingeflossen“, so Staatsrat Rieckhof. Mit der Umsetzung sei er sehr zufrieden, damit sei dieser Standort fit für die Zukunft gemacht worden. Auch wenn man es nie allen Beteiligten recht machen könne.

So hatte es während der Bauarbeiten, die mit zahlreichen Sperrungen und vorübergehendem Wegfall der Parkplätze verbunden waren, heftige Kritik von Anwohnern und Geschäftsleuten gegeben. Vor allem, weil die Händler um ihr Geschäft fürchteten. Auch Holger Bracker vom Weinhaus Gröhl am Eppendorfer Baum machte damals seinem Ärger Luft. Jetzt besucht ihn Staatsrat Rieckhof in seinem Geschäft. 200.000 Euro Umsatzeinbußen seien ihm durch die Baustelle entstanden, sagt Bracker.

Die Geschäftsleute sind zufrieden

Allerdings räumt der Geschäftsmann ein: „Mit der Umgestaltung der Straße sind wir zufrieden. Es ist alles schöner und großzügiger geworden, und die Kunden geben uns auch eine positive Rückmeldung.“ Nachdem die Baustelle weg ist, steigen auch die Umsätze wieder, und deshalb ist der Weinhändler sicher, dass das traditionsreiche Geschäft im Jahr 2019 seinen 100. Geburtstag feiern kann.

Auch Gaby Schumacher, Leiterin der Parfümerie Meister, ist zufrieden: „Der Eppendorfer Baum hat durch die Umgestaltung an Atmosphäre gewonnen. Unsere Kunden sind glücklich und wir auch.“ Natürlich sei es während der Bauarbeiten eine Herausforderung für die Geschäftsleute gewesen, aber Schumacher hatte unter anderem mit einem Baustellenrabatt geworben und konnte so Umsatzrückgänge verhindern.

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