Süßwaren

Die kleine dänische Bonbonfabrik in Hamburg-Poppenbüttel

Thomas Tantzen zeigt eine Packung mit seinen Bonbons im neuen Geschäft in Poppenbüttel. Seit Sonnabend hat Lutschebuller geöffnet

Thomas Tantzen zeigt eine Packung mit seinen Bonbons im neuen Geschäft in Poppenbüttel. Seit Sonnabend hat Lutschebuller geöffnet

Foto: Andreas Laible

Bei Lutschebuller verkauft Gründer Thomas Tantzen selbstgemachte Drops und Lollis. Wie er auf den Namen für seinen Laden kam.

Hamburg.  2000 Meter – wenn man all die Bonbons aneinanderreihen würde, die Thomas Tantzen in diesen Tagen produziert, würde man auf eine Bonbonschlange von rund 2000 Metern Länge kommen. 2000 Meter – das ist in etwa auch die Strecke, die der 46-Jährige von seiner Wohnung zu seinem neuen Laden am Moorhof 2d in Poppenbüttel zurücklegt. Zu Lutschebuller, wo er dänische Bonbons und Lollis verkauft. Selbst gemacht. Mit Zutaten aus Dänemark. Das Besondere, das ihn von anderen Bonscheläden unterscheiden soll: das dänische Design und das Konzept.

„Die Kunden können bei der Herstellung der Bonbons zugucken – und auf Wunsch auch selber Bonbons und Lollis machen“, sagt Tantzen. Er ist gebürtiger Däne, lebt aber seit 1994 in Deutschland. Da er als Datenmechaniker nach der Ausbildung in Dänemark Anfang der 90er-Jahre keine Arbeit fand, jobbte er zunächst in einem Callcenter in Sonderborg und nahm dort Bestellungen auf – für den Hamburger Otto-Konzern, der ihn irgendwann nach Deutschland einlud, um ihn mit der Betreuung des Callcenter-Kommunikationssystems zu beauftragen.

Eine Wortkreation seiner Tochter

Mehr als 20 Jahre sind seitdem vergangen, und Tantzen ist noch immer bei Otto – seit Kurzem allerdings nur noch zehn Stunden die Woche. Die restliche (Arbeits-)Zeit investiert er in Lutschebuller. Der Name ist eine Wortkreation seiner Tochter Leah, die als Dreijährige bei einem Besuch einer Bonbonfabrik im dänischen Blåvand die Worte Bonbon und das dänische Synonym Bolsjer kurzerhand als Lutschebuller zusammenfasste. Inzwischen ist die Tochter groß, doch Tantzens Geschäftsmodell steckt noch in den Kinderschuhen.

Am vergangenen Sonnabend eröffnete sein Laden am Moorhof 2d – direkt neben der dortigen Kinderarztpraxis, von der sich der Bonbonmacher viele Kunden erhofft. Schließlich verdankt Lutschebuller selbst seine Existenz einem kranken Kind – nämlich Fredrik, dem 18 Monate alten Sohn von Tantzen und seiner Freundin Sylvia Feja (36). Als Mutter und Sohn bei einem Kinderarzttermin im Sommer warten mussten, setzten sie sich vor die Praxis in die Sonne – und Feja sah in dem leer stehenden Laden nebenan ein „Zu vermieten“-Schild. „Das war wie ein Zeichen.“ Hatten sie und Tantzen doch schon lange überlegt, noch mal was vollkommen anderes zu machen. Was Neues. Vielleicht einen Foodtruck.

Bonschemachen statt Foodtruck

Dass aus dem Foodtruck jetzt ein Bonbonladen geworden ist, liegt an der Leidenschaft von Tantzen für die Bonschemacherei, wie er es nennt. Bereits nach seinem Besuch mit Tochter Lea in der Bonbonfabrik vor 15 Jahren hatte er sich in die Kunst des Bonbon- und Lollimachens eingelesen und angefangen, seine eigenen Bonschis herzustellen – weil er hierzulande einfach keine fand, die ihm schmeckten. Seit Jahren produziert Tantzen nicht mehr nur für den Eigenbedarf, sondern bietet seine selbst gedrehten Hartbonbons auch auf Märkten an und veranstaltet Workshops im Bolsjermachen.

Allein im vergangenen Jahr hat Tantzen auf knapp 40 Kindergeburtstagen mit den kleinen Gästen Drops und Lollis hergestellt. Ein florierendes Geschäft! „Im Moment muss ich jede Woche ein bis zwei Anfragen absagen, weil ich nicht genug Kapazitäten habe“, sagt Tantzen. Doch das soll sich jetzt ändern. Jetzt, wo er seine Arbeitszeit auf 25 Prozent reduziert hat. Jetzt, wo er nur noch montags sowie dienstags bei Otto arbeitet, von Mittwoch bis Sonnabend Zeit für seinen eigenen Laden hat. Fürs Bonschemachen. Mehr als 1000 Kilo hat er in den vergangenen Jahren hergestellt. Und allein für die Eröffnung waren es noch einmal 200 Kilo.

Zutaten kommen aus Dänemark

Das Prozedere: „Wasser und Zucker zum Kochen bringen, die Masse mit Glucose dehnbar machen, einkochen, auf die Arbeitsplatte gießen und mit Farb- sowie Aromastoffen anreichern. Danach die Bonbonmasse zu einer Stange formen, so lange ziehen, bis sie die gewünschte Dicke hat und die Bonbons mit einem Messer in mundgerechten Stücken abgeschnitten werden können“, sagt Tantzen. Nach kurzer Wartezeit können die Bonbons mitgenommen werden. Die Zutaten holt Tantzen übrigens extra aus Dänemark.

„Dänische Bonbons bekommt man eben nur mit dänischen Zutaten“, so seine Devise. Die einzige Ausnahme: Waldmeister. „Der gilt in Dänemark nämlich als Unkraut und ist dort nicht erhältlich“, so der Däne, der im Internet unter www.lutschebuller.de auch einen Onlineshop vertreibt, in dem sich die Kunden ihre persönlichen Bonbons konfigurieren können. Das heißt, selbst Geschmack und Muster bestimmen können. Der Preis – egal ob im Laden oder online: 3,95 Euro für 125 Gramm und 6,95 Euro für 225 Gramm. Lollis kosten 1,50 bis 2,50 Euro. Rund 30 Sorten Bonsche hat Tantzen im Angebot – die alle probiert werden dürfen. Ge­- treu dem Firmenmotto „... weil es schmeckt“.

Lutschebuller, Moorhof 2d, Öffnungszeiten mittwochs bis sonnabends 11–17 Uhr