Wölfe

Wolf tötet Schaf im Lübecker Stadtgebiet

In Lübeck hat ein Tier am 12. Oktober ein Schaf getötet. Dass es sich um einen Wolf handelte, bestätigen nun genetische Analysen.

Lübeck. Ein Wolf hat zum ersten Mal ein Schaf im Lübecker Stadtgebiet gerissen. Das getötete Tier aus Lübeck-Eichholz wurde am 12. Oktober Mitarbeitern des schleswig-holsteinischen Wolfsmanagements als potenzieller Wolfsriss gemeldet. Genetische Analysen haben nun bestätigt, dass es sich bei dem Verursacher um einen Wolf gehandelt hat.

Zwei ähnliche Fälle haben sich im Lehrrevier Moorgarten der Kreisjägerschaft Lübeck ereignet. Hier wurden zwei gerissene Rehe gefunden. Da diese Tiere jedoch zu spät gemeldet wurden, hat man sie nicht mehr amtlich überprüft. Martin Schmidt vom Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume Schleswig-Holstein bittet darum, verdächtige Fälle immer sofort zu melden. "Bei der Untersuchung wird der Speichel an dem getöteten Tier auf die DNA überprüft. Dies funktioniert jedoch nur, wenn die Probe frisch ist", so Schmidt. Mit der DNA könne ebenfalls bestimmt werden, um welchen Typ Wolf es sich handelt und möglicherweise sogar seine Herkunft.

Schleswig-Holstein ist Durchgangsgebiet

Seit 2000 gibt es wieder Wölfe in Deutschland. Seitdem breiten sie sich langsam aber stetig in Deutschland aus. In Sachsen und Brandenburg leben die meisten Rudel. Über Mecklenburg-Vorpommern kommen sie dann nach Schleswig-Holstein.

„Die meisten Wölfe kommen aus dem Osten zu uns“, so Landessprecher Ingo Ludwichowski vom Naturschutzbund Deutschland (NABU). Diese würden Schleswig-Holstein aber eher als Durchgangsgebiet nach Dänemark nutzen und selten länger im Land verbleiben. „Momentan könnte sich ein Wolf in der Nähe von Lübeck und einer im Kreis Dithmarschen aufhalten. Dass Wölfe bis zu Stadtgrenzen vordringen ist nichts Neues.“ Die letzte Wolfsichtung im Kreis Dithmarschen gab es laut dem Umweltamt in Schleswig-Holstein am 19. Oktober. Auf der Videoaufnahme einer Fotofalle war deutlich ein Wolf zu erkennen.

Wolfsmanagement soll schützen

Für solche Fälle wie in Lübeck gibt es seit März 2010 das schleswig-holsteinische Wolfsmanagement. Neben präventiven Maßnahmen zur Vermeidung von Schäden durch Wölfe ist darin auch der finanzielle Ausgleich geregelt, falls doch ein Schaden für Tierhalter entsteht. So werden Verluste an Haustieren aus Mitteln des Landes Schleswig-Holstein bezahlt.

Um diese Entschädigung zu erhalten, muss natürlich erst sichergestellt werden, dass das Tier durch einen Wolf getötet wurde. „Die Mehrzahl der getöteten Schafe wird von Hunden gerissen“, sagt Ludwichowski. „Die Situation muss erstmal beurteilt werden. Oft erkennt man schon an den Spuren und Pfotenabdrücken, ob es sich um einen Wolf oder einen Hund handelt.“ Wenn der Eigentümer es wünscht, könne eine Untersuchung eingeleitet werden.

Laut Martin Schmidt gibt es bei Hundeangriffen keine Entschädigung. "Wenn es jedoch nicht auszuschließen ist, dass es sich wirklich um einen Wolf handelt, dann gibt es Entschädigungszahlungen", so Schmidt. Diese Regelung gilt zumindest in Schleswig-Holstein.

"Maximale Population erreicht"

In Mecklenburg-Vorpommern bereitet der Wolf Agrarminister Till Backhaus derweil Kopfschmerzen. Er meint, die angestrebte Wolfspopulation in Deutschland sei bereits überschritten. Am Mittwoch sagte der SPD-Politiker bei einem Bauerntag in Pasewalk, dass seine Behörde mittlerweile mit mehr als 1000 Wölfen rechne. Deutschlandweit gäbe es 62 bis 64 Rudel. Da der Bestand jährlich um 30 Prozent zunehme, müssten nun neue Pläne für den Umgang mit Wölfen her.

Laut NABU konnten im Wolfsjahr 2015 / 2016 in Deutschland 46 Wolfsrudel, 15 Wolfspaare und vier Einzelwölfe bestätigt werden. Am 23. April 2007 sei der erste Wolf nach Schleswig-Holstein zurückgekehrt. Er wurde am frühen Morgen an der B76 überfahren. Seit diesem ersten Wolf wurden laut Bundesamt insgesamt 50 eindeutige und bestätigte Wolfsnachweise in Schleswig-Holstein erbracht.

mit Material von dpa