Bad Oldesloe

Darum meidet der Wolf den Kreis Stormarn

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Marc R. Hofmann
Wölfe lassen sich im Kreis Stormarn nicht nieder, dafür aber im Kreis Herzogtum-Lauenburg und Nordfriesland

Wölfe lassen sich im Kreis Stormarn nicht nieder, dafür aber im Kreis Herzogtum-Lauenburg und Nordfriesland

Foto: HANDOUT / REUTERS

Zu viele Menschen und Autobahnen: Seit zwei Jahren ist kein Wolf im Kreis Stormarn gesehen worden. Ein Rudel braucht viel Platz.

Bad Oldesloe.  Ende Januar haben Spaziergänger mal wieder einen Wolf in der Nähe von Stormarn gesehen, in Krukow (bei Geesthacht) im benachbarten Kreis Herzogtum Lauenburg. Auch in anderen Teilen des Landes werden Wölfe regelmäßig von Wildkameras erfasst oder anhand von DNS-Proben an gerissenen Tieren identifiziert.

Nur um Stormarn scheinen die Tiere einen Bogen zu machen. Dort wurde seit zwei Jahren kein Wolf mehr beobachtet. Das habe jedoch nichts zu bedeuten, wie Claus-Peter Alpen sagt. „Wölfe müssen auf ihrem Weg gen Nordwesten den Kreis durchqueren“, so der pensionierte Förster aus Reinbek, der einer von 71 ehrenamtlichen Wolfsbetreuern im Land ist.

Durchziehende Tiere schwer zu erfassen

2014 erfasste ein Auto auf der A 24 bei Witzhave einen Wolf. 2013 war ein Artgenosse auf der A 1 zwischen Ahrensburg und Bargteheide überfahren worden. Den ersten Wolf überhaupt, der seit 1820 nachweislich seine Pfoten auf schleswig-holsteinischen Boden gesetzt hatte, hatte das gleiche Schicksal 2007 auf der B 76 bei Süsel (Kreis Ostholstein) ereilt.

Während die Tiere Flüsse wie die Elbe problemlos durchschwimmen könnten, seien Autobahnen größere Hindernisse, so Claus-Peter Alpen. Jens Matzen, hauptamtliche Koordinator der Wolfsbetreuer in Schleswig-Holstein, sagt mit einem Lachen: „Der Wolf nimmt weder die S-Bahn durch Hamburg noch den Bus in Lübeck.“ Die durchziehenden Tiere seien deswegen schwer zu erfassen.

Rudel benötigt 150 bis 250 Quadratkilometer

„Schleswig-Holstein und in besonderem Maße Stormarn sind für die Tiere nur zweite Wahl wenn es darum geht, sich niederzulassen“, sagt Matzen. Der Kreis sei zu dicht besiedelt und von den Autobahnen 1 und 24 zerschnitten. Ein Rudel benötige 150 bis 250 Quadratkilometer (Zum Vergleich: die Insel Sylt hat knapp 100 Quadratkilometer), wovon ein großer Teil möglichst frei von Menschen sein sollte. „Der Wolf nimmt uns als Bedrohung war“, so Matzen.

Große freie Flächen gebe es am ehesten auf Truppenübungsplätzen in Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern, wobei seltene größere Störungen durch Übungen die Tiere weniger beeindruckten als viele kleine. Geeignete Gebiete gebe es in Schleswig-Holstein hauptsächlich in den Kreisen Herzogtum Lauenburg, Dithmarschen und Nordfriesland.

Manche Wölfe wanderten auch nach Dänemark

„Die Tiere können am Tag 25 bis 40 Kilometer zurücklegen“, sagt Matzen. Einige kehrten auch wieder um, wenn sie auf der Suche nach einem Partner oder einem passenden Revier nicht fündig würden oder wanderten weiter nach Dänemark. Auf Jütland gebe es viel Platz für die Tiere. Wenn andere Räume bereits von Artgenossen besiedelt sind, werde künftig auch die „zweite Lage“ attraktiv.

( mrh )

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