Spiritualität

Die Frau, die die Anleitung zum Glücklichsein hat

Laura Marina Seiler gab ihren Job als Musikmanagerin auf, um Menschen zu helfen, zu ihrer eigenen Stärke zu finden

Laura Marina Seiler gab ihren Job als Musikmanagerin auf, um Menschen zu helfen, zu ihrer eigenen Stärke zu finden

Foto: Michael Rauhe

Laura Malina Seiler nennt sich Empowerment-Coach. In ihren Seminaren gibt sie Kraft – und rührt zu Tränen. Lebenshilfe für 120 Euro.

Hamburg.  Natürlich kann es Zufall sein, dass genau in dem Moment das Licht im ganzen Block ausgeht, als Laura Malina Seiler auf der Bühne steht und sagt: „Ich liebe dich!“ Glaubt nur keiner der 300 Gäste. „Ah!“ und „Oh!“ und allgemeine Gänsehaut. Selbst die, die noch zweifeln, selbst die, die mit Spiritualität nichts am Hut haben, sind unweigerlich bewegt.

Zum Glück fällt das in der Dunkelheit niemandem auf. „Wie macht sie das?“, fragt eine Frau. „Huch“, sagt Laura Seiler und lacht: „Das war anscheinend ein bisschen zu viel positive Energie.“ Mehr als eine halbe Stunde wird der Strom in den Straßen rund um das Logenhaus in der Nähe des Dammtor-Bahnhofs ausfallen. Laura Malina Seiler wollte aus ihrem neuen Buch „Mögest du glücklich sein“ vorlesen, doch ohne Licht und Mikrofon muss der Plan geändert werden. Wer die Einstellung hat, dass alles genau richtig ist, so wie es ist, der hat kein Problem mit plötzlichen Veränderungen. „Dann machen wir jetzt eben Ho’oponopono,“ sagt sie.

Die „Sich selbst am Schopf aus dem Sumpf ziehen“-Story

Logisch. Was immer das sein mag. Zustimmende Geräusche aus der Dunkelheit. „Ich weiß, ehrlich gesagt, gar nicht, was dieses Hopopo ist“, flüstert eine Dame ihrer Nachbarin zu. Die antwortet: „Weiß ich auch nicht, kann aber nur toll sein.“ Es sind keine Zuhörer, die hier im Saal sitzen, es sind Fans. Und Frau Seiler scheint auf der Schwelle vom Coach zum Guru zu stehen. Was immer die 31-Jährige vorschlägt, es wird für gut befunden (wie Ho’oponopono, das sich als Vergebungsritual entpuppt).

Das Gesicht der sogenannten Expertin für Mindful Empowerment kennen bislang wenige, aber auf ihre Stimme hören viele. Mit mehr als vier Millionen Downloads steht ihr Podcast „Happy, holy & confident“ im iTunes-Store auf Platz 1. Sie hält Vorträge, tourt mit ihrem Buch und führt jeden Sonntag kostenlos durch den „Spiritual Sunday“. Dabei schalten sich vollkommen Unbekannte um 9 Uhr im Internet zusammen, um mit Laura Malina Seiler zu meditieren und eine Intention der Woche von ihr zu bekommen. Diesen Sonntag beispielsweise diskutierte sie die Frage: „Möchte ich lieber recht haben oder glücklich sein?“

Aus dem Opfer wird ein Gewinner

Eine Frauenzeitschrift nannte Seiler „die junge Oprah Winfrey“, und wenn man nach ihren persönlichen Zielen fragt, scheint das keineswegs zu hoch gegriffen. „Ich habe die Vision, so vielen Menschen wie möglich zu einem stärkeren Selbstbild zu verhelfen. So viele wie möglich sollen denken: Ich bin gut.“

Seiler selbst hatte dieses Gefühl viele Jahre nicht. Sie befand sich im „Opfermodus“, wie sie es nennt. Machte sich das Leben schwer und der Welt Vorwürfe. Sie stand noch nicht auf dem Standpunkt, dass das Leben, das man führt, tatsächlich mit einem zu tun hat; dass wir das empfangen, was wir aussenden. Doch dann beschloss das Opfer, zu einem Gewinner zu werden. „Ich war davon überzeugt, dass mir das Leben etwas für den Schmerz schuldete, den ich erfahren hatte, und war dadurch blind für all die Geschenke, die mir das Leben bereits gemacht hatte“, sagt Seiler.

2016 schmiss sie ihren Job als Musikmanagerin und machte sich selbstständig. Die Erfolgsgeschichte der Laura Malina Seiler folgt der klassischen „Sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen“-Story. Genau darauf baut sich ihre Glaubwürdigkeit auf. „Ich nehme ihr jedes Wort ab“, sagt Susanne Pomm, Controllerin aus Hamburg. „Ich finde sie inspirierend, sie holt mehr Kraft aus mir heraus.“ Ihre Freundin, eine Personalentwicklerin, stimmt begeistert zu. Seiler erschaffe eine Generation von starken Frauen. Warum keine Männer? Nur 20 Prozent der Anwesenden sind männlich. „Sie spricht eher die Eierstöcke an“, sagt Susanne Pomm lachend. Und Männer buddelten nicht gerne in sich selbst.

Bei jedem Zweiten fließen die Tränen

Tatsächlich? Tilmann Quensell, Manager eines großen Hamburger Wertstoffhandel-Unternehmens, hört Seilers Podcast seit zwei Jahren und wollte die Stimme, die ihm einen Ausgleich zu seinem stressigen Berufsalltag ermöglicht, einmal live sehen. „Ich bilde mir ein, durch ihre Ratschläge zu einem besseren Chef geworden zu sein. Ich höre jetzt besser zu.“ Eine 52-jährige Kinesiologin ist extra aus Hannover angereist. „Mich erstaunt, wie viel Weisheit Laura in so jungen Jahren besitzt. Inhaltlich müsste sie fast 70 sein“, sagt Hille von Hofen.

Aber es ist nicht nur alles Friede, Freude, Eierkuchen an diesem Abend im Logenhaus und am nächsten Tag im Baseler Hof, wo Seiler einen Workshop gibt. Selten wurden bei einer Veranstaltung so viele Taschentücher gebraucht. „Kannst du bitte noch einmal mit der Kleenex-Box rumgehen?“, bittet Seiler ihre Assistentin nach einer besonders anstrengenden Übung, bei der es darum geht, Wut und Vorwürfe loszulassen.

Bei jedem Zweiten fließen die Tränen, und es kommen Fragen auf: Wie soll ich in meiner Andersartigkeit ein Geschenk sehen, wenn ich dafür jahrelang gemobbt wurde? Wie kann ich nicht wütend auf meinen schlagenden Vater sein? Darf ich mir selbst vergeben, eine schlechte Mutter zu sein? Selten stand so viel Ehrlichkeit in einem Raum. Die Leute geben viel von sich preis; würde eine TV-Kamera mitlaufen, die Sendung hätte mehr Zuschauer als das „Dschungelcamp“. Muss man aushalten können.

Vergebung ist die Lösung

Laura Malina Seiler kann das. Sie macht nicht Eititei bei all den verletzten Seelen, sie stellt Fragen. „Bist du in einer glücklichen Beziehung?“, fragt sie die Frau mit dem Prügel-Papa. Nein, antwortete diese. „Was ist der erste Gedanke, den du hast, wenn du das Wort Mann hörst?“ „Arschloch.“ „Siehst du, deshalb muss du deinem Vater vergeben. Du strafst dich selbst mit deiner Wut, du wirst nie eine erfüllte Partnerschaft führen können.“ Schluck. Noch ein Taschentuch bitte.

120 Euro haben die Leute bezahlt, um bei diesem Workshop an ihre Grenzen zu stoßen. Spiritualität und Geld verdienen, passt das zusammen? „Auf jeden Fall“, sagt Seiler. Geld sei nicht per se gut oder schlecht, sondern neutral. Ein böser Mensch werde Schlechtes damit anstellen, ein guter viel Positives erreichen. Seiler spendet zehn Prozent ihrer Einnahmen. „Am Ende meines Lebens will ich zehn Millionen Euro gespendet haben“, sagt die 31-Jährige. Sie sagt es so überzeugend, es könnten durchaus mehr werden.

Das nächste kostenlose Spiritual Sunday-
Treffen in Hamburg findet am 12. November
um 15 Uhr im Golden Temple Teehaus statt.