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Depotgebühren steigen bei der Haspa um 30 Prozent

Haspa-Chef
Harald Vogelsang vor dem Logo seiner Bank. Im nächsten Jahr werden die Depotkosten steigen

Haspa-Chef Harald Vogelsang vor dem Logo seiner Bank. Im nächsten Jahr werden die Depotkosten steigen

Foto: Andreas Laible / HA

Sparkasse begründet das mit höheren Kosten. Aktienkäufe werden dafür günstiger. Depots ohne Wertpapiere waren bisher kostenfrei.

Hamburg.  Das Schreiben der Haspa an ihre Kunden beginnt wie eine Werbebotschaft: „Wir freuen uns, dass Sie bei Ihrer Wertpapieranlage auf unser Haspa Depot setzen“, heißt es in dem mehrseitigen Brief, der an alle Kunden mit einem Wertpapierdepot ging. Erst im dritten Absatz geht es um den eigentlichen Zweck des Schreibens. Es wird eine Gebührenerhöhung angekündigt. „Der Preis für die Wertpapierverwahrung steigt leicht“, heißt es in dem Schreiben, das dem Abendblatt vorliegt.

Haspa-Kunde Karl-Günter Soll ist vor allem wegen dieser Umschreibung einer leichten Steigerung sauer auf die Haspa, wie er dem Abendblatt sagt. „Der Text ist gelinde gesagt eine Frechheit, und als betroffener Kunde fühle ich mich regelrecht getäuscht“, sagt er. „Denn es handelt sich um eine Kostensteigerung von 30 Prozent“, sagt Soll.

100.000 Kunden sind betroffen

Obwohl es nur um Zahlen hinter dem Komma geht, hat es die jüngste Gebührenerhöhung in sich. Betroffen sind rund 100.000 Kunden. Wie die Haspa dem Abendblatt bestätigte, steigen die Depotgebühren zum 1. Januar 2018 von 0,15 Prozent des gesamten Depotvolumens auf 0,195 Prozent. Liegen also Aktien und Anleihen im Wert von 50.000 Euro im Depot, dann werden für dieses Jahr noch 75 Euro fällig. 2018 sind es dann 97,50. Eine Preisteigerung von 30 Prozent. Bei einem Depot von 150.000 Euro steigen die Kosten von 225 Euro auf 292,50 Euro.

Bisher mussten die Kunden zudem für Investmentfonds der Fondsgesellschaft Deka, die den Sparkassen gehört, keine Depotgebühren bezahlen. Dieser Vorteil entfällt. „Es erfolgt eine Gleichstellung aller Verwahrkosten“, sagt Haspa-Sprecherin Stefanie von Carlsburg. Für Kunden, die solche Fonds haben, fällt die Erhöhung noch deutlicher aus. Wenn man annimmt, dass in einem Depot mit 50.000 Euro 10.000 Euro davon auf Deka-Fonds entfallen, so steigt der Jahrespreis von 60 Euro auf 97,50 Euro, also um 62 Prozent.

Transaktionskosten je Order sinken

Depots ohne Wertpapiere waren bisher kostenfrei. Ab 2018 werden 10 Euro fällig. Im Gegenzug entfallen die Mindest- und Höchstpreise je Posten, also ein Preis für ganz bestimmte Wertpapiere, etwa 20 Siemens-Aktien. Gleichzeitig kündigte die Haspa an, den Aktienkauf billiger zu machen. Die Transaktionskosten je Order sinken im nächsten Jahr von 1,00 auf 0,75 Prozent. Zusätzlich wird es ein Aktiv-Depot geben, dessen Gebühren 1,25 Prozent des Depotwerts pro Jahr betragen. Dafür entfallen dann die Transaktionskosten bei Kauf und Verkauf von Aktien.

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Damit soll das Interesse für Aktienkäufe gestärkt werden. „Denn gerade in der Niedrigzinsphase sind Fondssparen und Aktienanlage wichtige Säulen der Geldanlage“, sagt von Carlsburg. „Im Gegensatz zu anderen Banken bieten wir allen Hamburgern weiterhin in jeder Filiale eine individuelle Wertpapierberatung an.“ Kunden, die häufiger Aktien kaufen und verkaufen, würden mit dem neuen Preismodell entlastet, rechnet die größte deutsche Sparkasse vor.

Gestiegene gesetzlichen Anforderungen

„Wenn man Depotverwahrung und Aktientransaktionen zusammen betrachtet, können die Kunden sparen“, sagt von Carlsburg. So rechnet die Haspa vor: Wer bei einem Depotbestand von 50.000 Euro im Jahr vier Aktienorders von 5000 Euro tätigt, spart 27,50 Euro im Jahr gegenüber einem inaktiven Kunden, der sein Depot nicht verändert. Die Rechnung setzt allerdings voraus, dass sich der Gesamtwert des Depots von 50.000 nicht verändert, was unrealistisch ist. Die Erhöhung der Depotgebühren begründet die Haspa mit gestiegenen gesetzlichen Anforderungen und den damit verbundenen höheren Kosten in der Wertpapierberatung. „Es ist die erste Erhöhung bei den Depotkosten seit mehr als zehn Jahren“, sagt von Carlsburg.

Bankberatung ändert sich

Tatsächlich ändert sich ab 2018 die Bankberatung. Die Institute müssen die Regeln der sogenannten Mifid-II-Richtlinie aus Brüssel einhalten. „Telefongespräche müssen aufgezeichnet und bis zu sieben Jahre gespeichert werden, sobald es um Beratung zu Wertpapieren geht“, sagt Stefan Marotzke vom Deutschen Sparkassen- und Giroverband. Außerdem müssen die Geldinstitute für mehr Kostentransparenz bei Wertpapieren sorgen. Es müssen dem Kunden die Gesamtkosten bei einer Haltedauer von fünf Jahren vorgerechnet werden. Die Depotgebühren gehören mit dazu. All das verursacht zusätzliche Kosten. „Die Preiserhöhung bei der Haspa ist kräftig, aber sie passt in das Bild der Banken“, sagt Kerstin Becker-Eiselen von der Verbraucherzentrale Hamburg. „Die Banken erhöhen wegen ihrer schlechten Ertragslage die Gebühren, wo immer es geht.“