Statistik

Viele Polizisten in Hamburg haben einen Zweitjob

Joachim Lenders ist Landesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft in Hamburg

Joachim Lenders ist Landesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft in Hamburg

Foto: André Zand-Vakili

Polizeigewerkschaft erklärt das Phänomen mit hohen Lebenshaltungskosten. Auch in Schleswig-Holstein arbeiten viele Beamte nebenbei.

Hamburg/Kiel. Etwa jeder fünfte der mehr als 7800 Hamburger Polizeibeamten geht nach Dienstschluss noch einer anderen Beschäftigung nach. Sie arbeiten im Dienstleistungsbereich, in gewerblichen Unternehmen oder ehrenamtlich etwa als Sporttrainer. So gibt der Senat die Zahl der Beamten mit Nebentätigkeit mit knapp 1500 an. Im Vorjahr waren es sogar 1660. Aktuellere Zahlen sind nicht verfügbar, wie Innenbehörde und Polizei mitteilten. Das Spektrum der Berufe ist sehr breit: Neben den üblichen Bürotätigkeiten gibt es Polizisten, die nebenbei als Arzt, Dozent, Dolmetscher, Makler, Hausmeister, Künstler oder Schriftsteller arbeiten. Die Beamten mit Zweitjob gehören meist zum unteren oder mittleren Dienst.

Der Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Joachim Lenders, erklärte die vielen Zweitbeschäftigungen mit den hohen Lebenshaltungskosten in Hamburg. „Das ist ganz ausgeprägt im mittleren Dienst.“ Junge Polizeimeister und -obermeister stünden beim Gehalt ganz unten. Wenn sie Familien gründeten, sei das Geld oft knapp. Selbst junge Kommissare und Oberkommissare suchten sich aus dem Grund oft eine Nebentätigkeit.

Auch in Schleswig-Holstein haben viele Beamte noch einen anderen Job

Die Zahl der Polizisten mit Zweitjob schwanke. Den leichten Rückgang in den vergangenen Jahren erklärte Lenders mit der veränderten Altersstruktur der Polizei. Ältere Kollegen seien „aus dem Gröbsten raus“, wenn sie einen höheren Dienstgrad erreicht hätten. Der Polizeigewerkschafter betonte zugleich, dass die ehrenamtlich tätigen Kollegen nur eine Aufwandsentschädigung für ihr Engagement erhielten.

Auch in Schleswig-Holstein ist das Phänomen Zweitjob bei Polizisten offenbar stark verbreitet: Mehr als jeder siebte von ihnen übt eine Nebentätigkeit aus: Nach Angaben des Landespolizeiamtes trifft dies auf rund 1200 der etwa 7900 Beamten zu. Die Palette reicht von Minijobs zur Gehaltsaufbesserung über Ehrenämter als Gemeindevertreter, Schöffen, Feuerwehrleute und THW-Helfer bis hin zu Trainerposten im Sport. Auch Lehrtätigkeiten an der Fachhochschule für Verwaltung und Dienstleistung‎ in Altenholz bei Kiel oder an der Wasserschutzpolizei-Schule in Hamburg gehören dazu.