Eidelstedt

Wie viele Neubauten verträgt ein Stadtteil?

Eines der
Hochhäuser,
neben denen
weitere Gebäude
entstehen könnten

Eines der Hochhäuser, neben denen weitere Gebäude entstehen könnten

Foto: Andreas Laible / HA

400 weitere Wohnungen sind in einem Eidelstedter Viertel möglich. Wettbewerb gestartet. CDU fordert Bebauungsplan.

Hamburg.  Das Eisenbahnerviertel in Eidelstedt ist ein beschaulicher Ort. Die Mehrfamilienhäuser, gebaut in den 60er- und 70er-Jahren, sind eingebettet in großzügige Grünanlagen mit Spielplätzen. Die Autos können in den Garagenhöfen abgestellt werden, am Rand liegt ein mehrere Tausend Qua­dratmeter großes Grundstück, das noch als Bauhof genutzt wird.

Vor dem Waschhaus am Edelweißweg steht Siegfried Berg von Deutschlands größtem Wohnungsunternehmen Vonovia und schaut auf eines der achtgeschossigen von Grün umgebenen Hochhäuser: „Unser Ziel ist es, dass Viertel zu beleben und fit für die Zukunft zu machen. Deshalb wollen wir unseren Bestand von rund 600 Wohnungen im Eisenbahnerviertel durch eine Nachverdichtung ergänzen.“

Bezirk habe Zustimmung signalisiert

Der Immobilienökonom ist Stadtplaner bei der Vonovia, die in Deutschland rund 411.000 Wohnungen besitzt, davon mehr als 10.000 in Hamburg. Wenn es nach der Vonovia geht, könnten bald noch 250 bis 300 neue Wohnungen im Eisenbahnerviertel dazukommen. Der Bezirk Eimsbüttel habe hier Zustimmung signalisiert. Der Bezirk sieht sogar 400 Wohnungen als „theoretische Betrachtungsgröße“ an, so ein Sprecher.

Die Wohnungen sollen zwischen den bestehenden Häusern entstehen: Auf Grünflächen, dort, wo die Garagen stehen, oder eben auf dem Bauhof. Auch das Waschhaus könnte abgerissen werden oder eine Ladenzeile. Aber noch gebe es keine konkreten Planungen, sagte Berg. Deshalb wurde jetzt auf Wunsch des Bezirks ein „freiraumplanerischer und städtebaulicher Wettbewerb“ gestartet – zu dem Vonovia fünf Planungsbüros eingeladen hat. Die Ergebnisse sollen Anfang 2018 vorliegen.

„Das ist für uns die Grundlage für weitere Planungen in enger Abstimmung mit den Mietern, der Politik und dem Bezirk“, sagte Berg. Ein Baubeginn sei für 2019 denkbar. Mit dem Bauderzernenten im Bezirk habe es bereits mehrere Gesprächsrunden gegeben, sagte Stefan Schneeweiß, Regionalleiter von Vonovia in Hamburg. Das Verfahren könnte beschleunigt werden, wenn kein neuer Bebauungsplan für das Quartier aufgelegt werden müsste: „Die Gespräche mit den Vertretern des Bezirksamts haben ergeben, dass hier der Paragraf 34 Anwendung finden könnte.

Das heißt, wenn im Planungsprozess die Lage und Größenordnung eines Gebäudes sich als geeignet erweist und die Erschließung gesichert ist, prüft die Baubehörde, ob sich das Bauvorhaben in die nähere Umgebung einfügt“, sagte Schneeweiß. Das Bezirksamt lässt offen, ob es einen neuen Bebauungsplan geben wird: „Für die im Rahmen des städtebaulich-freiraumplanerischen Wettbewerbsverfahrens betrachteten Flächen bestehen unterschiedliche bauplanungsrechtliche Situationen und Beurteilungsgrund­lagen“, sagte ein Sprecher. Vor diesem Hintergrund sei die Entscheidung über die Notwendigkeit der Schaffung neuen Planungsrechts unmittelbar abhängig von den Ergebnissen des Wettbewerbsverfahrens beziehungsweise den darauf aufbauenden Plänen der Eigentümerin.

Einige Anwohner machen sich Sorgen

Die CDU-Fraktion hat einen Antrag in die Bezirksversammlung Eimsbüttel eingebracht, in dem die Aufstellung eines Bebauungsplans für das Eisenbahnerviertel gefordert wird. Darüber soll demnächst abgestimmt werden.

Einen Bebauungsplan sieht auch der Eidelstedter CDU-Bürgerschaftsabgeordnete Philipp Heißner als notwendig an und kritisiert: „Schon jetzt ist der Stadtteil mit Neubauvorhaben und zwei Großunterkünften für Flüchtlinge stark belastet. Die Eisenbahnersiedlung gewinnt vielleicht keine Architekturwettbewerbe, ist aber dank der vielen Grünflächen sehr lebenswert.“ Wenn dort eine Nachverdichtung mit bis zu 400 Wohnungen realisiert würde, dann wären soziale Probleme programmiert.

Wohnungsunternehmen setzt auf Transparenz

Auch bei den Vonovia-Mietern soll es Vorbehalte geben. Wohl auch deshalb setzt das Wohnungsunternehmen auf Transparenz: „Wir binden die Mieter von Anfang an mit ein und wollen mit ihnen gemeinsam Ideen entwickeln“, sagte Schneeweiß. „Frische Ideen für ihre Siedlung“ steht auf einer Broschüre. In dieser konnten die Anwohner ihre Anregungen notieren.

Es gab auch schon einen Workshop mit rund 120 Teilnehmern. „Es ist völlig normal, dass einige Mieter skeptisch sind und Sorge vor Veränderungen in ihrem Umfeld haben“, sagt Berg. Der Stadtplaner nennt Beispiele: „Wo sollen die Autos künftig abgestellt werden, oder werden wir durch Kinderlärm gestört, wenn hier viele neue Familien hinziehen.“ Denn die Vonovia sieht Bedarf vor allem für Wohnungen mit vier oder mehr Zimmern für Familien und kleinere, altersgerechte Wohnungen.