Hamburg

Eimsbüttel bekommt Tausende Wohnungen und das beste Hotel

Kay Gätgens, Bezirksamt Eimsbüttel

Kay Gätgens, Bezirksamt Eimsbüttel

Foto: Klaus Bodig / HA

Abendblatt-Serie: Was sich 2017 in den Bezirken ändert. Teil 1: Wo in Eimsbüttel gebaut wird - und wo die Parkplatznot noch zunimmt.

Hamburg.  Zentrale Themen im Bezirk Eimsbüttel sind 2017 Straßen- und Wohnungsbauprojekte. Zudem soll das neue Jahr im Nordwesten der Stadt vom zu entwerfenden Leitbild „Eimsbüttel 2040“ und modernen Mobilitätsangeboten geprägt werden.

1. Neues Mobilitätskonzept

Beim Pilotprojekt „Firstmover“ soll noch in diesem Jahr ein Standort für Carsharing-Stellplätze mit Elektroautos im Quartier rund um die Osterstraße gefunden werden. Im ersten Schritt wurden Anwohner interviewt, 2017 wird entschieden, welche Leihstation für die Nachbarschaft sinnvoll ist. Grundsätzlich soll Anwohnern der Verzicht auf ein eigenes Autos erleichtert werden, um den Parkdruck zu mindern. Mobilitätsgewohnheiten befragt. Wo genau die Stellflächen etwa zehn herkömmlich Parkplätze ersetzen, entscheidet sich im Früjahr. Umgesetzt wird das Projekt von Bezirk, Verkehrsbehörde und BMW.

2. Umbau Ostertraße

Die sieben Millionen Euro teure Neugestaltung der Eimsbütteler Haupteinkaufsstraße biegt in diesem Jahr auf die Zielgerade. Die letzten zwei Bauabschnitte bis zur Methfesselstraße und zum Schulweg sollen vollendet werden. Unter anderem ist ein Kreisel an der Methfesselstraße geplant. Die einen Kilometer lange Osterstraße hat dann eine umfassende Metamorphose hinter sich: mehr Grün, mehr Platz für Fußgänger, Sprunginseln in der Fahrbahnmitte, Radfahrstreifen und Abstellplätze sowie – zum Leidweisen mancher Anwohner – mit nur noch der Hälfte der Autoparkplätze. Möglicherweise wird 2017 sogar ein weiterer Baubschnitt vom Heußweg bis zur Einmündung des Stellinger Wegs planerisch dazukommen.

3.Universitätsentwicklung

Der mehrjährige Umbau des Campus Bundesstraße wird weiter vorangetrieben. Der Neubau am Geomatikum an der Ecke Bundesstraße/Beim Schlump wächst bereits zusehends. Das Haus mit 22.000 Quadratmetern Nutzfläche soll später unter anderem die Geowissenschaften und die Klimaforschung beherbergen. Letzte Kostenschätzung: 177 Millionen Euro. Der gesamte Campus Bundesstraße wird indes wachsen und zum zentralen Quartier für die Naturwissenschaften ausgebaut, auch das wiedereröffnete, renovierte Zoologische Museum ist noch Bestandteil dessen. In diesem Jahr soll auch das städtbauliche Verfahren für die Uni-Bauten am Von-Melle-Park beginnen, der Bau des neuen Uni-Gästehauses mit 65 Appartments in acht Stockwerken an der Feldbrunnenstraße startet ebenfalls.

4. Ausbau Radverkehr

Bis zum Jahr 2020 sollen die Velorouten 2 (Eidelstedt – Innenstadt) und 3 (Niendorf – City) in Eimsbüttel vervollständigt sein. In diesem Jahr wird mit dem Ausbau der Veloroute 2 am Weidenstieg und der Tornquiststraße begonnen, Högenstraße, Wördemannsweg und Reichsbahnstraße sollen folgen. Danach wird an der Route 3 auf der Stresemannallee zwischen Eidelstedter Weg und Grandweg begonnen.

5. Sportplätze

In diesem Jahr fertig werden die neuen Kunstrasenplätze am Furtweg in Eidelstedt, an der Gustav-Falke Straße in Harvestehude und an der Vogt-Kölln-Straße in Stellingen. Hinzu kommen neue Projekte an den Anlagen des Niendorfer TSV am Bondenwald und am Sachsenweg. Auch auf die künftige Entwicklung des Sportparks Eimsbüttel an der Hagenbeckestraße wird besonderes Augenmerk gelegt.

6.Grünzug Isebek

Nach jahrelangem Hin und Her wird nun vom Weidenstieg Richtung Bundesstraße mit Modernisierungsarbeiten entlang des Isebekkananals begonnen. Ein Runder Tisch hatte mit der Bezirkspolitik ein Nutzungs- und Entwicklungskonzept für den Grünzug erarbeitet. Vor allem sollen Fuß- und Radwege instand gesetzt werden. Drainagen verhindern künftig, dass der Weg bei Regen überflutet wird. Für die Verlegung werden einige Bäume gefällt werden müssen, im zweiten Teil soll das Kaiser-Friedrich Ufer zwischen Bundesstraße und Hoheluftchaussee saniert werden.

7. Eidelstedt-Zentrum

Mit dem Rahmenprogramm Integrierte Stadtteilentwicklung (RISE) soll das Eidelstedter Zentrum bis zum Jahr 2023 massiv gestärkt werden. Versorgung, Integration und Wohnen sind die Ziele, die in diesem Jahr mit den Bürgern im Detail erarbeitet werden. Vor allem unter Einbeziehung neuer Bauprojekte am Hörgensweg und Duvenacker. Die Ergebnisse sollen in einen Hochbau-Wettbewerb einfließen. Für das gesamte Projekt stehen zusätzliche finanzielle und personelle Möglichkeiten zur Verfügung. Der Entwicklungsplan beinhaltet auch das Eidelstedter Bürgerhaus, für dessen Neuorientierung Bundesmittel gewonnen werden konnten.

8.Bürgergutachten Lokstedt

Nein, gläsern sollen Lokstedts Einwohner nicht werden. Aber etwas mehr erfahren will der Bezirk über Wünsche, Sehnsüchte und Ziele der Bürger schon. Unter dem Titel „Lokstedt im Wandel“ sollen zufällig ausgewählte Einwohner in der sogenannten Urbanisierungszone in Workshops ud öffentlichen Veranstaltungen Auskunft über die Perspektive des Stadtteils geben – vor allem vor dem Hintergrund der vielen Wohnungsbauprojekte. Ergänzend wird der Statdteil an der „Climate Smart City Strategie“ teilnehmen, in der das Verbraucherverhalten im Hinblick auf den Umweltschutz analysiert wird. Alles in allem ist also eine kleine Typologie des Lokstedters geplant, damit alle wissen, worauf es in Zuklunft ankommt.

9. Wohnungsbau

Am Duvenacker entstehen 105 Wohnungen, zunächst für Flüchtlinge, später mit Nutzungsperspektive für andere Menschen. Am Hörgensweg werden in den kommenden Jahren insgesamt 800 Wohnungen gebaut, vorerst ebenfalls für Flüchtlinge. Später soll das Konzept mit großzügigen Freiflächen für alle Zielgruppen geöffnet werden. An der Süderfeldstraße, auf dem Gelände eines ehemaligen Tiefbauunternehmens, sind insgesamt 400 Wohnungen nebst Kita und Quartierspark geplant. Frei finanzierte, öffentliche und Studentenwohnungen sollen dort entstehen, 123 Baugenehmigungen wurden bereits erteilt.

10. Mitte Stellingen

Mit der Fertigstellung der neuen Kunstrasenplätze an der Vogt-Kölln-Straße (und dem Umzug des TSV Stellingen und West-Eimsbüttel) schreitet auch die Planung für 650 Wohnungen auf der heutigen Stellinger Kampfbahn am Sportplatzring voran. Ob 2017 mit dem Bau begonnen werden kann, ist noch ungewiss. Die Genehmigungsreife für die ersten Gebäude soll aber 2017 erlangt werden. Die Hälfte der Wohnungen wird in geförderter Struktur gebaut, Bauherr dabei ist die Saga. Auf der Kampfbahn soll ein Wohngebiet aus geförderten und Eigentumswohnungen entstehen: 400 Wohnungen im südlichen, 200 im nördlichen Bereich.

11.Soziale Erhaltungsverordnung

Mieter im Eimsbütteler Kerngebiet, in Hoheluft-West und Stellingen-Süd dürfen sich in diesem Jahr über mehr Schutz freuen. Bezirk und Senat wollen die Soziale Erhaltungsverordnung für diese Teile Eimsbüttels erlassen. Luxussanierungen und damit verbundene Mietsteigerungen sind dann in besonderer Form genehmigungspflichtig. Ziel der Verordnung ist, die etwa 36.000 Einwohner besser vor Verdrängungs- und Gentrifizierungstendenzen zu bewahren.

12. Autobahndeckel A7

Das Großprojekt Autobahndeckel wird sich durch die kommenden Jahre ziehen. Mit dem Tunnelbau und seiner Dachnutzung soll der Riss gekittet werden, den die Autobahn durch Schnelsen und Stellingen zieht. Momentan sind in Schnelsen die westliche und östliche Röhre im Bau, der Entwurf für die überirdischen Park- und Kleingartenanlage auf dem Autobahndeckel steht auch schon fest. Demnach entstehen 1,4 Hektar Park und ebenso viel Kleingartenfläche mit 42 Parzellen. Im Jahr 2017 geht es zunächst um die konkrete Ausführungsplanung. Erste Arbeiten auf dem Schnelsener Deckel werden 2018 erwartet. Auch am 900 Meter langen Tunnelstück in Stellingen haben die Arbeiten begonnen. Nach Abschluss der Vorbereitung soll 2017 mit der östlichen Röhre begonnen werden. In stellingen sind auf dem Deckeldach 3,8 Hektar Park und 1,6 Hektar Kleingärten geplant. Exakte Entwürfe sollen in diesem Jahr erarbeitet werden, vor dem Jahr 2020 wird der Landschaftspark aber nicht fertig.

13. Flüchtlingsunterkünfte

Von den acht Erstaufnahmen und fünf Folgeunterkünften mit insgesamt bis zu 6000 Menschen im Bezirk sollen im neuen Jahr drei Erstaufnahmen sowie eine Folgeunterkunft geschlossen werden. Dafür ist geplant, sechs weitere Folgeunterkunfte zu eröffnen, und zwar in Lokstedt (Hagendeel) Eidelstedt (Hörgensweg/Duvenacker) und Stellingen (Große Bahnstraße). Insgesamt sollen damit rund 1500 Plätze hinzukommen. Für das Jahr 2018 ist zudem ein Bau für 350 Menschen an der Kieler Straße/Brunckhorstweg vorgesehen. Aktuell beteiligen sich mehrerer Hundert Eimbütteler ehrenamtlich an der Integrationsarbeit.

14. The Fontaney (Fontenay 10) 

Im Juni soll es dann doch soweit sein. Mit „The Fontenay“ eröffnet laut Eigenwerbung das „beste Hotel Deutschlands“ an der Außenalster. Das Fünf-Sterne-Haus soll Bauherr Klaus-Michael-Kühne weit mehr als 100 Millionen Euro gekostet haben. 131 Zimmer stehen vom Sommer an gutbetuchten Gästen in der neuen Nobelherberge zur Verfügung. Die Preise reichen von 350 Euro bis 9000 Euro pro Nacht. Kleiner Trost: Die Nutzung der öffentlichen, 7000 Quadratmeter großen Grünanlage soll kostenlos sein.

15. Klosterstern

Nach der Ruhepause im Winter wird der Umbau des zentralen Kreisverkehrs am Klosterstern in Harvestehude wieder aufgenommen. Der bislang zweispurige Fahrbahnring soll nur noch einspurig um die Grünfläche im Innern führen, der Radweg dafür auf die Fahrbahn verlegt werden – auf ein drei Zentimeter erhöhtes, zwei Meter breites Spurniveau. Die Zahl der Parkplätze im Innern des Kreisverkehrs sinkt von 90 auf 37 . Das Finale ist in Sicht: Im November 2017 sollen die umfangreichen Straßenbauarbeiten abgeschlossen werden.

Das neue räumliche Leitbild des Bezirks setzt auch auf die Beteiligung der Bürger. Alle Eimsbütteler können im Internet mitmachen unter:

www.eimsbuettel2040.de