Reformationstag

Brückentag statt Unterricht an Hamburger Schulen

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Edgar S. Hasse
Bischöfin Kirsten Fehrs und Schulsenator Ties Rabe (SPD) bei einer Diskussion in einem Hamburger Gymnasium

Bischöfin Kirsten Fehrs und Schulsenator Ties Rabe (SPD) bei einer Diskussion in einem Hamburger Gymnasium

Foto: dpa Picture-Alliance / Axel Heimken / picture alliance / dpa

Vielfach ist der 30. Oktober vor dem Reformationstag frei, es gibt aber auch Projekte mit religiösem Inhalt.

Hamburg.  Martin Luther und das Reformationsjubiläum machen es möglich: Am 31. Oktober ist deutschlandweit in diesem Jahr Feiertag. Weil der Reformationstag 2017 auf einen Dienstag fällt und am Wochenende zuvor die Herbstferien zu Ende gehen, nutzen zahlreiche Hamburger den Montag als Brückentag.

Etliche Hamburger Schulen wollen deshalb ihre Schüler und Lehrer Montag vor dem Reformationsfest zu Hause lassen. Auf Abendblatt-Anfrage weist die Schulbehörde darauf hin: „Grundsätzlich gilt, dass der 30. Oktober kein Brückentag, also kein unterrichtsfreier Tag ist“, sagt Behördensprecher Peter Al­brecht. An den „allermeisten Schulen“ finde daher ganz normaler Unterricht statt. Es könne aber ein Projekttag veranstaltet werden.

Projekttag empfohlen

Bereits im August hatte die Schulbehörde auf die „Gestaltung des Unterrichts am Vortag des Reformationsjubiläums“ in einem Rundschreiben an alle Schulleitungen der staatlichen Hamburger allgemeinbildenden Schulen hingewiesen. Darin heißt es, dass Montag, 30. Oktober, ein „regulärer Schultag“ sei. Zugleich schließe er aber unmittelbar an das Ende der Herbstferien an. Deshalb biete sich der zwischen „Ferien und Feiertag“ liegende Tag in besonderer Weise an, den Reformationstag zu gestalten. Empfohlen wird daher ein Projekttag, um die Bedeutung der Reformation im Unterricht zu erarbeiten.

Behördensprecher Albrecht sagt, etliche Schulen hätten schon vor Längerem für den 30. Oktober einen „Pädagogischen Jahrestag“ geplant. Zwar findet kein regulärer Unterricht statt, und es müsse keine Notfallbetreuung angeboten werden, die Schulkollegien können aber grundsätzlich einmal pro Schuljahr einen Tag zur intensiven Beschäftigung mit einem pädagogisch relevanten Thema nutzen. Wie eben im Vorfeld des Reformationstages. Zu den Schulen, die einen Projekttag veranstalten, zählt die Schule auf der Uhlenhorst. „Wir widmen ihn in diesem Jahr in Kooperation mit der Heilandskirche der Reformation“, sagt Schulleiter Gerd Basler. Im Übrigen sei die Reformation Bestandteil des Fach-Curriculums Religion.

Matheklausur statt frei

Das Gymnasium Grootmoor hat indes am 30. Oktober geschlossen und veranstaltet intern eine „Ganztagskonferenz“. Auch das Niendorfer Gym­nasium Ohmoor lässt die Schüler zu Hause. Besonders streng geht das Wilhelm-Gymnasium vor – es gibt nicht unterrichtsfrei, die Oberstufe muss sogar an dem Tag eine Matheklausur schreiben.

„Wir werden am 30. Oktober Unterricht nach Plan machen“, sagt derweil die Schulleiterin Birgit Singh-Heinike von der Stadtteilschule am Hafen. Die Reformation werde im Unterricht behandelt.

Die evangelische Wichernschule in Hamburg gibt Lehrern und Schüler am 30. Oktober einen Brückentag, und alle haben frei. Wie ein Schulsprecher sagte, habe Norddeutschlands größte evangelische Privatschule das Reformations­jubiläum umfassend und vielfältig behandelt. Bereits zu Beginn des Schuljahres sei das Luther-Zitat „Hier stehe ich, ich kann nicht anders. Gott helfe mir. Amen!“ behandelt worden. Dieses Wort habe die Schüler durch das ganze Schuljahr begleitet. Für die Wichernschule ist das Jubiläum mit dem 31. Oktober aber noch nicht beendet. Gymnasium und Stadtteilschule gestalten am 1. November ihren Projekttag gemeinsam.

In der Schulkapelle entsteht eine zum Teil interaktive Ausstellung. Die Schüler haben sich dafür auf die Spuren der Reformatoren in Hamburg begeben, Hörspiele produziert und kleine Filme gedreht. Und sogar Lutherkekse gebacken. Die Grundschule beginnt ihren Projekttag am 2. November mit einem Gottesdienst in der Dreifaltigkeitskirche.

Kinobesuch und Diskussion

Die katholischen Schulen gestalten den 30. Oktober derweil unterschiedlich. „An einigen Standorten ist unterrichtsfrei, an anderen wird unterrichtet“, sagt Christoph Schommer, Sprecher Schule und Hochschule im Erzbistum Hamburg.

Die Sophie-Barat-Schule organisiert am 30. Oktober zum Luther-Jubiläum einen zweistündigen Unterrichtsblock zum Thema Reformation. Das Referat Religionspädagogik hatte bereits im Juli eine Fortbildungsveranstaltung für Lehrkräfte angeboten.

Am 2. November wird die katholische Domschule St. Marien einen Projekttag unter dem Motto „Luther, Leben, Denken, Wirken“ veranstalten. Dazu gehören ein Kinobesuch und die Diskussion über die Reformation in Hamburg, die der Luther-Vertraute Johannes Bugenhagen in der Hansestadt umgesetzt hatte.

Für die staatlichen Schulen gab das Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung Materialempfehlungen für Bücher, Filme und andere Medien heraus.

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