St. Georg

Besuch auf der einzigen natürlichen Alsterinsel

Die Gurlitt-Insel mit dem Hamburger Segel Club

Die Gurlitt-Insel mit dem Hamburger Segel Club

Serie über Hamburgs Eilande, letzter Teil: die Gurlitt-Insel. Früher trafen sich hier die „Swing-Kids“, heute Segler.

Hamburg.  18 Schritte – und schon ist man auf der Insel. Wo der Straßenverkehr an den Luxusherbergen Le Méridien und Atlantic vorbeirauscht, liegt versteckt im Weidengrün mitten in der Hamburger City ein Paradies für Wassersportler. „Die meisten wissen gar nicht, dass es eine Insel ist“, sagt Karl Köhler, Chef der Segelschule Käpt’n Prüsse, über seinen Arbeitsplatz, an dem häufig eine frische Brise weht.

Eine kleine Brücke führt von der Straße An der Alster über einen knapp drei Meter breiten Alstergraben direkt zur Gurlitt-Insel. Rechts wächst eine Eiche, links ein großer Ahornbaum. Die Wege sind gepflastert, bis ein System aus Bootsstegen das Areal der 120 Meter langen und 60 Meter breiten Insel vergrößert. Im Wasser schwimmen Jollen und zwei Boote der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG), während Touristen im Café den Alsterblick genießen.

Fest in der Hand der Segler und Ruderer

Die einzige natürliche Alsterinsel ist fest in der Hand der Segler und Ruderer. Hier haben die Segelschule Prüsse, der Hamburger Segel-Club (HSC) und Ruder-Club Allemannia von 1866 ihren Sitz. Sybs Bauer, Vorstand beim Segel-Club, schwärmt über die exzellente Lage: „Mit dem Überschreiten der Brücke beginnt eine eigene Welt, die bei uns ausschließlich dem Segeln gewidmet ist.“ Gurlitt biete „Inselflair und Segelspaß“. Die Insel sei ein idealer Ort für Veranstaltungen und den Sonnenuntergang mit geradezu karibischem Flair, fügt sie hinzu.

Namensgeber Johannes Gurlitt

Der Name erinnert – wie die benachbarte Gurlittstraße – an den Pädagogen und Aufklärer Johannes Gurlitt (1754–1827). Erst lehrte der gebürtige Hallenser im Kloster Berge bei Magdeburg, bis er 1802 zum Rektor an das Johanneum nach Hamburg berufen wurde. Der Humanist reformierte die älteste höhere Bildungseinrichtung der Stadt, verknüpfte Sach- und Sprachunterricht und führte Fach- und Leistungsklassen ein. Mit der Insel und der Straße wird sein Name ebenso in Erinnerung gehalten wie mit der Inschrift auf seinem Grabkreuz: Restitutor Johannei (Erneuerer des Johanneums).

„Entartete Musik“

Unter den Weiden der Gurlitt-Insel traf sich während der Zeit des Nationalsozialismus die Swing-Jugend. Die „Swing-Kids“ liebten diese amerikanische Musik, flanierten auch bei Sonnenschein mit eleganten Regenschirmen an der Alster entlang und tanzten vor allem politisch aus der Reihe: Statt „Heil Hitler!“ begrüßten sie sich auf der Gurlitt-Insel und im Curio-Haus mit dem „Swing Heil!“ Es dauerte nicht lange, bis die Gestapo die Anhänger verfolgte und einige von ihnen ins Konzentrations­lager brachte. Was sich da nächtens auf der Gurlitt-Insel abspielte, war für die NS-Diktatur „entartete Musik“.

Bald darauf prangte in schwarzen Lettern vor der Gurlitt-Insel ein Schild der NS-Reichskulturkammer: „Swing tanzen verboten“.

Flakinsel nebenan

1942 ließen die Nazis rund 300 Meter von der Gurlitt-Insel entfernt auf Holzpfählen ein künstliches Eiland anlegen. Es sollte als Flakinsel einen Beitrag zur Verteidigung vor den anglo-amerikanischen Luftangriffen leisten. Im „Feuersturm“ wurde das zweistöckige Haus der Segel-Clubs auf der Gurlitt-Insel zerstört; von der Flakinsel ist nach der Demontage im Juni 1946 nichts mehr übrig geblieben.

„Heute“, sagt Sybs Bauer vom HSC-Vorstand, „ist die Lage der Gurlitt-Insel bei Mitgliedern und Gästen beliebt.“ Sie sei der „Heimathafen des HSC“. Der Alsterhafen umfasst 240 Bootsliegeplätze. Ausruhen können sich die Wassersportler dann auf der Sonnenterrasse mit Gastronomie und tollem Blick bei Käpt’n Prüsse.

Känguru-Regatta

Jeden Mittwoch prägt die beliebte Känguru-Regatta das Alsterbild vor der Gurlitt-Insel. Dabei gehen regelmäßig nach Feierabend bis zu 85 Boote und rund 200 Segler an den Start. Die Idee zu dieser Regatta-Serie brachte ein HSC-Mitglied aus Australien mit – daher der exotische Name. Sie ist für alle Einrumpf-Bootsklassen offen. Sybs Bauer: „So gibt es einen fließenden Übergang von unserer schönen Gurlitt-Insel direkt ins Boot.“