"Parking Day" in Hamburg

Radfahrer besetzen Parkplätze in Ottensen und Eimsbüttel

So kann der Parking Day aussehen: Ein Parkplatz wird als Sitzgelegenheit mit Café umdekoriert. Dazu gab es, wie hier in Berlin (Symbolbild)

So kann der Parking Day aussehen: Ein Parkplatz wird als Sitzgelegenheit mit Café umdekoriert. Dazu gab es, wie hier in Berlin (Symbolbild)

Foto: Britta Pedersen / dpa

Der Hamburger Fahrradclub ruft am "Parking Day" zum zivilen Ungehorsam auf. Stellflächen für Autos sollen umgewidmet werden.

Hamburg. Wo sonst Fahrzeugblech regiert, bauen sie Liegestühle auf, verlegen Rollrasen oder Kickern. Parkplätze und Straßen werden am sogenannten "Parking Day" kreativ umgenutzt. An diesem Freitag ruft der Hamburger Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) in Ottensen und Eimsbüttel zur Beteiligung an dieser Form des zivilen Ungehorsams auf. Auch St. Pauli macht bei der Aktion mit. Aus Parkplätzen sollen Parks für alle werden. Der Autofahrerfrust scheint programmiert.

Umgestaltung mit Kissen und Blumen

Konkret gestalten die Radfahrer von 15 Uhr am Eppendorfer Weg und an der Ottenser Hauptstraße um, machen die Parkplätze zu Grünanlagen, Spielgelegenheiten, Straßencafés oder Fahrradparkplätzen. Nach eigenen Angaben findet die Veranstaltung am Eppendorfer Weg aber nur vor der Hausnummer 170 statt – zwischen Kottwitzstraße und Roonstraße. Weltweit machen an diesem Tag Künstler, Aktivisten und Kreative auf die – ihrer Meinung nach – Platzverschwendung durch Autoparkplätze in Städten aufmerksam. Für Stunden wird großflächig umgewidmet.

Schon eine Stunde früher, von 14 Uhr an, greifen die Grünen im Bezirk Mitte die Idee des Parking Day auf. An der nördlichen Wohlwillstraße auf St. Pauli dürfen Sympathisanten vor der Gewerbeschule Sitzgelegenheiten, Picknickdecken, Kissen oder Blumen mitbringen. Auch Gemälde aus Straßenkreide seien erlaubt.

Mehr Raum fürs Rad wird gefordert

„Autofahrzeuge werden 23 Stunden am Tag zu Stehzeugen, die 19-mal so viel Platz wie ein Fahrrad verschwenden“, sagt Stefanie Miczka, verkehrspolitische Referentin des ADFC Hamburg. „Das Rad schafft Platz, das Rad braucht aber auch mehr Platz – und zwar deutlich mehr, als ihm die Stadt Hamburg bislang einräumen will.“ Deswegen fordere die Radlobby: „Mehr Raum fürs Rad“.

Nach ihrer Ansicht würden die Straßen dadurch attraktiver. Denn wer Rad fahre, schone die Umwelt und schaffe Platz für mehr Lebensqualität. Laut einer vom ADFC in Auftrag gegebenen Studie wünsche sich die Hälfte aller Bundesbürger eine andere Aufteilung des öffentlichen Raumes: 87 Prozent wollen mehr Platz für Begegnungen, Rad- und Fußverkehr, 50 Prozent wollen diese Veränderung zulasten des Autoverkehrs.

Kundgebung bei Innenbehörde angemeldet

"Wir sehen das als Bestätigung, dass die Verkehrswende von breiten Bevölkerungsschichten gewollt ist", so Miczka. "Denn nur wenn es gelingt, den größten Teil des Autoverkehrs auf Rad- und Fußverkehr sowie ÖPNV zu verlagern, bleiben Städte lebenswert."

Die für die Parkraumbewirtschaftung zuständige Innenbehörde lässt die Radfahrer an diesem Tag gewähren. "Es ist eine angemeldete Kundgebung", sagt Behördensprecherin Kerstin Graupner. Die Polizei überwache den friedlichen Ablauf der Demonstrationen in Ottensen und Eimsbüttel. "Sie agiert im Interessenausgleich, sofern sich Konflikte vor Ort ergeben sollten", sagt Graupner. Zuletzt gab es bei der Fahrradkundgebung "Critical Mass" eine Auseinandersetzung zwischen Rad- und Autofahrer.

Weltweiter Parking Day seit 2005

Friedlich wurde dagegen schon im vergangenen Jahr beim Park(ing) Day in Hamburg die Bahrenfelder Straße besetzt. International wird der Aktionstag schon seit 2005 begangen, üblicherweise am dritten Freitag im September. Ursprünglich war das Anliegen die Re-Urbanisierung von Innenstädten. Öffentlicher Straßenraum wird modellhaft kurzfristig umgewidmet und als grüne Oase, Pflanzinsel, Sitzfläche oder Fahrradabstellfläche genutzt.