Hamburg

Sturm fordert Todesopfer – 380 Einsätze für die Feuerwehr

Tief "Sebastian" hat in Hamburg gewütet. Passant von Gerüst erschlagen. Rollstuhlfahrer in die Elbe gestürzt. Fischmarkt überflutet.

Hamburg. Der erste große Herbststurm der Saison hat am Mittwoch im Norden mächtig gewütet. In Hamburg forderte das Sturmtief "Sebastian" bereits Todesopfer: Der Passant, der am Mittag von Gerüstteilen eines Hotelneubaus an der Willy-Brandt-Straße getroffen wurde, ist im Krankenhaus verstorben, ein Rollstuhlfahrer stürzte am Anleger Blankenese in die Elbe und konnte nur noch tot geborgen werden.

In Wyk auf Föhr wurde eine 70 Jahre alte Fußgängerin von einem umstürzenden Baum getroffen und schwer verletzt. Glück im Unglück hatte ein Mitarbeiter der Nikolaikirche in Kiel. Ein Ziegel fiel nach Angaben der Gemeinde vom Dach der Kirche auf sein Auto und zerschlug das Glasdach. Der Mitarbeiter hatte den Wagen kurz zuvor verlassen.

Nah-, Fern- und Schiffsverkehr beeinträchtigt

Weil immer wieder Bäume auf Oberleitungen und Gleise gefallen sind, waren viele Bahnverbindungen im Nah- und Fernverkehr in Norddeutschland verspätet oder sind ganz ausgefallen. Die Rader Hochbrücke über den Nord-Ostsee-Kanal ist nach einem Unfall zweitweise komplett gesperrt worden und damit die Autobahn 7 in beide Richtungen.

Der Sturm hat auch die Fahrpläne der Fähren durcheinander gewirbelt. Die Schiffe zwischen dem Festland und den Inseln und Halligen im Wattenmeer fuhren zum Teil nicht, wie die Wyker Dampfschiffs-Reederei mitteilte. Auch die Hochseeinsel Helgoland war per Schiff nicht erreichbar. Die Fähren von Büsum, Cuxhaven und Bremerhaven fuhren wegen des Wetters nicht, teilte die Reederei Cassen Eils mit. Auch der Hochgeschwindigkeits-Katamaran „Halunder Jet“ stellte die Verbindung von Hamburg nach Helgoland ein.

Feuerwehr musste Pkw in Elbnähe abschleppen

In Hamburg war die Feuerwehr bis Mitternacht mehr als 380 Mal ausgerückt, das Personal in der Einsatzzentrale musste indes aufgestockt werden, um der Ausnahmesituation Herr zu werden. Am Abend hatte der Sturm zwar merklich an Wucht verloren, dafür gab das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrografie (BSH) für 22 Uhr eine Warnung vor einer Sturmflut heraus.

Am Abend stiegen die Pegel an der Elbmündung, in Hamburg und an der Nordfriesischen Küste. Die angekündigte Sturmflut sollte laut BSH zwei Meter höher auflaufen als das mittlere Hochwasser, gegen 22 Uhr waren es wie erwartet 2,24 Meter. Die Feuerwehr musste daher Pkw in Elbnähe abschleppen, die drohten, von der Flut mitgerissen zu werden. Der Fischmarkt auf St. Pauli stand unter Wasser.

Gegen Mitternacht gab der Lagedienst der Feuerwehr Entwarnung: Inzwischen laufe das Wasser wieder ab, weitere Verletzte habe es nicht gegeben. Weiterhin sollen die Menschen aber umsichtig sein, wenn sie draußen unterwegs sind und auf herabstürzende Äste und Dachziegel achten, warnte der DWD.

Die Chronik der Ereignisse:

Lage im Norden entspannt sich langsam

Nach Hunderten Einsätzen wegen des Sturmtiefs „Sebastian“ hat sich am Mittwochabend die Situation in Hamburg und Schleswig-Holstein entspannt. Aus allen vier Regional-Leitstellen hieß es gegen 20.00 Uhr, dass es ruhiger werde. „Es flaut mittlerweile ab“, sagte etwa ein Sprecher der Regional-Leitstelle West. Bis zum Abend verzeichnete die Polizei in den Kreisen Nordfriesland, Schleswig-Flensburg und der Stadt Flensburg 189 sturmbedingte Einsätze, wie die Polizei in Flensburg mitteilte.

Von der Regional-Leitstelle West hieß es, es habe „locker mehr als 230 Einsätze“ gegeben, vor allem an der Nordseeküste in den Kreisen Dithmarschen und Steinburg. Im Bereich der Regional-Leitstelle Süd mit Lübeck und den Kreisen Ostholstein, Lauenburg und Stormarn rückten die Einsatzkräfte bis etwa 20.00 Uhr 168 Mal wegen des Sturms aus. Von der unter anderem für Kiel zuständigen Leitstelle Mitte waren zunächst keine genauen Zahlen zu bekommen.

Alle Polizeisprecher sagten, dass vor allem umgestürzte Bäume und herabgefallene Äste und Ziegel die Einsatzkräfte auf den Plan gerufen hätten.

U1 verkehrt fast wieder normal – S-Bahnen ebenfalls

Die zweite von drei Teilsperrungen auf der U1 ist aufgehoben: Nach Ahrensburg West-Großhansdorf wurde auch der Abschnitt Ochsenzoll-Fuhlsbüttel Nord wieder freigegeben. Weiterhin – und auch noch bis Betriebsschluss – gesperrt ist die Strecke zwischen Ohlstedt und Volksdorf. Ebenfalls wieder frei ist die S-Bahnstrecke zwischen Stade und Buxtehude, wie die S-Bahn gegen 21.10 Uhr mitteilte.

Feuerwehr verzeichnet Hunderte Einsätze

In nur wenigen Stunden ist die Hamburger Feuerwehr zu mehr als 310 Einsätzen wegen "Sebastian" ausgerückt, die beiden tragischsten endeten mit dem Tod derejenigen, die die Beamten eigentlich retten wollte: Ein Passant, der am Mittag von herabgewehten Gerüstteilen getroffen wurde, starb im Krankenhaus, ein Rollstuhlfahrer, der unter ungeklärten Umständen am Fähranleger Blankenese in die Elbe fiel, konnte nur noch tot geborgen werden.

Warnung vor Sturmflut

In den Abendstunden ist in der Elbmündung, in Hamburg und an der Nordfriesischen Küste eine Sturmflut mit Wasserständen zwischen 1,50 und 2 Metern über dem mittleren Hochwasser zu erwarten. Es sei die erste Sturmflut in diesem Herbst, teilte das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) am Mittwoch in Hamburg mit. Der Wind aus Westsüdwest mit einer Stärke von durchschnittlich 9, in Böen 10 Beaufort drücke das Wasser der Nordsee an der ostfriesischen Küste vorbei auf die nordfriesische Küste.

In der Elbmündung bei Cuxhaven werde das Hochwasser voraussichtlich bei 1,50 bis 2 Metern über dem mittleren Hochwasser liegen. Zwischen Büsum und Sylt werden Wasserstände um 2 Meter über dem mittlerem Hochwasser erwartet. Das Abendhochwasser in Hamburg wird nach den bisherigen Prognosen des BSH ebenfalls 2 Meter über dem mittleren Hochwasser liegen. Dies führt zu leichten Überschwemmungen auf dem Hamburger Fischmarkt, die gegen 22 Uhr zu erwarten wären.

Weiter Probleme im Nah- und Fernverkehr

Wie die Hochbahn mitteilt, fällt die U1 auf den Teilstrecken Fuhlsbüttel Nord-Ochsenzoll und Volksdorf-Ohlstedt fahren am frühen Abend keine Bahnen. Die Sperrung zwischen Ahrensburg West und Großhansdorf wurde gegen 19 Uhr aufgehoben. Zwischen Buxtehude und Stade verkehren bis Betriebsschluss keine S-Bahnen. Viele weitere Züge des Nah- und Fernverkehrs sind ebenfalls vom Sturmtief betroffen (siehe unten), unter anderem die Bahnstrecke zwischen Hamburg und Sylt: Nach dem Zug um 18.22 Uhr ab Westerland verkehren keine weiteren Züge. Auch die Bahnstrecken zwischen Hamburg und Cuxhaven und Hamburg und Bremen bleiben voraussichtlich bis Donnerstagmorgen gesperrt.

Bei der Nordbahn fallen ebenfalls auf vielen Linien Züge aus, unter anderem die Verbindungen zwischen Hamburg und Elmshorn.

Rader Hochbrücke nach Sturm-Unfall gesperrt

Die Rader Hochbrücke über den Nord-Ostsee-Kanal ist am Mittwochnachmittag nach einem Unfall komplett gesperrt worden und damit die Autobahn 7 in beide Richtungen. Ein Lastwagen mit Anhänger habe sich aufgrund des Windes quergestellt und ragte in die Gegenfahrbahn, sagte ein Polizeisprecher. Es hätten sich kilometerlange Staus gebildet. Die Umleitung über den je Fahrtrichtung einspurigen Rendsburger Kanaltunnel sei ebenfalls völlig verstopft. Erst nach drei Stunden konnte die Brücke wieder freigegeben werden.

Passant von Gerüstteil erschlagen

Wie die Polizei Hamburg mitteilt, ist der Passant, der am Mittag von herabstürzenden Gerüstteilen getroffen wurde, im Krankenhaus gestorben. Die Kriminalpolizei ermittelt nun den genauen Hergang des Unglücks.

Im Norden fallen viele Züge aus

Wegen des Sturmtiefs "Sebastian" fallen auf vielen Strecken in Schleswig-Holstein die Züge aus: Der Zugverkehr der Strecken Hamburg-Flensburg (RE7), Kiel-Flensburg (RE72), Kiel-Eckernförde (RB73), Kiel-Husum (RE74), Kiel-Rendsburg (RB75), Itzehoe-Heide (RB62), Husum-St. Peter-Ording (RB64), Lübeck-Puttgarden (RB85) und Lübeck-Travemünde Strand (RB86) ist vollständig eingestellt. Die Deutsche Bahn weist darauf hin, dass es auf allen noch verkehrenden Linien zu Verspätungen und Ausfällen kommen kann, auch ist noch nicht sicher, ob der Betrieb auf den verbliebenen Strecken aufrecht erhalten werden kann. Der Verkehr zwischen Hamburg und Sylt wird nach dem Zug um 18.22 Uhr ab Westerland ebenfalls eingestellt.

Wie das Unternehmen Metronom mitteilt, ist der Zugverkehr zwischen Hamburg und Bremen und zwischen Hamburg und Cuxhaven vollständig zum Erliegen gekommen. Auf den anderen Strecken des Unternehmens muss ebenfalls mit Verspätungen und Ausfällen gerechnet werden.

Im Hamburger Nahverkehr kommt es ebenfalls immer wieder zu Verspätungen bei Bus- und Bahnlinien. Die S-Bahnlinie 3 ist zwischen Stade und Buxtehude gesperrt, ein Ersatzverkehr mit Bussen und Taxen ist eingerichtet. Die Sperrung zwischen Harburg Rathaus und Neugraben wurde aufgehoben.

Herbststurm wütet auch in Niedersachsen und Bremen

Auch der nördliche Bereich Niedersachsens und Bremen sind massiv vom Sturmtief „Sebastian“ betroffen. der In der Küstenregion gab es gewaltige Böen, wie Robert Scholz vom Deutschen Wetterdienst sagte. In Ostfriesland waren die Feuerwehren besonders gefordert. „Wir haben schon weit über 100 Einsätze gehabt“, sagte Schichtführer Simen Rass von der Kooperativen Regionalleitstelle Ostfriesland am frühen Nachmittag. Nach seinen Worten stürzten in den Landkreisen Aurich, Leer und Wittmund zahlreiche Bäume auf Fahrbahnen, Gehwege, Autos, Telefon- und Bahnleitungen. Vielerorts sägten Feuerwehrleute Äste und Stämme ab, um Schäden zu vermeiden. „Wir haben unsere Leitstelle massiv aufgestockt“, sagte Rass.

Ähnlich heftig war es in Bremen. „Die Einsätze kommen im Minutentakt rein“, sagte ein Polizeisprecher. Er berichtete von weggewehten Baugerüsten sowie zahlreichen Ästen, die auf Straßen und Autos krachten. Am Nachmittag wurde ein Mensch von einem umstürzenden Baum verletzt, genaueres war zunächst unklar.

Rollstuhlfahrer stürzt am Fähranleger Blankenese in die Elbe

Das Sturmtief "Sebastian" hat ein erstes Todesopfer gefordert: Am Fähranleger Blankenese kam es um 14.17 Uhr zu einem dramatischen Unfall. Ein Rollstuhlfahrer, der den Rollstuhl mit dem Mund lenkte, ist in die Elbe gestürzt. Die Feuerwehr vermutet, dass er aufgrund des heftiges Windes ins Wasser fiel. "Der Mann wurde aus der Elbe geborgen und an Land gebracht", sagte Feuerwehrsprecher Jan Ole Unger. Der Rollstuhlfahrer überlebte den Unfall nicht.

Treffen mit Manuela Schwesig in Eimsbütteler Tapas-Lokal verlegt

Eigentlich wollten der SPD-Bundestagsabgeordnete Niels Annen und die Ex-Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig heute Abend auf dem Fanny-Mendelssohn-Platz in Eimsbüttel mit Bürgen über Familienpolitik plaudern. Doch daraus wird nichts. Zumindest nicht draußen. Via Twitter ließ Niels Annen die Öffentlichkeit wissen, dass der Austausch mit den Bürgern wegen des Wetters kurzer Hand nach drinnen verlegt wurde. Anzutreffen sind Annen und die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern nun in dem Tapas-Lokal La Paz am Heußweg.

S-Bahn: Freie Fahrt auf der Verbindungsbahn

Die Sperrung der Verbindungsbahn (Dammtorlinie) ist beendet. Der Baum wurde entfernt, twitterte die Deutsche Bahn um 14.43 Uhr.

Züge der U1 fahren wieder

Die Sperrung zwischen Ochsenzoll und Lattenkamp auf der U1-Strecke wurde aufgehoben. Die Hochbahn weist jedoch darauf hin, dass Fahrgäste der Linien U1 und U3 mehr Zeit einplanen sollten, da die Züge oberirdisch langsamer fahren müssen als sonst. Auch bei der U2 und U4 kommt es jeweils zu Verspätungen.

Sylt Shuttle hat Verkehr eingestellt

Der Sylt Shuttle hat seinen Verkehr komplett eingestellt. "Um 13.35 Uhr ist die Entscheidung gefallen", teilte das Unternehmen auf seiner Homepage im Internet mit. Auf dem Hindenburgdamm habe der Windmesser bereits erste Ausschläge der Windstärke 12 gemessen. Die Meteorologen des Deutschen Wetterdienstes bestätigten, dass bis in die Abendstunden mit derart hohen Windböen zu rechnen ist.

Planten un Blomen geschlossen

Der Hamburger Park Planten un Blomen wird wegen des Herbststurms ab dem frühen Mittwochnachmittag geschlossen. Das teilte das zuständige Bezirksamt mit. Damit falle auch das für den Abend geplante Wasserlichtkonzert im Park aus. Es bestehe die Sorge, dass die noch belaubten alten Bäume im Park dem Sturm eventuell nicht standhalten könnten.

Massive Probleme im U- und S-Bahn-Verkehr

Wegen des Sturms kommt es bei den S- und U-Bahnen zu Ausfällen und Verspätungen. Zwischen den U1-Haltestellen Ochsenzoll und Lattenkamp fahren derzeit Bussen und Taxen statt U-Bahnen. Grund: Ein umgestürzter Baum auf den Gleisen. Die Dauer ist laut Hochbahn noch unklar. Auf der Strecke der U3 kommt es zu Verspätungen, da die Bahnen aufgrund des Sturms oberirdisch nur mit maximal 40 km/h unterwegs sein dürfen. Die Deutsche Bahn meldete um kurz vor 14 Uhr via Twitter die Sperrung der Verbindungbahn. Auch hier liegt ein Baum auf dem Gleis. Sie S-Bahn-Linie S21 wird durch den Citytunnel umgeleitet. Die S31 fährt nur zwischen den Stationen Hauptbahnhof und Harburg Rathaus.

Eine weitere Sperrung gibt es auf der S3-Strecke zwischen Stade und Buxtehude. Auch dort sind Bäume im Gleis Grund für die Sperrung. Ein Ersatzverkehr wurde eingerichtet.

Schwerer Unfall in der Hamburger Altstadt

Das Sturmtief "Sebastian" hat zu einem schweren Unfall in der Hamburger Altstadt geführt. Von einem Hotel-Neubau neben dem ehemaligen "Spiegel"-Gebäude an der Ecke Willy-Brandt-Straße/Brandstwiete ist eine Absturzsicherung, die zum Schutz für Bauarbeiter am Dach installiert worden war, vom siebten Stock herunter gestürzt. Das bestätigte Feuerwehrsprecher Jan Ole Unger dem Abendblatt. Ein Passant wurde von den Gerüstteilen getroffen und lebensgefährlich verletzt. Zu dem Unfall kam es um kurz vor 13 Uhr.

"Die ersten eintreffenden Einsatzkräfte fanden eine männliche Person leblos, aber nicht eingeklemmt auf dem Gehweg neben Gerüstteilen vor", sagte Unger. Der Mann, der nach Angaben der Feuerwehr unter 40 Jahre alt ist, wurde in ein Krankenhaus gebracht. Laut Polizei wurde eine weitere Person leicht verletzt. Die Willy-Brandt-Straße wurde Richtung Hauptbahnhof zwischenzeitlich gesperrt. Weshalb das Gerüstteil vom Dach des Hochhauses stürzte, wird nun von der Polizei ermittelt.

Hallen der Windmesse Husum geräumt

Wegen des Herbststurms sind vier der fünf Messehallen bei der Windmesse in Husum geräumt worden. Die Besucher seien gebeten worden, die Hallen zu verlassen und sich in das Congresscenter beziehungsweise die feste fünfte Halle zu begeben, sagte ein Mitarbeiter der Messe. Derzeit gehe man noch davon aus, dass dies nur eine temporäre Maßnahme sei. Die Messe stehe in engem Kontakt zum Wetterdienst. Bei der Messe Husum Wind präsentieren rund 650 Aussteller bis Sonntag in fünf Hallen alles rund um die Windenergie.

Autozug Sylt stellt Verkehr ein

Der Autozug Sylt – die private Konkurrenz zum Sylt Shuttle – hat aufgrund des Sturms mit Orkanböen um 13 Uhr den Verkehr eingestellt. Der vorerst letzte Autozug fuhr um 12.25 Uhr ab Westerland auf das Festland. Der Autozugverkehr wird nun bis mindestens 18 Uhr eingestellt, teilte das Unternehmen auf seiner Homepage im Internet mit. Ob der Zug um 19 Uhr ab Niebüll und um 20.25 Uhr ab Westerland fahren kann, hänge von der Windentwicklung ab.

Umstürzender Baum verletzt Fußgängerin

In Wyk auf Föhr hat Orkantief „Sebastian“ eine Frau verletzt. Nach Angaben der Rettungsleitstelle wurde die Fußgängerin von einem umstürzenden Baum getroffen. Dabei wurde sie schwer verletzt, wie die Polizeidirektion Flensburg mitteilte. Sie kam in ein Krankenhaus.

Flensburg schließt Kitas

Die Stadt Flensburg schließt wegen der Sturmwarnungen die städtische Kindertagesstätten und empfiehlt den Schulen, ebenfalls zu schließen. Der Norddeutsche Wetterdienst habe für Sturmtief „Sebastian“ ähnliche Windgeschwindigkeiten wie bei Sturm Christian vorausgesagt, teilte die Stadt mit. Daher empfehle die Stadtverwaltung, alle Schulen zu schließen, die Eltern zu benachrichtigen und die Kinder nach Hause zu schicken beziehungsweise von den Eltern abholen zu lassen. Die endgültige Entscheidung, den Unterricht ausfallen zu lassen, liege aber bei der Schulleitung. Die städtischen Kindertageseinrichtungen wurden für den Rest des Mittwochs geschlossen. Auch eine Info-Veranstaltung am Abend zur Zukunft des Stadions wurde abgesagt.

Sturmflut gegen 22 Uhr in Hamburg

Auch an Land wird das Tief „Sebastian“ wohl Schaden anrichten. In Hamburg sollen Bürger auf herabstürzende Äste und Dachziegel achten, warnt der DWD. Auch Bäume könnten durch den Herbststurm entwurzelt werden, da die Böden nass seien. Zudem sollten Fenster und Türen geschlossen werden. „Halten Sie insbesondere Abstand von Gebäuden, Bäumen, Gerüsten und Hochspannungsleitungen“, teilte der DWD am Mittwochmorgen mit.

Gegen 22 Uhr wird am Hamburger Hafen eine Sturmflut erwartet. "Mit 1,50 bis 2 Meter über dem normalen Hochwasser", sagte Kent Heinemann vom Hamburger Institut für Wetter- und Klimakommunikation am Mittag. Das stärkste Windfeld werde die Hansestadt spätestens am frühen Nachmittag erreichen. "Hinterher kommen jedoch einzelne Schauer und Gewitter, die ebenfalls schwere Sturmböen mit sich bringen können", so der Wetterexperte. "Es wird ordentlich pusten." Baumumstürze seien nicht ausgeschlossen.

Feuerwehr Hamburg: "Passt auf euch auf!"

Auch die Feuerwehr Hamburg warnte die Bevölkerung vor dem Herbststurm mit schwere Sturmböen. "Böen bis 110 km/h möglich", teilte die Feuerwehr in dem sozialen Netzwerk mit. "Passt auf Euch auf!"

Der erste und recht frühe Herbststurm werde „recht kräftig“, besonders windig werde es in den Nachmittagsstunden, sagte auch ein anderer Meteorologe bereits am Morgen. Stellenweise könne es an der Nordseeküste auch gewittern. Weiter landeinwärts wehe der Wind etwas schwächer.

Zahlreiche Fähren fallen aus

Die Fährverbindung Hamburg-Helgoland über Cuxhaven fiel bereits aus, wie der Betreiber bekanntgab. „Das Wetter ist zu extrem“, sagte die Sprecherin am Morgen.

Auch Fähren zu den ostfriesischen Inseln wurden gestrichen. Zwischen Wangerooge und Harlesiel fuhr am Morgen nur jeweils ein Schiff. „Alle anderen Fähren fallen aus“, teilte die Deutsche Bahn mit, die die Fährverbindung betreibt. Die Wetterlage werde weiter beobachtet, sagte ein Sprecher der Bahn. Der Sylt Shuttle nahm wegen des Sturms keine Campingwagen, Pkw mit Anhänger, Lastwagen mit leeren Anhängern sowie Gefahrgut-Transporte mit.

„Wir werden so lange fahren, wie es möglich ist“, sagte eine Sprecherin der Reederei Norden-Frisia, die die Fährverbindungen nach Norderney und Juist betreibt. Ab Mittag könne es aber zu Ausfällen kommen, teilte die Reederei am Morgen vorsorglich mit. Der Katamaran zwischen Emden und der Insel Borkum fährt am Mittwoch ebenfalls nicht, auch die frühe Überfahrt am Donnerstag um 7.15 Uhr wurde gestrichen. Die Schifffahrten nach Baltrum von Neßmersiel fallen nach derzeitiger Planung aber nicht aus.

Windmesse Husum beobachtet Herbsturm

Der nahende Herbsturm wird auch bei der Windmesse in Husum aufmerksam verfolgt. Wir sind vorbereitet auf stärkere Winde und stehen im Kontakt mit dem Wetterdienst, sagte ein Sprecher am Mittwoch. Die Leichtbauhallen der Messe seien auch für stärkere Winde ausgerichtet. Die Veranstalter sind nach Angaben des Sprechers für alle Eventualitäten gewappnet aber guter Dinge, dass die Messe wie geplant bis zum Abend abgehalten werden kann. Bei der Messe Husum Wind präsentieren rund 650 Aussteller bis Sonntag in fünf Hallen alles rund um die Windenergie.

Appell der Feuerwehren

Nach Angaben des DWD sind neben Hamburg und Schleswig-Holstein besonders Niedersachsen und Bremen betroffen. Auch an der Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommerns seien Böen mit bis zu 110 Stundenkilometern nicht ausgeschlossen. Am stärksten wird der Wind den Prognosen zufolge gegen Mittag und Nachmittag, bevor sich das Wetter zum Abend hin etwas beruhigt.

In Schleswig-Holstein zeigten sich die 1350 Freiwilligen Feuerwehren sowie vier Berufsfeuerwehren zwar vorbereitet. Dennoch sei davon auszugehen, dass die Wetterlage "das nahezu durchweg ehrenamtliche System der Feuerwehren erneut stark fordern wird", wie es in einer Mitteilung von Mittwoch hieß. "Wir bitten daher alle Arbeitgeber um Verständnis, wenn ehrenamtliche Feuerwehrangehörige durch das erhöhte Einsatzaufkommen nicht ihrer regulären Tätigkeit nachgehen können", schrieb die stellvertretende Landesverbandsvorsitzende Ilona Dudek.

Tipps der Feuerwehren

Die Feuerwehren raten zudem, Gebäude zu sichern. Vor allem bereits lose Ziegel oder Dachrinnen stellen eine Gefahr dar. Autos sollten vorausschauend und sicher abgestellt werden. "Bei älteren Gebäuden, Baustellen oder morschen Bäumen kann der Wind Teile lockern, die dann eventuell auf das Auto herabstürzen können", warnen die Feuerwehren in einer Mitteilung. Auch Keller sollten rechtzeitig vor eindringendem Wasser geschützt werden, wenn Überflutungsgefahr besteht. Rückschlagventile im Keller müssen funktionsfähig sei. Laub und Dreck in Abflussrinnen sollten schnell entfernt werden. Damit der Herbsturm Möbel oder Pflanzen nicht umherwirbelt, raten die Feuerwehren dazu, Balkone und Terrassen zu sichern.

Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte während und nach des Sturms das Haus nicht verlassen. Ein Besuch im Wald sollte aufgrund der Wetterlage ohnehin verschoben werden. Autofahrer sollten ebenfalls vorsichtig sein. Unvorhergesehene Hindernisse wie umherfliegende Gegenstände oder abgebrochene Äste können eine erhebliche Gefahr darstellen. Achtung auch beim Aussteigen: Fahrzeugtüren vorsichtig öffnen und den Griff gut festhalten – Windböen können sonst abrupt die Tür aufreißen.

Warnung: Das Unwetter-Video

Die Orkanböen schwächen sich weiter südlich zu schweren Sturmböen herab. Dabei sollen Schauer und Gewitter den gesamten Norden dominieren. Graupelschauer und Hagel sind möglich. Das gesamte Nordseeumfeld wird laut DWD-Meteorologen von einem Unwetter durchgeschüttelt. Am Donnerstag werden die Winde nur unmerklich schwächer. Gewitter und Starkregen sind für Freitag im Bereich der Nordsee wahrscheinlich. Die Temperaturen werden sich bei zehn bis 16 Grad bewegen.