Diebsteich

Pläne für neues Wohnquartier? Altona verändert sich rasant

Der Hamburger Architekt André Poitiers hat die Wohnungen entworfen, die in der Neuen Mitte Altona gebaut werden

Der Hamburger Architekt André Poitiers hat die Wohnungen entworfen, die in der Neuen Mitte Altona gebaut werden

ThyssenKrupp plant Verkauf von Gelände an Waidmannstraße. Es könnte auf dem Areal im großen Stil Wohnungsbau realisiert werden.

Hamburg.  Der ThyssenKrupp-Konzern plant nach Abendblatt-Informationen den Verkauf eines rund 47.000 Quadratmeter großen Grundstücks an der Waidmannstraße in Altona-Nord. Auf dem Gelände stehen Lagerhallen und Gebäude des Tochterunternehmens ThyssenKrupp-Schulte. Es könnte auf dem Areal im großen Stil Wohnungsbau – mehrere Hundert Einheiten wären rechnerisch möglich – realisiert werden.

Ein Verkauf wäre mit einer Verlegung des Standorts, an dem rund 50 Mitarbeiter beschäftigt sind, verbunden. Es wurden bereits Projektentwickler aufgefordert, ein Kaufpreisangebot für die Fläche abzugeben. Das Grundstück liegt unweit von der S-Bahn-Station Diebsteich. Dort entsteht der neue Fernbahnhof Altona, der 2024 eröffnet werden soll, und angrenzend Hochhäuser mit bis zu 20 Stockwerken.

Vorkaufsrecht für das Areal in Altona

Allerdings hat die Stadt Interesse daran, von ihrem Vorkaufsrecht für das Areal Gebrauch zu machen. Das bestätigte Christopher Harms, Sprecher der Finanzbehörde, auf Abendblatt-Anfrage. Es hat bereits Gespräche zwischen der Stadt und ThyssenKrupp gegeben. Dem Vernehmen nach wird der Konzern demnächst eine Entscheidung treffen. Bislang wird die Angelegenheit streng vertraulich behandelt. Auf Abendblatt-Anfrage wollte ein Unternehmenssprecher keine Stellungnahme abgeben.

Welche Vorteile hat es für die Stadt, die Fläche zu erwerben? Dazu sagte Sven Hielscher, CDU-Vizefraktionschef in der Bezirksversammlung Altona: „Über den Ankauf des Grundstückes hat die Stadt stärkeren Einfluss auf die Frage was, wie hoch und dicht gebaut werden soll und kann stärkeren Einfluss nehmen auf die spätere Nutzung.“

Ausgangspunkt weitere Entwicklung

Der Grünen-Fraktionschef in der Bürgerschaft, Anjes Tjarks, sagte: „Der neue Fernbahnhof in Altona befindet sich in der konkreten Realisierungsperspektive. Deshalb begrüßen wir es, dass auch bei der Entwicklung der wichtigen umliegenden Flächen Bewegung in die Sache kommt.“ Dabei sei es wichtig, dass die Stadt als handelnde Akteurin ihre Interessen wahre und aktiv in die Gestaltung dieses Gebietes eingreife.

Das Thyssen-Gelände sei ein guter Ausgangspunkt für die weitere Entwicklung des Quartiers rund um den Bahnhof. SPD-Stadtentwicklungsexperte Dirk Kienscherf weiß um die Attraktivität des Grundstücks: „Das Gelände ist ein idealer Standort für eine Mischung von Wohnen und Arbeiten.“ Zentral unmittelbar am neuen Bahnhof gelegen, könne auch unter Einbeziehung der alten Backsteingebäude aus einem alten Industriegelände ein prägnantes, lebendiges, neues Quartier als Art Keimzelle für weitere Entwicklungen im Umfeld entstehen.

Altona steht aktuell im Fokus

Allerdings müsste der Bebauungsplan geändert werden, damit dort Wohnungen und Büros entstehen könne. Dafür ist der Bezirk verantwortlich. Zudem würde sich ein städtebaulicher Wettbewerb an dieser exponierten Stelle anbieten, sagte Sprecher Martin Röhl. Seit 1955 sei die Fläche als Indus­triegebiet ausgewiesen.

Der Stadtteil Altona steht aktuell im Fokus, weil dort zwei bedeutende Stadtentwicklungsprojekte umgesetzt werden. Die Flächen liegen in der Nähe des ThyssenKrupp-Grundstücks: Auf einem ehemaligen Güterbahngelände entsteht die Neue Mitte Altona. Seit 2016 wird dort gebaut, im ersten Abschnitt sind 1600 Wohnungen geplant. Der zweite Abschnitt mit weiteren rund 1900 Wohnungen jenseits der sogenannten Quietschkurve der Bahngleise kann erst umgesetzt werden, wenn wie geplant der Fernbahnhof ­Altona 2023 zur heutigen S-Bahn-Station Diebsteich verlagert ist und die teils maroden Gleisanlagen abgeräumt werden.

Abriss der Brauerei an der Holstenstraße

Ein weiteres Großprojekt ist das Holsten-Quartier. Die Brauerei plant im ersten Quartal 2019 den Umzug in das Gewerbegebiet Heykenaukamp im Süden Hamburgs. Dort wird am 5. Oktober der Grundstein für die neue Produktionsstätte gelegt. 2019 soll mit dem Abriss der Brauerei an der Holstenstraße begonnen werden. Dort plant die Gerch Group ein Wohnquartier mit bis zu 2000 Wohnungen. Außerdem sollen Büros, Einzelhandel und Gastronomie entstehen. Auch ein Hotel wird gebaut. Die ersten Gebäude sollen 2021 bezogen werden. Das Investitionsvolumen soll bei bis zu einer Milliarde Euro liegen.