Prozessauftakt

Brutaler Überfall an Elbchaussee: Täter jahrelang auf Flucht

Fall sorgte 2012 für Aufsehen. Ein 34-Jähriger raubte mit Komplizen ein homosexuelles Pärchen aus. Heute startet der Prozess.

Hamburg.  Eine Villa an der Elbchaussee. Ein vermögendes homosexuelles Pärchen in Todesangst. Bewaffnete Räuber, die äußerst brutal vorgehen und mit einer fetten Beute der Polizei entwischen. Der Fall liest sich wie die Zusammenfassung eines Fernsehkrimis zur besten Sendezeit. Damals galt der Überfall im feinen Nienstedten als einer der brutalsten Raubüberfälle der vergangenen Jahre. Fast genau fünf Jahre später wird einem der Täter nun der Prozess gemacht.

Ab heute muss sich ein 34-Jähriger wegen erpresserischen Menschenraubs, schwerer räuberischer Erpressung sowie gefährlicher Körperverletzung vor einer Großen Strafkammer des Landgerichts Hamburg verantworten. Zwei Komplizen stehen in gesonderten Verfahren vor Gericht.

Opfer hörte Geräusche im Obergeschoss

Insgesamt waren die Täter damals – am späten Abend des 14. September 2012 – zu viert auf Beutezug. Nach Angaben der Hamburger Staatsanwaltschaft soll der Angeklagte M. mit zwei Komplizen die Balkontür im ersten Stock eines Hauses an der Elbchaussee aufgehebelt haben. Genauer gesagt: Die Balkontür des reich dekorierten Anwesen eines Spielhallen-Unternehmers und seines Lebensgefährten. Damals hieß es, dass die Opfer nur Dank ihrer Wehrhaftigkeit und ihres geistesgegenwärtigen Handelns überlebt hatten. Eines der Opfer stieß einem Eindringling sogar ein Messer in den Bauch.

Der Partner des Spielhallen-Betreibers hatte zur späten Stunde Geräusche im Obergeschoss der Villa gehört. Als er oben ankam, soll er von den mit Strumpfmasken maskierten Männern überwältigt worden sein. Einer der Täter stürmte offenbar nach unten und schlug dem anderen Opfer mit einem Kuhfuß auf den Kopf.

Sie flüchteten mit viel Bargeld und Schmuck

Der 34-jährige M. und seine Komplizen sollen auf den Mann eingeschlagen haben, der sie zuerst entdeckt hatte. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft würgten sie ihr Opfer und zerrten es dann ins Erdgeschoss, wo die Villenbewohner von zwei Tätern mit einer Pistole bedroht wurden. Der Angeklagte und die Mittäter sollen die Männer mit Klebeband und Kabelbindern an Beinen und Händen gefesselt haben.

Der Lebensgefährte des Unternehmers soll zudem unter Vorhalt eines Messers und einer Waffe zum Tresorraum im Arbeitszimmer geführt worden sein. Dort musste er offenbar den Code im Tresor eingeben und den brutalen Räubern neben Geld auch eine Vielzahl an Armbanduhren sowie einzelne Schmuckstücke aushändigen. Anschließend sollen die Eindringlinge mit einem Autoschlüssel, rund 41.500 Euro Bargeld und diversen Armbanduhren vom Tatort geflüchtet sein.

Europäischer Haftbefehl im Jahr 2015

Nach dem Notruf des geschädigten Paares rasten 20 Streifenwagen zur Elbchaussee. Auch sogenannten Mantrailer-Hunde, die kleinste Spuren von Menschen aufnehmen und verfolgen können, wurden eingesetzt. Ohne Erfolg. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft erlitten die Opfer zahlreiche Verletzungen: Hämatome im Gesichts-, Schädel- und Halsbereich sowie Verletzungen an Händen, Armen und Gesicht.

Jahrelang fehlte von den Räubern jede Spur. Anhand von sicher gestelltem DNA-Material wurde im März 2015 Haftbefehl erlassen. Im April 2015 folgte ein europäischer Haftbefehl, der heutige Angeklagte wurde zur Fahndung ausgeschrieben. „Zwei Jahre später, am 16. März 2017, kam es in Rumänien zur Festnahme“, sagte Oberstaatsanwalt Carsten Rinio, Sprecher der Staatsanwaltschaft Hamburg, am Freitag. Am 7. April wurde der 34-jährige M. schließlich nach Deutschland ausgeliefert.