Ironman

„Das war fantastisch! Danke an die Hamburger“

Cunnama und Sämmler gewinnen in Hamburg. Stadt kann sich als Sieger fühlen. Um 23.03 trifft Letzter im Ziel ein – nach 16 Stunden.

Hamburg.  Auch wenn eigentlich keine Zweifel bestanden, jetzt ist es amtlich: Hamburg kann bis auf G20 und HSV einfach alles. „Das war einer der besten Ironman, die ich je mitgemacht habe“, sagte James Cunnama über die Premiere des Extremsportevents in dieser Stadt. Und weil das Lob des Siegers leicht falsch verstanden werden könnte, beteuerte der Südafrikaner sogleich: „Das hat nichts mit meinem Erfolg zu tun.

Wie die Leute uns beim Marathon an der Alster und im Zielbereich am Rathausmarkt angefeuert haben, das war einmalig, etwas ganz Besonderes. Es gab nicht einen ruhigen Platz auf der gesamten Laufstrecke.“ Der Ironman Hamburg könne ein Zeichen setzen, meinte der 34-Jährige, und eines der bedeutendsten Rennen der Welt werden. „Der Kurs, speziell die Radstrecke, birgt zwar einige Herausforderungen, aber er ist fair und durchaus machbar – und die Stimmung war einfach sensationell.“

3,8 Kilometer Schwimmen, 182 Kilometer Radfahren und ein Marathon

Cunnama überquerte nach 3,8 Kilometern Schwimmen in der Alster, 182 Kilometern Radfahren durch die HafenCity und das nördliche Niedersachsen sowie dem abschließenden Marathon (42,195 Kilometer) entlang der Binnen- und Außenalster in der Weltklassezeit von 8:00:36 Stunden die Ziellinie am Rathaus vor den Deutschen Horst Reichel und Markus Fachbach.

Bei den Frauen gewann Daniela Sämmler (29) ihren zweiten Ironman (zuvor 2015 auf Mallorca) in 9:07:49 Stunden vor der Österreicherin Eva Wutti und der etwas indisponierten Favoritin Kristin Möller. Die Sieger bei Männern und Frauen, die jeweils 15.000 US-Dollar Prämie kassierten, distanzierten ihre Konkurrenz, Cunnama um mehr als 20, Sämmler um mehr als 15 Minuten.

175.000 Zuschauer standen an der Strecke

„Das war diesmal leider Champions League gegen Kreisliga. Als ich meinen Rückstand nach dem Radfahren gesehen habe, war mir das fast schon peinlich“, gab sich der drittplatzierte Fachbach selbstkritisch, und Kristin Möller meinte: „Danke an die Hamburger! Wenn die Zuschauer nicht so fantastisch gewesen wären, hätte ich heute wahrscheinlich aufgegeben. Bei mir lief von Anfang an irgendwie nichts zusammen. Das war nur Kampf und Krampf.“ Sowohl für Fachbach als auch für Möller lohnte sich das Durchhalten. Sie sammelten in Hamburg die nötigen Weltranglistenpunkte für die Weltmeisterschaften am 14. Oktober auf Hawaii.

Geschätzte 175.000 Zuschauer hatten sich den Tag über an der Strecke, vor allem auf und um dem Rathausmarkt und an der Laufstrecke an der Alster eingefunden, um die rund 2400 gestarteten Extremsportlern auf ihrem langen Weg ins Ziel zu unterstützen. Selbst entlang der Radstrecke saßen Menschen vor ihren Häusern auf Gartenstühlen, um die Teilnehmer anzufeuern. Im Zielbereich harrten vor dem Rathaus Tausende bis spät in die Nacht aus, bis auch die Letzten, 16 Stunden nach dem Start am Jungfernstieg, gegen 23 Uhr eintrafen. Erschöpft, aber glücklich – unter Abbrennen von Wunderkerzen und tanzenden Cheerleadern gefeiert wie die Sieger. Eine großartige Atmosphäre. Der Allerletzte, ein halbseitig gelähmter Ironman, stapfte drei Minuten nach Zielschluss über die Linie -- außerhalb der Wertung. Bejubelt wurde er dafür umso mehr. Für jeden Finisher standen nach der Ankunft kalorienhaltige Getränke, Salzgebäck und Eimer bereit; wobei die ersten beiden Angebote weit häufiger genutzt wurden als das dritte.

Stadt hatte sich für umstrittene Veranstaltung stark gemacht

Als Sieger durften sich auch die Vertreter der Stadt fühlen, die sich für die nicht unumstrittene Veranstaltung mit erneuten Straßensperrungen in der City stark gemacht hatten. „Heute hat alles gepasst: das Wetter, auch das können wir, wenn es nötig ist, die Atmosphäre, das war Gänsehaut; die Leistungen, die waren bei jedem, der mitgemacht hat, außergewöhnlich“, sagte Hamburgs Sport- und Innensenator Andy Grote (SPD). „Wir haben mit dem Ironman ein weiteres Ausrufezeichen gesetzt und wollen dieses Format hier etablieren und ausbauen.“

Mit dem Haspa-Marathon Ende April, dem Hamburg Wasser World Triathlon Mitte Juli inklusive der Mixed-Staffel-Weltmeisterschaft und dem WorldTour-Radrennen EuroEyes Cyclassics am nächsten Sonntag bietet Hamburg als einzige Stadt der Welt jetzt in vier der populärsten Ausdauersportarten hochkarätige Events an. Und offensichtlich, das zeigte die große Resonanz am Sonntag, kommen alle vier bei den Hamburgern (immer noch) gut an. Auch die Verkäufer an den Buden und Ständen waren wieder zufrieden, ihr Umsätze lagen über den Erwartungen.

Ironman Hamburg, Männer: 1. James Cunnama (Südafrika) 8:00:36 Stunden, 2. Horst Reichel (Darmstadt) 8:22:27, 3. Markus Fachbach (Koblenz) 8:25:36; Frauen: 1. Daniela Sämmler (Darmstadt) 9:07:49 Stunden, 2. Eva Wutti (Österreich) 9:23:35, 3. Kristin Möller (Erlangen) 9:39:43.