Autovermieter

Starcar vermietet immer mehr Campingmobile

Die beiden
geschäftsführenden
Starcar-Gesellschafter
Maik Grabow (l.)
und Tobias Höpfner

Die beiden geschäftsführenden Starcar-Gesellschafter Maik Grabow (l.) und Tobias Höpfner

Foto: Klaus Bodig / HA

Das Hamburger Unternehmen startete 1987 mit zwei Gebrauchtwagen. Jetzt umfasst die Flotte 3500 Fahrzeuge.

Hamburg.  Die hinteren Sitzreihen lassen sich zur Liegefläche umbauen, das Dach ist ausklappbar. Dann entstehen noch zwei weitere Schlafplätze. Kochgelegenheit und Kühlbox sind auch an Bord. Für ganz lange Reisen sind Campingmobile wie der Marco Polo von Mercedes oder der VW-Bulli California für eine Familie vielleicht etwas zu beengt, doch für ein Wochenende beim Open-Air-Festival oder einen Mehrtages-Trip auf der Straße sind sie eine Alternative zum großen Wohnmobil.

Beim Hamburger Autovermieter Starcar sind die Camper eine Erfolgsgeschichte. „Wir haben mit zwei Fahrzeugen angefangen, im Jahr danach auf sieben erhöht. In diesem Jahr vermieten wir 30, und 2018 werden wir wohl auf 60 erhöhen“, sagt Tobias Höpfner (51), einer der beiden geschäftsführenden Gesellschafter des vor 30 Jahren gegründeten Unternehmens. Gemeinsam mit seinem Schulfreund Maik Grabow (50) stieg er 1987 ins Autovermietgeschäft ein. Die Fahrzeugflotte umfasste je einen Opel Ascona und einen Ford Fiesta. Beide waren gebraucht und kosteten die Kunden 29 Mark pro Tag.

Fast 3500 Mietfahrzeuge

Das Kleinstunternehmen zweier junger Männer, die erst kurz zuvor die Schule und die Lehre abgeschlossen hatten, startete in einer seit Jahrzehnten etablierten Branche. Trotzdem gehört Starcar heute zu den zehn größten Autovermietern in Deutschland, hat fast 3500 Mietfahrzeuge, ist zwischen Kiel und München in 13 großen Städten mit derzeit 32 Stationen präsent und erzielte zuletzt einen Umsatz von rund 35 Millionen Euro. „Das Unternehmen ist profitabel“, sagt Höpfner. In diesem Jahr ist die Zahl der Mitarbeiter erstmals über 200 gestiegen.

„Wir haben immer wieder Nischen im Markt gefunden“, sagt Grabow, der zweite geschäftsführende Gesellschafter. Die Camper-Vermietung ist so eine Nische, Spaß-Autos und Car-Sharing gehören auch dazu. „Das Spaßauto-Angebot haben wir in den vergangenen drei Jahren extrem ausgebaut“, sagt Höpfner. Zwischen 100 und 150 zumeist PS-starke Wagen, die niemand zwingend braucht, aber viele gern einmal fahren würden, gehören zur Flotte: Porsche, Tesla, Maserati, Aston Martin, der vom Tuner AMG gestaltete Mercedes.

Ab 2018 Autos per App übernehmen

In den gut ein Dutzend Car-Sharing-Projekten des Unternehmens sind dagegen vorwiegend Klein- und Stadtwagen unterwegs. Seit drei Jahren stationiert Starcar in neuen Hamburger Wohnquartieren oder bei Firmen Autos, die sich Bewohner, Mitarbeiter und manchmal auch deren Nachbarn teilen. „Ein etwas mühsames Geschäft. Wegen der gewonnenen Erfahrungen für die Umsetzung der weiteren Strategien aber sehr hilfreich.“ Das betrifft die Starcar-App. Derzeit lassen sich mit ihr vor Übernahme des Wagens eventuelle Schäden dokumentieren. Ab 2018 soll es Kunden möglich sein, sich per Smartphone rund um die Uhr Zugang zum Mietauto zu verschaffen.

Auch das ist aus Sicht der Chefs eine Abrundung des Angebots, wird die Vermietstationen aber nicht ersetzen. „Viele Kunden möchten gern eine Einweisung in den Wagen haben. Das wird so bleiben“, ist Grabow überzeugt. Starcar will sein Stationsnetz daher ausweiten. Unter anderem sind Stationen an den sechs größten deutschen Airports das Ziel. Auch in einigen großen ostdeutschen Städten sind die Hamburger noch nicht vertreten. Bis zu 20 Standorte könnten in den nächsten fünf Jahren hinzukommen, sagt Grabow.

Wachsender Markt

Das Unternehmen profitiert auch von einem insgesamt wachsenden Markt. Der Bundesverband der Autovermieter schätzt, dass auf Deutschlands Straßen etwa 270.000 Mietfahrzeuge unterwegs sind und die Branche 2016 etwa 3,3 Milliarden Euro Umsatz erzielte. Beides mit Zuwachsraten von zuletzt drei bis fünf Prozent pro Jahr.

Der Wettbewerb ist hart und wird im Kerngeschäft vor allem über den Preis geführt. Neue Anbieter drängen in den Markt, jüngst gab es mehrere Übernahmen. „Auch wir hatten schon Anfragen“, sagt Gründer Höpfner. „Aber ein Verkauf kommt nicht infrage. Das Unternehmen hat eine Größe, bei der das Geschäft richtig Spaß macht.“