Geburtshilfe

Hamburger Marienkrankenhaus stellt zwei Chefärzte frei

Holger Maul und Gerhard Gebauer (v. l.)

Holger Maul und Gerhard Gebauer (v. l.)

Foto: Asklepios Kliniken

Holger Maul und Gerhard Gebauer werden die Geburtshilfe und die Gynäkologie an den Kliniken Barmbek und Nord übernehmen.

Hamburg. Herber Verlust für das Marienkrankenhaus: Die Chefärzte Holger Maul (46) und Gerhard Gebauer (48) wechseln zu Asklepios und werden spätestens ab 1. Januar 2018 die Geburtshilfe und Gynäkologie der Asklepios Kliniken (AK) Barmbek und Nord Heidberg leiten. Priv.-Doz. Dr. Maul wird die Geburtshilfe übernehmen, Prof. Gebauer die Gynäkologie.

Seit 2008 leiten die beiden Chefärzte gemeinsam die Frauenklinik am Marienkrankenhaus. Unter der Führung von Maul ist dort die Geburtsklinik zur größten der Stadt aufgestiegen. In den vergangenen fünf Jahren hatte die Klinik durchgehend die höchsten Geburtenzahlen in Hamburg. 2016 erreichte das Marienkrankenhaus mit 3891 Geburten und 3961 geborenen Kindern einen neuen Rekord. Zu den besonderen Schwerpunkten von Gebauer gehören gynäkologische Operationen und die Behandlung von Krebserkrankungen der weiblichen Geschlechtsorgane.

Freude bei Asklepios

Asklepios freut sich über den Wechsel der beiden Spezialisten. „Mit Priv.-Doz. Dr. Maul und Prof. Dr. Gebauer konnten wir zwei fachlich exzellente und auch menschlich hervorragende Chefärzte für unsere Klinik gewinnen. Nach intensiven Gesprächen sind wir sicher, dass wir mit den beiden nicht nur unsere Patientenversorgung weiter optimieren werden, sondern auch in Fortbildungs- und Führungsfragen einen echten Glücksgriff getan haben“, sagt Stefanie Ludwig, geschäftsführende Direktorin der AK Barmbek.

Das Marienkrankenhaus hingegen gibt sich zurückhaltend. Dort verzichtet man anscheinend schon jetzt auf die beiden Chefärzte. Auf der Website des Marienkrankenhauses tauchen sie jedenfalls nicht mehr auf. Nach Abendblattinformationen sind beide Ärzte freigestellt. Das wollte die Krankenhausleitung am Freitag unter Hinweis auf die Verschwiegenheitspflicht nicht bestätigen. Die Frauenklinik wird jetzt kommissarisch von Dr. Ahmed Abdel-Kawi geleitet, der zuvor bereits leitender Oberarzt war.

Die Frage, ob jetzt Operationen ausfallen, verneinte die Krankenhausleitung: „Unsere Frauenklinik arbeitet unverändert auf dem gleichen hohen quantitativen und qualitativen Niveau – sowohl in der operativen Gynäkologie als auch in der Geburtshilfe.“

Es werden bereits zwei Nachfolger gesucht

Das Marienkrankenhaus sucht bereits Nachfolger und teilte mit: „Aktuell befinden wir uns im laufenden Auswahlverfahren. Wir haben zahlreiche sehr interessante Bewerbungen erhalten, die zeigen, dass die Frauenklinik des Marienkrankenhauses bundesweit über einen hervorragenden Ruf verfügt.“

Mit dem Wechsel des Geburtsmediziners Maul stellt sich auch die Frage, ob er jetzt die Asklepios Klinik Barmbek zur größten Geburtsklinik Hamburgs machen wird. In den vergangenen drei Jahren lag die Barmbeker Frauenklinik mit ihren Geburtenzahlen immer auf dem vierten Platz, hinter dem Marienkrankenhaus, dem Universitätsklinikum Eppendorf und der Asklepios Klinik Altona. Diese vier Kliniken verzeichneten 2016 jeweils mehr als 3000 Geburten und liegen damit in der Spitzengruppe der Geburtskliniken in Deutschland.

Steigende Geburtenzahlen

Seit Jahren steigen die Geburtenzahlen in Hamburg, auch deshalb, weil viele Frauen aus dem Umland ihre Kinder in der Hansestadt zur Welt bringen. 2016 gab es in den Hamburger Kliniken und dem Geburtshaus Hamburg 25.063 Geburten mit insgesamt 25.602 Kindern In der ersten Hälfte dieses Jahres wurden in Hamburger Einrichtungen allerdings nur 12.338 Kinder geboren. Angesichts des Babybooms haben mehrere Hamburger Krankenhäuser ihre Geburtskliniken ausgebaut. So hat zum Beispiel erst vor wenigen Jahren die AK Altona ihr Geburtszentrum erweitert. Das Albertinen-Krankenhaus in Schnelsen hat einen sechsten Kreißsaal in Betrieb genommen sowie einen neuen Multifunktionsraum, der zur Überwachung genutzt werden kann. In Harburg allerdings wurde die Geburtsklinik an der AK Harburg zum 1. Januar 2017 geschlossen und dafür die Geburtshilfe an der Helios Mariahilf Klinik ausgebaut.

In Hamburg gibt es elf Geburtskliniken

Damit gibt es jetzt in Hamburg elf Geburtskliniken und das Geburtshaus. Je nach Ausstattung werden die Kliniken in vier Versorgungsstufen unterteilt. Die höchste Versorgungsstufe haben Perinatalzentren mit dem Level eins. Hier sollen vor allem Mütter eingeliefert werden, bei denen zu erwarten ist, dass das Kind vor der 29. Schwangerschaftswoche zur Welt kommt oder das Kind bei der Geburt weniger als 1250 Gramm wiegt. Diese Zentren gibt es in den Asklepios Kliniken Altona, Nord und Barmbek sowie im Uniklinikum Eppendorf und im Marienkrankenhaus. Perinatalzentren Level zwei sind unter anderem vorgesehen für Neugeborene, die zu einem späteren Zeitpunkt geboren werden, über 1250 Gramm Geburtsgewicht liegen, aber auch eine intensive Betreuung brauchen. Diese Zentren gibt es im Albertinen-Krankenhaus und in der Helios Mariahilf Klinik in Harburg.